Interpharm 2018

Fortbildung at its best

ral | Am 16. März war es wieder so weit: Die Interpharm öffnete ihre Türen und lockte zahlreiche Fortbildungswillige in den CityCube nach Berlin. Dort erwarteten sie zwei Tage wissenschaftliche, berufspolitische und -rechtliche Fortbildung sowie die pharmazeutische Ausstellung. Es wurde gelernt, diskutiert, entdeckt – und auf der traditionellen Interpharm-Party wurde natürlich heftig gefeiert. Für alle, die ihre Eindrücke von der Interpharm 2018 noch einmal vertiefen wollten sowie für diejenigen, die keine Gelegenheit hatten, dabei zu sein, haben wir in zwei Ausgaben der DAZ (DAZ 12 und DAZ 13) über die Interpharm berichtet. Was sie dort lesen konnten bzw. noch einmal können, wenn sie die entsprechenden Hefte hervorholen, erfahren Sie hier.

Wissenschaftlicher Kongress

Der wissenschaftliche Kongress behandelte am Freitag die Themenblöcke „Entzündung im Visier“, „Alleskönner PPI“ und „Schmerz in der Palliativmedizin“. Einen Ausblick auf kommende Arzneimittel gab es zudem mit dem Vortrag „Neues aus der Pipeline“.

Foto: DAZ/Chris Hartlmaier
Willkommen bei der Interpharm Am 16. und 17. März 2018 lockte sie zahlreiche Fortbildungswillige in den CityCube nach Berlin.

Welche Mechanismen liegen einer Entzündung zugrunde? Welche Targets in der Signalkaskade sind am vielversprechendsten für die Entwicklung neuer Arzneimittel? Antworten auf diese Fragen gaben Dr. Ilse Zündorf und Prof. Dr. Theo Dingermann in ihrem Vortrag. Dass auch Neurologen inzwischen „coole“ Arzneimittel zur Verfügung haben, zeigte Prof. Dr. Volker Limmroth am Beispiel der Therapie der multiplen Sklerose.

Wie lange gibt es PPI? Zumindest Omeprazol feiert bald einen runden Geburtstag – den 30. Doch ist Omeprazol wirklich eine Bereicherung oder eher eine Gefahr für die Patienten? Wertvoll sind Protonenpumpeninhibitoren sicherlich, allerdings nur für bestimmte Indikationen. Das Problem ist, wie auch in anderen Bereichen der Pharmakologie, das ärztliche Verordnungsverhalten. Das lässt bei einigen Medizinern hinsichtlich der Leitlinien­konformität durchaus zu wünschen übrig, machten Prof. Dr. Martina Düfer, Isabel Waltering und Dr. Tobias Nowacki deutlich.

Hauptziele in der Versorgung von Palliativpatienten sind der Erhalt bzw. der Gewinn von Lebensqualität und die Linderung belastender Symptome. Ein ganz wesentliches Element ist dabei die Schmerztherapie. Dr. Helmut Hoffmann-Menzel erläuterte, wie Palliativmediziner bei Krebspatienten zu ihrer Entscheidung über eine Schmerz­therapie kommen. Grundsätzlich soll die Schmerztherapie so einfach wie möglich sein. Standard ist die orale Einnahme von Schmerzmitteln. Bei Schluckstörungen, behinderter Magen-Darm-Passage oder anhaltender Übelkeit gibt es jedoch auch Alternativen. Wie mit diesen eine patientenindividuelle Schmerztherapie realisiert werden kann und was Apotheker dazu beitragen können, erläuterte Apothe­kerin Dr. Constanze Rémi.

„Nur neu oder auch innovativ“? Unter diese Überschrift stellten Prof. Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz und Prof. Dr. Dieter Steinhilber ihren Vortrag „Neues aus der Pipeline“. An erster Stelle stellten die Frankfurter Professoren ein neues Wirkprinzip gegen Leukämie vor, das nicht auf einem „normalen“ Wirkstoff beruht: die CAR-T-Zelltherapie. Weitere Wirkstoffe, die angesprochen wurden, waren u. a. Emicizumab (Hemlibra®) zur Therapie der Hämophilie A, der humane monoklonale Antikörper Erenumab (Aimovig®), der Migräneattacken lindern soll, und der Subunit-Impfstoff gegen Gürtel­rose Shingrix®. Gemeinsames Problem der neuen Therapieansätze: Sie sind teuer!

