Kongresse

Gemeinsam forschen - gemeinsam ­handeln

DGSMP, DGMS und DGEpi tagten zusammen

Zum ersten Mal tagten die Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), die Deutsche Gesellschaft für medizinische Soziologie (DGSM) und die Deutsche Gesellschaft für Epidemiologie (DGEpi) zusammen. 600 Teilnehmer konnten für das Treffen vom 5. bis zum 8. September 2017 in Lübeck begeistert werden, über 500 Beiträge und Poster wurden eingereicht und in mehr als 90 Veranstaltungspunkten präsentiert.

Sozialmedizin beschäftigt sich mit der Gesundheit der Bevölkerung und den Einflüssen auf diese. Risiken und protektive Faktoren werden unter Berücksichtigung des Gesundheitswesens und der gesundheitlichen Versorgung analysiert. Epidemiologie, Prävention, Public Health und Gesundheitsökonomie spielen hierbei eine wichtige Rolle. Die Forschungsfelder besitzen eine hohe Gesellschaftsrelevanz und sind Grundlage für Maßnahmen, um die Versorgung der Bevölkerung zu verbessern.

Daten erfassen und auswerten

Welche Auswirkungen haben soziale Ungleichheiten auf gesundheitliche Aspekte, welche Rolle spielen Migration und Flucht, was kann der öffentliche Gesundheitsdienst beitragen und wie steht es um die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung? Es wurde versucht, auf diese Fragen Antworten zu finden. Als relativ neuer Ansatz in Deutschland wurde die partizipative Gesundheitsforschung vorgestellt. Hierbei werden Bürgerinnen und Bürger aktiv in die Entwicklung und Gestaltung von Strategien zur Gesundheitsförderung eingebunden. Neben der Diskussion über Methoden der Datenerfassung und Auswertung wurden auch im Hinblick auf die Anwendung von Arzneimitteln interessante Projekte vorgestellt. So untersuchten Jobski et al. (Universität Oldenburg) den Einsatz von oralen Antikoagulanzien (OAK) in Altenheimen und welche Faktoren Einfluss auf die Wahl des OAK haben. In diesem Setting wurde eine Zunahme des Anteils von neuen oralen Antikoagulanzien (NOAK) festgestellt. Bei der Neueinstellung wurde häufiger ein NOAK gewählt, wenn ein vorheriger Schlaganfall, ein kürzlicher Krankenhausaufenthalt, ein erhöhter Pflegebedarf oder eine Demenz vorlag. Eine einschränkte Nierenfunktion hingegen war mit einer höheren Wahrscheinlichkeit verbunden, einen Vitamin-K-Ant­agonisten zu erhalten.

Mehr zu diesem Thema

Alle Abstracts der Jahrestagung finden Sie in der Zeitschrift „Das Gesundheitswesen“, Ausgabe 08/09 vom August/September 2017. Geben Sie den Webcode J7IN9 in die Suchfunktion auf DAZ.online ein und Sie gelangen direkt zu den Abstracts der Vorträge und Poster der Veranstaltung.

In einer Studie von Phillips et al. (Universität München) wurde der Zusammenhang von anticholinergen Arzneimitteln und Schwindel oder Benommenheit betrachtet. Hierzu wurde der Drug-Burden-Index für über 2000 Patienten berechnet, 570 von ihnen klagten über Schwindel. Es bestand ein Zusammenhang zwischen den Beschwerden und einer anticholinergen Medikation. Ebenso wurden höheres Alter, Depressionen und Stürze als unabhängige Faktoren genannt, die mit einem erhöhten Risiko für Benommenheit und Schwindel einhergehen.

Eine Querschnittsanalyse von Haase et al. (Universitätsmedizin Greifswald) zu unerwünschten Arzneimittelwirkungen im ambulanten Bereich stellte fest, dass 10% der Personen, die Arzneimittel einnahmen, von einer unerwünschten Arzneimittelwirkung in den letzten zwölf Monaten berichteten. Der Großteil war selbstlimitierend und wurde mit dem Arzt besprochen, nur ein geringer Anteil bedurfte einer klinischen Behandlung. Allerdings wurden UAW deutlich seltener von Ärzten kodiert, als man anhand der Anzahl der Patientenberichte erwarten würde.

Der Zusammenhang zwischen psychotropen Arzneistoffen und Stürzen in der älteren Bevölkerung wurde von Du et al. (Robert Koch-Institut, Berlin) untersucht. Hier wurde insbesondere ein Zusammenhang mit der Einnahme von SSRI beobachtet.

Eine Verbesserung der medikamentösen Sekundärprävention bei Patienten mit KHK konnte Sarganas et al. (Robert Koch-Institut, Berlin) zeigen. Geschlechtsspezifische Unterschiede, die in einer früheren Erhebung festgestellt wurden, konnten nicht mehr nachgewiesen werden.

Aber auch unabhängig von Arzneimitteln wurden für Pharmazeuten interessante Studien vorgestellt. So lässt eine Auswertung der AgeCoDe-Studie durch Luck et al. (Universität Leipzig) vermuten, dass bereits eine milde kognitive Einschränkung mit einer erhöhten Mortalität assoziiert ist, sodass diese nicht nur für die mögliche Entwicklung einer Demenz ernst genommen werden sollten. Insgesamt war die Tagung gelungen und facettenreich. Interprofessionelle Kooperationen vor allem im Hinblick auf Public Health und die Verbesserung der Gesundheitskompetenz der Bevölkerung sowie der Ausbau von Präventionsmaßnahmen sollten nicht auf Ärzte und Pflegekräfte beschränkt sein. Pharmazeuten und öffentliche Apotheken sind bislang eher nicht im Blickfeld, könnten aber sicherlich einen wertvollen Beitrag leisten. |

Apothekerin Susanne Erzkamp

Das könnte Sie auch interessieren

Deprescribing als gemeinsamer Prozess von Ärzten und Patienten (und Apothekern?)

Gemeinsame Entscheidungsfindung

Mehr Verantwortung übernehmen und Tätigkeit dokumentieren

Gemeinsam die Zukunft gestalten

Zur Pharmakotherapie von depressiven Störungen bei Kindern und Jugendlichen

Gemeinsam aus dem Loch

Interprofessionelles Zusammenspiel für eine optimale Therapie

Gemeinsam für den Demenz-Patienten

Interprofessioneller Workshop begeistert Medizin- und Pharmaziestudierende

Arzneimittelprobleme gemeinsam lösen

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.