Aus den Ländern

Mehr Arzneimitteltherapiesicherheit

Jahrestagung der GAA fokussiert AMTS-Schwachstellen

cae | Die Arzneimitteltherapie­sicherheit (AMTS) und die Stärkung der interprofessionellen Kooperation zwischen Ärzten und Apothekern waren zentrale Themen der 23. Jahrestagung der Gesellschaft für Arzneimittelanwendungsforschung und Arzneimittelepidemiologie (GAA) am 24. und 25. November in Bochum.

Frank Hanke, geriatrischer Pharmazeut in Köln, berichtete über die wichtige Rolle des Pflegepersonals im AMTS-Netzwerk. Zu den Aufgaben der Pfleger gehört auch die Beobachtung von Arzneimittelwirkungen. Eine diesbezügliche bessere Aus- und ­Weiterbildung sei wünschenswert. So führte das Programm CarePlus „Optimierte Arzneimittelversorgung für stationäre Alteneinrichtungen“ der AOK Nordost u. a. zu weniger Poly­medikation und weniger Krankenhauseinweisungen.

Marco Wittebrock stellte das Projekt CariSave der Caritas Sozialstationen Ruhr gGmbH vor, das die AMTS in der ambulanten Pflege verankern soll. Zu den AMTS-Standards gehören die Verabreichung der Medikamente zum richtigen Zeitpunkt, die ordnungs­gemäße Lagerung, die Dokumentation und die Meldung von arzneimittelbezogenen Problemen an den behandelnden Arzt.

Umsetzung des Medikationsplans

Über ein Projekt zur Umsetzung des bundeseinheitlichen Medikationsplans (seit 1.10.2016) berichtete Prof. Dr. Petra Thürmann, Wuppertal: In der Modellregion Erfurt werden neben Ärzten und Apothekern auch Patienten zur Zufriedenheit und zum Umgang mit dem Medikationsplan befragt. Eine große Herausforderung ist hier die noch sehr heterogene Software-­Ausstattung von Arztpraxen und ­Apotheken.

Lea Botermann, ABDA, berichtete über eine Untersuchung zur praktischen Umsetzung des einheitlichen Medikationsplans. Demnach haben nur 43% der Teilnehmer den Medikationsplan ausreichend verstanden und umgesetzt.

Olaf Rose, pharmazeutischer Projektleiter der WestGem-Studie („Interprofessionelles Medikationsmanagement bei multimorbiden Patienten“), berichtete, dass vor allem stark wirksame Arzneimittel häufig nicht in den Medikationsplänen der Patienten stehen, z. B. weil sie durch einen anderen Arzt verordnet wurden. In der WestGem-Studie ging der MAI-Score (Medication Appropriateness Index), welcher die Therapiequalität bewertet, aufgrund der besseren Zusammenarbeit der Heilberufler signifikant zurück (Quelle: Köberlein-Neu J, et al. Dtsch Ärztebl Int 2016;113(44):741-748).

Wer sich Arzneimittel nicht leisten kann …

Prof. Dr. Eva Münster, Bonn, stellte die von ihr durchgeführte ASG-Studie (Armut, Schulden und Gesundheit) vor, in der Klienten von Schuldenberatungsstellen zu ihrem Umgang mit Arzneimitteln befragt wurden. Diese antworteten u. a., dass sie wegen Geldmangel Rezepte nicht eingelöst oder die Rezepteinlösung verschoben haben, die Arzneimitteldosis reduziert haben oder statt der verordneten Mittel Hausmittel angewendet haben.

Foto: Zastrutzki
Verleihung der Posterpreise (v.l.): Karola Mergenthal, Friederike Lennartz, Peter Albrecht, Udo Puteanus (GAA-Vorstand), Angela Nachtigall.

Posterpreise

Wie jedes Jahr wurden auch diesmal am Ende der Veranstaltung drei Posterpreise verliehen:

1. Preis: Nachtigall A, et al. Analyse und Optimierung der Medikation multimorbider Patienten in einer geriatrischen Akutklinik (OptiMe).

2. Preis: Lennartz F, Albrecht P. Medikamenteninteraktionsanalyse in einer neurologischen Abteilung – Ergebnisse eines einjährigen interdisziplinären Pilotprojektes.

3. Preis: Mergenthal K, et al. Neue orale Antikoagulanzien (NOAK) in der hausärztlichen Versorgung – Einsatz und Therapiewechsel im Rahmen der PICANT-Studie.

Die Abstracts finden sich auf der Website www.egms.de/static/de/news/news_0356.htm. |

Quelle: Wiebke Zastrutzki, Münster

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