Interpharm 2019

Zum Vormerken für Ihren Kalender: Die Interpharm 2019 findet vom 15. bis 16. März in Stuttgart statt. Sie sind herzlich eingeladen! Weitere Informationen finden Sie auf www.interpharm.de

Für Kolleginnen und Kollegen, die sich zum Thema Homöopathie fortbilden wollten, fanden am Freitag zudem zwei Veranstaltungen mit den Titeln „Homöopathie: Einfach am HV-Tisch um­gesetzt!“ und „Komplementär­medizin – ein Blick über den Tellerrand“ statt. Es gibt über 1500 homöo­pathische Einzelmittel, über 200 Komplexmittel, über 10.000 homöopa­thische Arzneimittel – um für jede Indikation das richtige Mittel auszuwählen, stellte Dr. Markus Wiesenauer den „HV-Kompass“ vor. Prof. Dr. Harald Walach und Apotheker Dr. Sebastian Michael präsentierten das große Komplementär-Handbuch, das Apotheker als „Lotsen im Gesundheitssystem“ unterstützen möchte.

Eine Parallelveranstaltung zum wissenschaftlichen Kongress war am Freitag das Symposium der Gesellschaft für Dermopharmazie (GD). Die Rezeptur gehört zu den ureigenen Aufgaben der Apotheke. Aber nicht nur für Pharmazeuten, sondern auch aus Sicht der Dermatologen besitzt sie einen besonderen Stellenwert. Auf dem Symposium wurde erläutert, welche therapeutischen Lücken durch die Rezeptur geschlossen werden können. Hilfe bei der ordnungsgemäßen Herstellung der individuellen Arzneimittel bieten die Positions­papiere der GD, von denen drei vorgestellt wurden.

Foto: DAZ/Alex Schelbert
Viele spannende Vorträge gab es auch in diesem Jahr wieder auf der Interpharm. Hier der Vortrag von Professor Smollich zu vegetarischer und veganer Ernährung.

Der Samstagvormittag gehörte den Nahrungsergänzungsmitteln und den Statinen. „Lieber eine Pille statt Fleisch und Obst? Für wen wann welche Nahrungsergänzungsmittel wirklich sinnvoll sind“, erfuhren Interpharm-Besucher von Prof. Dr. Martin Smollich. Welche Präparate empfehlenswert sind und wie man Kunden vor unsinnigen Werbeaussagen schützt, war anschließend Thema von Apotheker Dr. Markus Zieglmeier.

Von Apotheker Uwe Gröber gab es zudem Informationen über Mikronährstoffe im Leistungssport.

Foto: DAZ/Alex Schelbert
Bereit für Fragen In der Speakers Corner beantworteten die Referenten Fragen der Teilnehmer. Hier Dr. Wolfgang Kircher, Dr. Constanze Rémi und Prof. Dr. Dieter Steinhilber (v.l.).

Dass Statine Arzneistoffe mit hohem Potenzial sind, betonte Prof. Dr. Dietmar Trenk in seinem Vortrag „Alleskönner Statine“. Als Lipid-Senker mit hervorragender Evidenzlage sind die HMG-CoA-Reduktase-Hemmer aus der Therapie der Hypercholesterolämie nicht mehr wegzudenken. Allerdings erreichen viele Patienten ihre individuellen Zielwerte nicht. Ein Grund liegt Trenk zufolge in der starken Verunsicherung der Patienten aufgrund von Medienberichten. Doch auch viele Ärzte scheinen die Notwendigkeit einer adäquaten Einstellung auf die leichte Schulter zu nehmen. Dabei können durch eine optimale und leit­liniengerechte Statin-Therapie das kardiovaskuläre Risiko und die Sterblichkeit von Risikopatienten erheblich reduziert werden.

