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Evidenzbasierte Beratung in der Selbstmedikation

HAMBURG (lue) | Wie man zu evidenzbasierten Empfehlungen in der Selbstmedikation kommt, war das Thema einer Veranstaltung des Vereins Demokratischer Pharmazeutinnen und Pharmazeuten (VdPP) am 7. November in Hamburg.

Was verbirgt sich hinter dem Begriff „Evidenzbasierte Pharmazie “? Welche Probleme tauchen in der Umsetzung auf, und wie können sie gelöst werden?

Antworten auf diese Fragen gaben Dr. Judith Günther, Sprecherin des Fachbereichs „Evidenzbasierte Pharmazie“ im Deutschen Netzwerk evidenzbasierte Medizin, sowie Dr. Monika Neubeck, Offizinapothekerin und Autorin des Buches „Evidenzbasierte Selbstmedikation“ (Deutscher Apotheker Verlag, Stuttgart 2013).

Wege zur evidenzbasierten Beratung

Die Evidenzbasierte Pharmazie basiert auf aktuellen, wissenschaftlichen Erkenntnissen und der Anwendung dieser Erkenntnisse bei der Suche nach Problemlösungen für den Patienten unter Berücksichtigung der eigenen pharmazeutischen Erfahrung und der Vorstellungen des Patienten, erläuterte Günther. Bei der Suche nach dem aktuellen Kenntnisstand der Wissenschaft sind Primär- oder vertrauenswürdige Sekundärquellen geeignet. Bei Studien sei es wichtig, das Studiendesign zu hinterfragen und zu prüfen, ob die Ziele der Studie und das Patientenkollektiv auf die Situation des Kunden übertragbar sind.

Einig waren sich Günther und Neubeck beim Thema Herstellerinformation und Werbung: Hier sei ein kritischer Blick wichtig, da sie interessengeleitet und teilweise verzerrt seien.

Die Recherche für eine evidenzbasierte Empfehlung ist häufig langwierig und die Zeit dafür begrenzt. Ein Lösungsansatz könne sein, dass unabhängige Stellen die Evidenz in der Selbstmedikation aufarbeiten. Um den Weg in die Evidenzbasierte Pharmazie zu ebnen, forderte Günther den Ausbau von Fort- und Weiterbildungen und die Aufnahme der Thematik ins Studium.

Günther empfahl Apotheken beim Aufarbeiten der Evidenzen in der Selbstmedikation, Wirkstoffe schrittweise zu überprüfen. Das hat Neubeck in ihrem Buch „Evidenzbasierte Selbstmedikation“ für 35 Indikationen bereits getan. Sie hat Einzelsubstanzen mithilfe einer Vier-Punkte-Skala, die eine schnelle Übersicht über die Evidenzlage bietet, bewertet.

Datenlage: häufig mangelhaft

Neubeck bedauerte, dass die Evidenz bei vielen auf dem Markt befindlichen Selbstmedikationspräparaten unzureichend ist. Wenn man alles aus der Sichtwahl räumen würde, was nicht so gut belegt ist, würde es ziemlich leer aussehen, so Neubeck. Ihr Rat: Präparate mit Arzneistoffen empfehlen, die innerhalb einer Indikation zumindest eine der höchsten Evidenzen haben. Auf Nachfrage der DAZ, wie beispielsweise mit Homöopathika zu verfahren sei, räumte Neubeck ein, dass sie – aller Evidenz zum Trotz – aufgrund ihres Erfahrungsschatzes manchmal dazu greife. Günther stimmte zu: „Da ist mit Evidenz nichts zu machen.“

Nutzen und Ausblick

Evidenzbasierte Beratung in der Selbstmedikation stärkt die Kundenbindung und kann die Außenwirkung der Apotheken verbessern, so der Tenor der Veranstaltung. Allerdings sind weitere Studien nötig, um  Selbstmedikationspräparate besser bewerten zu können. 

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