Interpharm 2019

Das Fortbildungsfest

ral | Am 15. März öffnete die Interpharm ihre Türen – in diesem Jahr zum 30. Mal. Und nach langer Abstinenz fand unsere alljährliche Fortbildungsveranstaltung im Jubiläumsjahr einmal wieder an unserem Verlagsstandort Stuttgart statt. Die hellen und direkt am Flughafen und der Autobahn verkehrsgünstig gelegenen Räumlichkeiten lockten zahlreiche Fortbildungswillige und boten zwei Tage lang den Rahmen für ein abwechslungsreiches Programm. Es gab wissenschaftliche, berufspolitische und berufsrecht­liche Vorträge, zahlreiche Seminare und natürlich die pharmazeutische Ausstellung. Es wurde gelernt, diskutiert, entdeckt – und auf der traditionellen Interpharm-Party wurde wieder bis in die frühen Morgenstunden gefeiert. Für alle, die ihre Interpharm-Eindrücke noch einmal vertiefen wollten oder die keine Gelegenheit hatten, dabei zu sein, haben wir in zwei Ausgaben der diesjährigen DAZ (DAZ 12 und DAZ 13) über die Interpharm berichtet. Was sie dort lesen konnten bzw. noch einmal können, wenn sie die entsprechenden Hefte hervorholen, erfahren Sie hier.

Wissenschaftlicher Kongress

Polypharmazie im Alter

Los ging es beim wissenschaftlichen Kongress am Freitagvormittag mit dem Themenblock „Polypharmazie im Alter“. Häufig benötigen ältere Patienten aufgrund unterschiedlicher Erkrankungen mehrere Arzneimittel, deren Verordnung allerdings nicht immer die altersspezifischen Besonderheiten berücksichtigt. Wie die Arzneimitteltherapie im Alter optimiert werden kann, erläuterte Dr. Beate Mussawy.

Foto: DAZ/Alex Schelbert

Dass pharmazeutische Kompetenz in ganz besonderem Maße gefragt ist, wenn es darum geht, überflüssige Arzneimittel zu identifizieren und sie dann abzusetzen, betonte Apothekerin Isabel Waltering in ihrem Vortrag. Kein einfaches Unterfangen, das zudem in unserem Vergütungssystem bislang keinen Platz hat.

Die Brille auf dem Nachttisch ver­gessen, das Licht auf dem Weg ins Bad nicht angemacht – und schon ist es passiert. Wenn Senioren stürzen, kann das weitreichende Folgen haben bis hin zum Verlust der Selbstständigkeit. Häufig wird vergessen, dass auch Arzneimittel hinter Stürzen stecken können. Apothekerin Dr. Verena Stahl sprach aus persönlicher Erfahrung.

Und Apothekerin Ina Richling und der Kardiologe Dr. Christian Fechtrup beschrieben im Anschluss mögliche Szenarien infolge eines unkritischen Umgangs mit nichtsteroidalen Antirheumatika bei Senioren.

Was Frauen bewegt

Der Freitagnachmittag stand ganz im Zeichen der Frau.

Orale Kontrazeptiva werden immer noch häufig zur Empfängnisverhütung eingesetzt. Verhütungsmethoden wie Zyklus-Apps überschwemmen allerdings derzeit den Markt. Die Skepsis gegenüber Ersteren wird wegen Nebenwirkungen größer, aber sind Letztere wirklich eine zuverläs­sige Alternative? Darüber sprachen Dr. Martina Düfer, Universität Münster, und Dr. Petra Frank-Hermann, Universitätsklinikum Heidelberg.

Große Skepsis besteht auch seit Langem bezüglich der Hormonersatztherapie in der Menopause. Was ist dran an den Bedenken, was kann die Hormonersatztherapie leisten und was nicht? Das war das Thema von Prof. Dr. Vanadin Seifert-Klauss von der TU München.

Ein immer wiederkehrendes Problem bei Frauen sind Harnwegsinfektionen. Unter dem Gesichtspunkt zunehmender Resistenzen stellt sich die Frage, ob unkomplizierte Harnwegsinfekte statt mit Antibiotika mit einem Analgetikum behandelt werden sollten. Prof. Dr. Ildiko Gágyor von der Universität Würzburg erläuterte, wann diese Vorgehensweise sinnvoll sein kann.

Interpharm 2020

Zum Vormerken für Ihren Kalender: Die Interpharm 2020 findet vom 13. bis 14. März in Berlin statt. Sie sind herzlich eingeladen! Weitere Informationen finden Sie auf www.interpharm.de

Innovationen

Der Samstag startete mit innovativen Therapiekonzepten.