Dass Patienten durch die enge Zusammenarbeit von Apothekern und Ärzten im Fall der Statine sehr profitieren können, zeigten Apothekerin Katharina Richling und Kardiologe Dr. Christian Fechtrup eindrücklich anhand von Fallbeispielen.

Der Samstagnachmittag beschäftigte sich mit Problemen der Augen. Tipps, wie Augenarzneimittel richtig wirken, erhielten die Kongressteilnehmer dabei von Apotheker Dr. Wolfgang Kircher. Wie er ausführte, machen Patienten bei der Anwendung von Augenarzneimitteln viele methodische Fehler – und wundern sich dann, dass der Therapieerfolg ausbleibt. Hier kann man in der Apotheke einen wichtigen Beitrag für eine höhere Patientenzufriedenheit und damit Compliance leisten.

Festvortrag

Highlights der Interpharm sind stets die Festvorträge. Auch in diesem Jahr war dies wieder so. Chloralhydrat im Getränk, Natriumdichlorid im Gaschromatografen, Hundebetäubung mit Pethidin – Hollywoods Produktionen sind voll mit Informationen zu pharmazeutischen und chemischen Themen. Dass es da nicht immer mit rechten Dingen zugeht, dürfte jedem klar sein. Prof. Dr. Andreas Link wollte es genau wissen und nahm sich einige Szenen aus Kinofilmen vor. Sein Fazit: Manchmal ist Hollywood erstaunlich korrekt – und manchmal liegt es vollkommen daneben.

Politische Diskussion

Die Wissenschaft steht bei der Interpharm traditionell im Vordergrund – doch unpolitisch ist der Kongress natürlich trotzdem nicht. Am Freitag hatten Interpharm-Besucher die Gelegenheit, einer Diskussionsrunde zur aktuellen berufspolitischen Lage beizuwohnen. Es diskutierten Michael Hennrich (CDU), Sabine Dittmar (SPD), Andrew Ullmann (FDP), Sylvia Gabelmann (Linke) und Kordula Schulz-Asche (Grüne). Sie forderten die ABDA auf, mit der Politik in den Dialog zu treten – auch über Fragen, wie man den Apotheker in Zukunft stärken kann, beispiels­weise durch honorierte Dienstleistungen und durch Einbindung in den Medikationsplan.

ApothekenRechtTag

Auch rechtliche Fragen kommen in der Apotheke natürlich immer wieder auf. Antworten lieferte hier der ApothekenRechtTag. In diesem Jahr beschäftigten sich die Teilnehmer mit dem Rx-Versandverbot, mit der Arzneimittelpreisbindung, dem Datenschutz, mit der Frage, was (noch) eine Rezeptur ist und mit den Herausforderungen, die die Heimversorgung an Apotheken stellt. In Punkto Rx-Versandverbot war sich der Stuttgarter Rechtsanwalt und Gesundheitsrechtsexperte Dr. Heinz-Uwe Dettling sicher: Die Politik kann ein flexibles Rx-Versandverbot rechtssicher umsetzen.

Ob es kommt oder nicht, ist eine andere Frage, die er mit Max Müller, Chief Strategy Officer der niederländischen Versandapotheke DocMorris, sowie Dr. Christian Rotta, Geschäftsführer des Deutschen Apotheker Verlags, diskutierte. Ist bei der Preisbindungsfrage das letzte Wort gesprochen? Der Gesundheitsrechts-Experte Dr. Elmar Mand meinte, dass es durchaus eine Chance gibt, dass sich der Europäische Gerichtshof noch einmal mit der Frage der grenzüberschreitenden Preisbindung bei Rx-Arzneimitteln beschäftigt. Allerdings wollte er sich nicht darauf festlegen, wie eine erneute Entscheidung aussehen würde. Die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), die im Mai in Kraft getreten ist, stand zum Zeitpunkt der Interpharm als teilweise noch Unbekannte im Raum. Was kommt auf die Apotheken zu? Was muss, was sollte, was kann unternommen werden, um den neuen rechtlichen Vorgaben gerecht zu werden? Das erklärte Rechtsanwalt Dr. Lukas Kalkbrenner. Noch Rezeptur oder schon Defektur? Die Rechtsprechung hierzu ist mittlerweile reichhaltig – Dr. Valentin Saalfrank, Fachanwalt für Medizinrecht, zeigte die jüngsten Entwicklungen in der Rechtsprechung auf.

