Therapien im Gespräch

Hygiene ist das A und O

Die Antisepsis hat viele Gesichter

cae | Eine Krankheit zu vermeiden, ist immer besser, als sie zu behandeln. Im Falle der Infektionskrankheiten steht neben dem Impfschutz die Hygiene ganz oben in der Prophylaxe. Denn viele Infektionen wären vermeidbar, wenn die pathogenen Mikroben nicht so ein leichtes Spiel hätten, ihre Opfer zu attackieren. Effektive Mittel der Hygiene sind vorhanden, es kommt darauf an, sie auch richtig anzuwenden.

Begriffe wie Sterilisation, Desinfektion, Antisepsis und Asepsis gehören zum festen Bestandteil des medizinischen Alltags. Im Gegensatz zur Sterilisation, bei der alle Keime erfasst ­werden sollen, stellt die Desinfektion eine selektive Maßnahme dar, die die Keimzahl so sehr reduzieren soll, dass keine Infektion mehr erfolgen kann. Besonders wichtig ist dabei die Desinfektion der Hände. Antisepsis ist die Vernichtung von Krankheitserregern an lebenden Geweben, z. B. durch Desinfektionsmaßnahmen. Sie verbessert die Wundversorgung und minimiert das Risiko für Wundinfektionen, die zu einer Sepsis führen können. Eine Asepsis ist auf Körperoberflächen praktisch nicht zu erreichen, da die Haut bzw. Schleimhaut nicht sterilisiert, sondern nur desinfiziert werden kann.

Wunddesinfektion

Grundsätzlich muss nicht jede Wunde desinfiziert werden, denn eine geringgradige mikrobielle Kontamination ist praktisch meist unproblematisch für den Wundheilungsverlauf. Zudem kann der übermäßige Einsatz von Antiseptika zu Wundheilungsstörungen führen. Lokal begrenzte Infektionen einer Wunde sollten dagegen mit einem ge­eigneten Wunddesinfektionsmittel behandelt werden. Bei Wundinfektionen mit beginnenden Allgemeinsymptomen sind systemische Antiinfektiva gegebenenfalls in Kombination mit Antiseptika angezeigt. Nur wenige Präparate werden den hohen Anforderungen der Wundverträglichkeit gerecht. Zudem müssen sie sich durch sichere Breitspektrumwirkung, raschen Wirkungseintritt, Wirksamkeit bei organischen Belastungen sowie fehlende Resistenzentwicklung auszeichnen.

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Für die kurzzeitige Anwendung auf mikrobiell kontaminierten oder infizierten Wunden haben sich insbesondere die Wirkstoffe Octenidindihydrochlorid (Octenisept®, Generika) und Povidon-Iod (Braunol®, Generika) ­bewährt. Dagegen wird Polihexanid (Prontosan®, Generika) vor allem bei chronischen, schlecht heilenden Wunden eingesetzt.

Zahlreiche alkoholische Desinfizienzien und eiweißfällende Mittel, die früher weit verbreitet waren, sind heute obsolet, da sie bei längerem Einsatz die Wundheilung stören und damit zur Chronifizierung führen. Weitere Substanzen sollten aufgrund fehlender Wirkungsnachweise, ihrer Toxizität oder ihres hohen Allergiepotenzials nicht mehr für die antiseptische Behandlung von Wunden eingesetzt werden. (DAZ 17, S. 46)

Händedesinfektion

Die hygienische Händedesinfektion ist die wirksamste Einzelmaßnahme zur Infektionsverhütung in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen, denn sie tötet innerhalb von 15 Sekunden die transiente Hautflora ab. Ohne diese Maßnahme können Bakterien und Hefepilze meist eine Stunde oder länger, Viren zehn Minuten bis mehrere Stunden lang auf der Haut überleben. Bereits im Jahr 1861 hat Ignaz Semmelweis die Effektivität der Händehygiene zur Senkung der Müttersterblichkeit durch das Kindbettfieber eindrucksvoll beleget. Heutzutage sind Alkohol-basierte Desinfektionsmittel am effektivsten, während das Händewaschen mit Seife nicht mehr als ausreichend gilt. Als ­Alkohole kommen nur Ethanol, n-Propanol und Isopropanol infrage. Der ­Zusatz von antiseptischen Wirkstoffen wie Chlorhexidin, Octenidin, Mecetroniumetilsulfat, 2-Phenylphenol, PVP-Iod, Quats und Triclosan erhöht die Wirksamkeit der Händedesinfektion erwiesenermaßen nicht (!), er erhöht aber das Risiko von Nebenwirkungen (z. B. Allergie, Resistenzentwicklung, Schilddrüsengefährdung durch Iod) und wird deshalb nicht empfohlen.