Es klingt wie die ideale Therapie: Bei Erbkrankheiten, denen man bisher machtlos gegenüberstand, repariert man einfach das defekte Gen, und der Patient ist geheilt. Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht. Dr. Ilse Zündorf und Prof. Dr. Theo Dingermann von der Universität Frankfurt führten durch die Geschichte der Gentherapie, die vor etwa 30 Jahren begann und zunehmend an Fahrt gewinnt.

„Mit dem Tumor leben und nicht an ihm sterben“, geht das? Lange Zeit bestand die Strategie gegen Krebs darin, den Tumor mit zytotoxisch wirkenden Arzneimitteln zu beschießen. Die Immuntherapie verfolgt einen anderen Ansatz: Man versucht, den Tumor mit den „hauseigenen“ Waffen des Immunsystems in Schach zu halten. Checkpoint-Inhibitoren helfen dabei, den Tumor aus seiner Deckung zu locken – wie genau, erklärte Prof. Dr. Stefan Laufer von der Universität Tübingen.

Kein Quantensprung in der Migräneprophylaxe, aber erstmals ein kausal wirksamer Therapieansatz zur Migräneprophylaxe; so charakterisierte Prof. Dr. Gerd Bendas das Potenzial der CGRP-Antikörper, deren erste Vertreter bereits auf dem Markt sind. Der große Vorteil der CGRP-Antikörper liegt neben ihrem kausalen Wirkprinzip in ihrer guten Verträglichkeit, dem fehlenden Interaktions­potenzial, einem langen Applikationsintervall und damit verbunden einer hohen Akzeptanz. Nachteilig sind ihre mäßige Ansprechrate, ihr hoher Preis und damit verbunden ihre Erstattungsfähigkeit sowie das Fehlen eines direkten Head-to-Head-Vergleichs mit konventionellen Mitteln zur Migräneprophylaxe.

Foto: Messe Stuttgart

 

Männerkrankheiten

Der Samstagnachmittag gehörte schließlich den Männern.

Der Endokrinologe und Androloge Prof. Dr. Michael Zitzmann, Universitätsklinikum Münster, erklärte, was es mit dem sogenannten Post-Finasterid-Syndrom auf sich hat, mit dem Männer teilweise zu kämpfen haben, die sich einer Glatzenbehandlung unterziehen.

Die Professoren Klaus Kopka, Leiter der Abteilung Radiopharmazeutische Chemie am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg, und Frederik Giesel, Oberarzt für Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Heidelberg, beschäftigten sich in ihrem Vortrag mit dem Theragnostik-Konzept, das bei Prostatakarzinomen zum Einsatz kommt. Der Begriff „Theragnostik“ beschreibt das Konzept, ein- und dieselbe Wirkstoffklasse sowohl für die Diagnostik als auch für die Therapie zu verwenden.

Brauchen Männer Nahrungsergänzungsmittel? Dieser Frage ging Prof. Dr. Martin Smollich, Lübeck, auf der Interpharm nach und Prof. Dr. Thomas Herdegen schloss den Themenblock „Männerkrankheiten“ mit Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten der erektilen Dysfunktion.

Wissen am Mittag

Wer seine Mittagspause nicht nur zum Essen nutzen wollte, für den bot die diesjährige Interpharm mit dem neuen Format „Wissen am Mittag“ eine weitere Fortbildungsmöglichkeit. Geboten wurden Vorträge, Workshops und Seminare z. B. zum Thema „Mikronährstoffe im Leistungssport“, zum „Richtigen Umgang mit Inhalern“ oder zur „Homöopathie für ältere Patienten“. Das Format kam prima an – und wird im nächsten Jahr daher fortgeführt. Einziges Problem dabei: Man hat die Qual der Wahl und muss sich entscheiden!

Foto: DAZ/Alex Schelbert

Festvorträge

Seit Langem bewährt und daher ein fester Bestandteil jeder Interpharm sind die Festvorträge, die den Freitag und Samstag abgeschlossen haben. Unter der Überschrift „Gefühl schlägt Evidenz“ sprach Prof. Dr. Wolfgang Gaissmaier über die Fallstricke der Statistik und das Risiko, das Risiko-kommunikation mit sich bringt. Und Hartmut Reiners entlarvte drei Mythen der Gesundheitspolitik. Reiners war von 1992 bis 2010 Referatsleiter für Grundsatzfragen der Gesundheits­politik im Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Familie des Landes Brandenburg. Bei allen Mythen fand sich ein wahrer Kern, der aber bewusst oder unbewusst falsch interpretiert wurde.

Foto: DAZ/Matthias Balk

Politische Diskussion

Die Wissenschaft steht bei der Interpharm traditionell im Vordergrund – doch ganz ohne Politik geht es bei unserem Kongress natürlich trotzdem nicht. Unter dem Titel „E-Rezept, Hüffenhardt, Versandhandelskonflikt“ hatte DAZ.online-Chefredakteur Benjamin Rohrer vier namhafte Vertreter der Gesundheitspolitik und Krankenkassen aus Baden-Württemberg zur politischen Diskussions­runde der Interpharm eingeladen. Einig waren sich alle, dass die Versorgung mit Apotheken gesichert werden sollte. Über den Weg dahin hatten sie allerdings höchst unterschiedliche Ansichten.