Der Grat zwischen zulässigen, problematischen und angreifbaren Vertragsklauseln in Heimversorgungsverträgen ist schmal. Insbesondere bei kosten­losen Zusatzangeboten von Apotheken gegenüber Heimträgern ist Vorsicht geboten. In einer Tour d’horizon gab Prof. Dr. Hilko J. Meyer einen Überblick zum Recht rund um die Heimversorgung.

Filialapothekenleitertag

Seit dem 1. Januar 2004 ist es erlaubt, dass Apotheker neben ihrer Hauptapotheke drei Filialen betreiben. Anfänglich mit sehr viel Skepsis betrachtet, hat sich dieses Konzept mittlerweile bewährt: Es bietet Apothekeninhabern die Möglichkeit des Wachstums, wenn das Potenzial der Hauptapotheke bereits ausgereizt ist, und es bietet Apothekenmitarbeitern eine neue Karrierechance als Filialleiter. Grund genug, die Filialapotheke auch auf der Interpharm mehr in den Fokus zu ­rücken. Zum ersten Mal fand 2018 in ihrem Rahmen der Filialapothekenleitertag statt, der die Thematik mit ihren unterschiedlichen Facetten beleuchtete.

ChancePharmazie

Bereits zum vierten Mal fand in diesem Jahr die Jobmesse ChancePharmazie im Rahmen der Interpharm statt. Verschiedene Unternehmen aus der Pharmabranche stellten sich den Messegästen als potenzielle Arbeit­geber vor. Und zahlreiche Besucher nutzten die Gelegenheit, um sich über die beruflichen Perspektiven in der Pharmazie zu informieren – und ein professionelles Bewerbungsbild von sich erstellen zu lassen.

Foto: DAZ/Alex Schelbert
Job gesucht? Informieren konnte man sich im Rahmen der Interpharm auf der Jobmesse ChancePharmazie. Jederzeit findet man Infos auf www.jobpharm.de

PTAheute-Kongress

Für PTA bietet die Interpharm stets an beiden Tagen ein eigenes Programm. Im Mittelpunkt standen auch in diesem Jahr wieder praxisnahe und abwechslungsreiche Vorträge. Nachdem es am Freitagvormittag um neue Erkenntnisse im Bereich Diabetes ging, stand der Nachmittag ganz im Zeichen von Schwangerschaft und Stillzeit. Am Samstag ging es dann um Dermo­kosmetik, wobei eingangs erläutert wurde, was Dermokosmetik eigentlich leisten kann. Anschließend durften die Teilnehmer live dabei sein, als zwei Models mit Hautpro­blemen auf der Bühne geschminkt wurden.

Foto: DAZ/Alex Schelbert
Fortbildung zum Anfassen Beim PTAheute-Kongress stand unter anderem Dermokosmetik auf dem Programm.

PKAaktiv-Seminar

Auch für PKA bietet die Interpharm mittlerweile ein eigenes Seminar-Angebot. Die Themen babyfreund­liche Apotheke, Arbeitsrecht und Sonnenschutz standen in diesem Jahr auf dem Programm.

Foto: DAZ/Alex Schelbert
In Feierlaune kamen Interpharm-Besucher am Freitagabend auf der Interpharm-Party. Es wurde gegessen, getrunken, geplaudert und natürlich auch getanzt.
Foto: DAZ/Schelbert
Was gibt es Neues von der Industrie? Darüber konnte man sich auf der Pharmazeutischen Ausstellung informieren, die begleitend zum Fortbildungsprogramm für Interpharm-Besucher bereit stand.

Pharmazeutische Ausstellung

Viel zu entdecken gab es wie immer auf der Pharmazeutischen Ausstellung, die begleitend zum wissenschaftlichen und berufspolitischen Programm für die Besucher bereit stand. Im City Cube präsentierten sich zahlreiche Unternehmen mit ihren Waren und Dienstleistungsangeboten und freuten sich über intensive Gespräche und den einen oder anderen Verkaufsabschluss. |

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