Früher hielt man eine Mindesteinwirkzeit des Händedesinfektionsmittels von 30 Sekunden für erforderlich. Heute weiß man: Bei trainiertem Personal reichen 15 Sekunden aus. In Krankhäusern wurde die Wirksamkeit der Händedesinfektion durch die Verkürzung von 30 auf 15 Sekunden Einwirkungszeit nicht beeinträchtigt, dagegen stieg dadurch die Compliance der Händedesinfektion signifikant an. (DAZ 47, S. 54)

Was hilft gegen übermäßiges Schwitzen?

Wenn die Schweißbildung einer Person so stark ist, dass sie die Lebensführung und Lebensqualität be­einträchtigt, gilt sie als krankhaft – dann handelt es sich um eine Hyper­hidrose. Diese kann angeboren sein oder auf Sekundärfaktoren beruhen. Nur im letzteren Fall ist eine kausale Therapie möglich, nämlich die Meidung der Faktoren. Zur symptoma­tischen Behandlung der primären Hyperhidrose die­nen aluminiumhaltige Antitranspiranzien, die wie der Formaldehyd-Abscheider Methenamin die Schweiß­poren verstopfen. Der Anwender sollte darauf achten, dass er dabei nicht den empfohlenen Grenzwert der Aluminium-Aufnahme überschreitet. Unproblemati­scher ist die Anwendung von Deodoranzien.

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Schweiß an sich ist geruchsneutral. Zur Geruchsbildung kommt es erst, wenn Bakterien auf der Hautoberfläche ihn zersetzen.

Die kurz als Deos bezeichneten Produkte enthalten antimikrobiell wirksame Substanzen, die die für die Geruchsbildung verantwortlichen Bakterien auf der Haut abtöten, sowie Duftstoffe, z. B. Minzöl oder Nelkenöl, die den Körpergeruch überdecken („Geruchsüberdecker“). Meist sind zudem spezielle Geruchsabsorber wie Zink­ricinoleat und Natriumhydrogencarbonat enthalten, die geruchsbildende Verbindungen aufnehmen. Ferner werden Enzyminhibitoren eingesetzt, um die Aktivität der an der Geruchsbildung beteiligten Enzyme zu hemmen, sowie Antioxidanzien, welche die unerwünschte Oxidation anderer Substanzen verhindern sollen.

Es gibt auch problematische Inhaltsstoffe von Deodorants. So ist Poli­hexanid (Polyaminopropyl Biguanide, PHMB), ein Antiseptikum und Konservierungsmittel, als krebserregend, mutagen und reproduktionstoxisch eingestuft (CMR 2). Die EU-Kosmetikverordnung erlaubt maximal 0,3 Prozent in Kosmetika (Anhang V). Aktuell wird jedoch eine Höchstgrenze von 0,1 Prozent in Kosmetika empfohlen. Weitere, teilweise bedenkliche Inhaltsstoffe sind Phenoxyethanol, Ethylhexylglycerol, Silber und der Riechstoff Methylphenylbutanol. Auch Triclosan ist in Deos erlaubt, obwohl es im Verdacht steht, die Entwicklung von Resistenzen der Bakterien gegen Antibiotika zu fördern. In der Naturkosmetik werden stattdessen natürliche Keimhemmer wie Hopfen, Fenchel, Melisse und Hamamelis genutzt.

Ob synthetische oder natürliche Inhaltsstoffe – bei der Anwendung von Deodorants ist generell auf individuelle Unverträglichkeiten oder sogar ­Allergien zu achten. (DAZ 19, S. 42) |

Als Service für die Abonnenten der DAZ haben wir ein Poster erstellt, das die vorbildliche hygienische Händedesinfektion in sechs Schritten zeigt. Sie gelangen dorthin, wenn Sie in die Suchfunktion auf DAZ.online den Webcode J7UP9 eingeben.

Zudem enthält das zweiseitige Merkblatt „Richtig desinfizieren“ eine aktuelle Liste der vom Robert Koch-Institut geprüften und anerkannten Mittel zur Händedesinfektion auf der Basis der Alkohole Ethanol, n-Propanol und Iso­propanol. Das Merkblatt finden Sie als Link zum Herunterladen auf DAZ.online in dem Beitrag „Mythen der Händedesinfek­tion“. (DAZ 47, S. 54)

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