Fotos: Bürger Architektur

Mehr Licht!

Zur Aus- und Beleuchtung einer Apotheke

Marcel Franken | Früher war die Beleuchtung einer Apotheke eher zweckdienlich: Wenn es dunkel wird, macht man das Licht an. In den letzten Jahren geht der Trend dahin, ein Geschäft, auch eine Apotheke hell und freundlich erscheinen zu lassen – durch mehr Licht und durch das richtige Licht.

Die Beleuchtung dient heute allerdings nicht nur der Ausleuchtung des Raumes und des Arbeitsplatzes, sondern sie erfüllt auch verkaufspsychologische Aufgaben und sie setzt die Ware in Szene. Licht ist Teil der Innenarchitektur. Eine gute Beleuchtung trägt dazu bei, dass sich Kunden – aber auch die Mitarbeiter – in der Apotheke wohlfühlen, dass die Waren durch Licht hervorgehoben werden, Arbeitsplätze hell und freundlich sind, ohne dass man geblendet ist.

Aufgaben der Beleuchtung

Die Beleuchtung eines Ladengeschäftes lässt sich grob in vier Aufgabenbereiche unterteilen: Orientierungslicht, Präsentationslicht, Umgebungslicht und Arbeitslicht.

  • Das Orientierungslicht dient der Erfassung des Raumes, seiner Zonen und Verkehrsflächen. Es ist in seiner Beleuchtungsstärke den anderen Aufgaben zunächst untergeordnet.
  • Das Präsentationslicht setzt das im Raum befindliche Angebot in Szene und belegt mit Beleuchtungsstärken bis zu 2000 lx den hellsten Bereich. Bei Verkaufsräumen im Niedrigpreisniveau findet man hauptsächlich eine flächige Beleuchtung, die ausschließlich darauf ausgelegt ist, etwas sehen zu können. Ein komfortableres Licht findet sich erst bei Handelsunternehmen mit hohem Qualitätsniveau und zeichnet sich unter anderem durch eine gute Farbwiedergabe aus. Das Licht zum Präsentieren von Waren oder zum Hervorheben bestimmter Punkte, die Aufmerksamkeit anziehen sollen, kann unterschiedlicher nicht sein: ob als scharfer Spot, gleichmäßiger Wandfluter oder mit speziellen Farbfiltern, das Präsentationslicht soll locken, informieren und verführen. Dieses Licht sollte abwechslungsreich und sparsam eingesetzt werden. Frei- und Sichtwahl einer Apotheke sind in der Regel gleichmäßig ausgeleuchtet, was die Lesbarkeit von Aufschriften und Packungshinweisen erleichtert.
  • Das Stimmungs- oder Umgebungslicht steht dezent im Hintergrund, bezieht eventuell vorhandenes Tageslicht mit ein und sorgt z.B. mit Farben für ein kontemplatives oder stimulierendes Ambiente.
  • Das Arbeitslicht ist der wichtigste Teil, denn was sich hinter den Kulissen abspielt, beeinflusst den Ablauf des gesamten Unternehmens. Blendfreiheit für reflexfreies Arbeiten an Bildschirmarbeitsplätzen und eine Beleuchtungsstärke von mindestens 500 lx sind eine Grundvoraussetzung.
Zonen der Aufmerksamkeit: Eingangsbereich und Prospektständer werden durch Spots hervorgehoben. Hier verschmelzen Orientierungslicht und Präsentationslicht miteinander. Auf dem HV-Tisch liegt Arbeitslicht.
Arbeitslicht – gleichmäßig sachlich und Bildschirmplatz-tauglich. Im Hintergrund links eine warme Grundstimmung und ein gezielter Spot auf dem gelben Sofa.

Wartungsfreundlich und energiearm

Die richtige Wahl des Leuchtmittels hängt stark von der jeweiligen Aufgabe ab und bezieht neben den bereits erwähnten Faktoren auch die Wartungsfreundlichkeit und den Energieverbrauch mit ein. Gerade LEDs entwickeln sich in rasantem Tempo und können mittlerweile Halogenlampen sinnvoll ersetzen. Auch als Stimmungslicht trumpfen LED-Module durch ihre Farbwechsel-Eigenschaften richtig auf. Für die Warenbeleuchtung reichen sie in puncto Lichtverteilung und Farbwiedergabe noch nicht an die konventionellen Halogen-Metalldampflampen heran und die eher mäßige Energieersparnis steht den hohen Anschaffungskosten nachteilig gegenüber.

Umgebungslicht. Eine blaue Farbstimmung erzeugt Eindrücke von Weite, Frische und Hygiene und bildet einen Kontrapunkt zu der rötlichen Wandgestaltung hinter der Sichtwahl.

Wer weniger Energie verbrauchen möchte, hat es entweder dunkler oder langweiliger; im schlimmsten Fall sogar beides. Grundsätzlich bleibt zu sagen: Licht hat immer eine Erwartungshaltung, die mit dem Image dessen verbunden ist, was beleuchtet wird. So würde ein Sternekoch niemals auf die Idee kommen, seine Speisen bei gleißendem Leuchtstofflicht zu servieren. Den Inhalt des Tellers könnte man zwar besonders gut erkennen, aber die so beleuchteten Speisen sehen fad und blass aus. Für die Apothekenbeleuchtung sollte man sich daher gut beraten lassen, um die richtige Mischung zwischen den Lichtarten, zwischen hellem Umgebungslicht und punktgenauem Arbeitslicht, zwischen ausreichend Helligkeit und erträglichem Energieverbrauch zu finden. 


Autor

Marcel Franken, Dipl. Ing.,
Klaus Bürger Innenarchitektur,

Tönisberger Str. 67
47839 Krefeld

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