ApothekenRechtTag

Rechtliche Fragen sind in der Apo­theke ein zunehmendes Thema. Antworten lieferte wieder der ApothekenRechtTag. In diesem Jahr beschäftigten sich die Teilnehmer mit dem Wettbewerbsrecht, mit dem Apotheken-Stärkungsgesetz, mit Fallstricken bei der Internetpräsenz von Apotheken, dem Datenschutz und dem Thema „Arzneimittelabgabe ohne persönlichen Kontakt“. Rechtsanwalt Dr. Markus Rohner gab einen kompakten Überblick zu Letzterem und zog dabei die Grenzen, die es bei Versandhandel, Botendienst, Pick-up-Stellen und Rezeptsammelstellen zu ziehen gilt. Zur Frage, was in diesem Zusammenhang erlaubt und was verboten ist, gab Rechtsanwalt Dr. Markus Rohner eine gute Übersicht. Wenig positiv war der Blick von Gesundheitsrechts­experte Dr. Elmar J. Mand, der die jüngsten gesetzlichen Beschlüsse unter die Lupe nahm. Die Neuregelung des Großhandelszuschlags, das wiederbelebte EU-Vertragsverletzungsverfahren zur Rx-Preisbindung und die Reformpläne des Bundesgesundheitsministers für die Apotheken nannte Mand wenig „Mut machend“. Ein wenig beruhigen konnte dagegen Dr. Walter Krämer, zuständiger Referatsleiter „Datenschutz im nicht öffentlichen Bereich“ bei der Behörde des Landesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit Baden-Württemberg, der über den Datenschutz in Apotheken sprach. Vieles werde wohl nicht so heiß gegessen, wie es die Welle vermuten ließ, die mit Einführung der Datenschutzgrundverordnung im vergangenen Jahr losbrach. Dennoch: Apotheken sind gut beraten, ins­besondere mit Gesundheitsdaten sensibel umzugehen.

Filialapothekentag

In Stuttgart fand zum zweiten Mal im Rahmen der Interpharm der Filialapothekentag statt. Nach 15 Jahren werden die Filialen langsam erwachsen, konnte man hier hören. Doch obwohl sie mittlerweile zur Normalität ge­hören, stellen Filialverbünde die Inhaber, Filialleiter und Apothekenteams immer wieder vor neue Herausforderungen. Der Rat von Profis wird deshalb gern angenommen.

PTAheute-Kongress

Für PTA bietet die Interpharm stets an beiden Tagen ein eigenes Programm. Im Mittelpunkt standen auch in diesem Jahr wieder praxisnahe und abwechslungsreiche Vorträge. In diesem Jahr standen freitags die Kinder im Mittelpunkt, und am Samstag drehte sich alles ums Arzneimittel.

PKAaktiv-Seminar

Und auch für PKA bietet die Interpharm mittlerweile ein eigenes Seminar-Angebot. In diesem Jahr wurden die Themen „Lernen vom Profi – Gestaltung von Aktionsmaterial“, „Für ein strahlendes Lächeln – Zahnpflegeprodukte aus der Apotheke“ und „Ihre Rechte in der Apotheke – das müssen Sie wissen“ angeboten und fanden regen Zuspruch.

Pharmazeutische Ausstellung

Begleitend zum wissenschaftlichen und berufspolitischen Programm hielt die Interpharm natürlich auch in Stuttgart wieder eine Pharmazeu­tische Ausstellung für die Besucher bereit. Rund 90 Unternehmen präsentierten sich mit Waren und Dienstleistungen im internationalen Congresscenter und freuten sich über intensive Gespräche und den einen oder anderen Verkaufsabschluss.

Foto: DAZ/Lennart Preiss

Futurepharm

Wer in die pharmazeutische Ausstellung kam, den erwartete dort auch ein neues Forum: Futurepharm. In kurzen Vorträgen drehte sich dabei alles um die Zukunft der Apotheke als Unternehmen. Das Format kam wie „Wissen am Mittag“ gut bei den Interpharm-Teilnehmern an und wird auch auf der pharmazeutischen Ausstellung in Berlin im kommenden Jahr seinen Platz haben.

Foto: DAZ/Alex Schelbert

Happy Hour und Interpharm-Party

Zum Schluss wird gefeiert! Die traditionelle Interpharm-Party lud in diesem Jahr in die Stuttgarter Wagenhallen ein. Außerdem hatte im Jubiläumsjahr die Happy Hour ein Comeback: Die Aussteller und der Deutsche Apotheker Verlag luden zu einem kleinen Umtrunk ein. |

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