Arzneimittel und Therapie

Favipiravir könnte nach Ebola-Exposition schützen

Fallbericht mit dem RNA-Polymerase-Inhibitor erregt Aufsehen

bk | Für die Therapie von Ebola bzw. das Vorgehen im Falle einer potenziellen Ansteckung gibt es wenig klinische Erfahrung. Nun berichten britische Forscher über acht Personen, bei denen eine Post-Expositions-Prophylaxe mit Favipiravir durchgeführt wurde. Dass alle diese Patienten von einer Ebola-Infektion verschont blieben, beweist allerdings nicht die Wirksamkeit der getroffenen Maßnahmen.

Zurzeit stehen für die Behandlung von Ebola ausschließlich experimentelle Wirkstoffe zur Verfügung. Die beste präklinische oder klinische ­Evidenz haben Favipiravir, ein RNA-Polymerase-Inhibitor, TKM-Ebola, eine Kombination von siRNAs und eine passive Immuntherapie mit drei monoklonalen Anti-Ebola-Antikörpern. Entscheidungen über den Einsatz dieser Wirkstoffe fallen momentan aufgrund der Verfügbarkeit sowie einer Abschätzung des individuellen Nutzen-Risiko-Verhältnisses.

Bei der Post-Expositions-Prophylaxe (PEP) liegen derzeit noch weniger Erfahrungen als bei der Therapie von Ebola vor. Bislang wurde rVSV/ZEBOV-GP, der aktuell in einer Studie aus Guinea seine Wirksamkeit als Impfstoff bewiesen hat, in drei Fällen nach Nadelstichverletzungen eingesetzt. Alle drei Personen erkrankten nicht an Ebola, entwickelten jedoch nach der Impfung Fieber.

Ermutigende Tierversuche

Die Autoren der aktuellen Studie entschieden sich aufgrund ermutigender Ergebnisse aus Tierversuchen dazu, Favipiravir in der PEP zu testen. Zudem liegen für Favipiravir die umfangreichsten Daten zur Sicherheit vor, da dieser Wirkstoff in Japan gegen Grippe zugelassen ist.

Die acht Personen, über die berichtet wird, arbeiteten als Ärzte oder Krankenschwestern in Ebola-Behandlungszentren in Sierra Leone. Alle hatten sich durch z. B. Nadelstichverletzungen, fehlende Schutzkleidung oder Missgeschicke beim Ausziehen der Schutzkleidung potenziell mit Ebola infiziert.

In einem ersten Schritt entwickelten die Autoren ein Verfahren zur Risikobeurteilung, anhand derer die Therapieentscheidung getroffen wurde. Zwei Stichverletzungen mit frisch benutzten Nadeln wurden in die höchste Risikokategorie eingeordnet. Für diese Patienten wurde sofort eine Therapie mit Favipiravir eingeleitet, begleitet von einer Antikörper-Gabe. Für zwei weitere Personen, die sich mit Nadeln unklarer Herkunft verletzt hatten, wurde ein mittleres Risiko ermittelt. Diese Personen wurden ausschließlich mit Favipiravir behandelt. Für die übrigen vier Personen wurde ein nur geringes Risiko abgeschätzt. Diese Personen erhielten keine medikamentöse Therapie, wurden aber intensiv beobachtet.

Waren die Behandelten infiziert?

Alle acht potenziell Infizierten erkrankten weder an Ebola noch entwickelten sie Fieber. Es ist allerdings ungewiss, ob die behandelten Personen tatsächlich mit Ebola infiziert waren. Deshalb lässt sich aus den Fallberichten nicht ableiten, dass Favipiravir als PEP wirksam ist. Die Autoren der Studie weisen jedoch auf die Notwendigkeit hin, über jeden Behandlungsversuch zu berichten. Denn die Datenlage, auf der derzeit Therapieentscheidungen getroffen werden, ist äußerst lückenhaft. Darüber hinaus erscheint das von den Autoren entwickelte Vorgehen zur Risikoeinschätzung nachahmenswert: Auch die Personen, die aufgrund ihres geringen Risikos keine medikamentöse Therapie erhielten, blieben gesund. |

Quelle

Jacobs M et al. Post-exposure prophylaxis against Ebola virus disease with experimental antiviral agents: a case-series of health-care workers. Lancet Infect. Dis. 2015;3099:1–5

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