Bayerischer Apothekertag

Immer noch: Großhandel und Apotheken in einem Boot

Das Verhältnis zwischen pharmazeutischem Großhandel und Apotheken ist durch das AMNOG stark belastet. Der Großhandel hat seine Ankündigung wahr gemacht: er gibt seinen Einsparbeitrag an die Apotheken weiter. Dennoch, Großhandel und Apotheken sind aufeinander angewiesen. In einer Diskussionsrunde unterhielten sich Thomas Benkert, Präsident der Bayerischen Landesapothekerkammer, Dr. Hans-Peter Hubmann, Vorsitzender des Bayerischen Apothekerverbands, Ursula Hasan-Boehme, Treuhand Hannover, Dr. Thomas Trümper, Vorsitzender des Großhandelsverbands Phagro und Vorstandsvorsitzender der Anzag, und Dr. Herbert Lang, Vorsitzender der Geschäftsführung der Großhandlung Sanacorp, unter der Moderation von Werner Buchberger vom Bayerischen Rundfunk über das Verhältnis von Großhandel und Apotheken im Lichte des AMNOG.
Stark belastet Das Verhältnis zwischen pharmazeutischem Großhandel und Apotheken ist durch das AMNOG stark belastet. Auf dem Bayerischen Apothekertag diskutierten darüber (v. l.): Ursula Hasan-Böhme (Treuhand Hannover), Dr. Hans-Peter Hubmann (Bayerischer Apothekerverband), ­Thomas Benkert (Bayerische Landesapothekerkammer), Dr. Thomas Trümper (Phagro) und Dr. Herbert Lang (Sanacorp).

Ein Streitpunkt der Runde waren versteckte Gebühren des Großhandels und vollkommen intransparente Rechnungen, die ein Apotheker ohne fremde Hilfe nicht mehr durchschauen könne, so Benkert und Hubmann. Sie empfahlen, Rechnungen durch seriöse Dienstleister kontrollieren zu lassen. Apotheken fühlen sich vom Großhandel durch Gebühren wie "Sortimentsstrukturausgleich", "Handelsspannenausgleich", "Grundbetrag" und weitere über den Tisch gezogen. Rechnungen des Großhandels seien generell erklärungsbedürftig.

Trümper wies diese Vorwürfe allerdings von sich. Es gebe durch das AMNOG zwar eine angespannte Situation im Markt, ein gestörtes Vertrauensverhältnis zu seinen Kunden stelle er aber nicht fest. Und Lang merkte an, dass solche Begriffe wie Handelsspannenausgleich und ähnliches seit 2011 nicht mehr in den Rechnungen auftauchen. Über die betriebswirtschaftlichen Zahlen zur Apotheke sei er, Trümper, durchaus besorgt, denn wenn Apotheken Insolvenz anmeldeten, seien die Großhändler in der Regel die größten Gläubiger. Der Großhandel handle bei den AMNOG-Sparmaßnahmen nicht willkürlich, er bereichere sich dadurch nicht. Trümper fragte, wie es möglich sein solle, dass der Großhandel einen Sparbeitrag von 200 Mio. leisten solle, wenn er in 2010 insgesamt nur 150 Mio. verdient habe: "Diese Rechnung geht nicht auf", so der Phagro-Vorsitzende. Er machte auch darauf aufmerksam, dass er von Anfang an bei den Diskussionen um das AMNOG und seine Auswirkungen immer wieder gesagt habe: Der pharmazeutische Großhandel werde nicht umhin können, seine 0,85% Abzug an die Apotheken weiterzugeben: Trümper: "Die Politik hat bewusst Ihnen, den Apotheken, nicht 200, sondern 400 Mio. abgenommen und nicht der pharmazeutische Großhandel. Das war so gewollt."

Grosshändler auf dem heissen Stuhl Dr. Thomas Trümper (li.), Großhandelsverband Phagro, und Dr. Herbert Lang, Sanacorp, mussten Rede und Antwort stehen: Weiterwälzung der AMNOG-Einsparungen und undurchsichtige Großhandelsrechnungen.

Hasan-Boehme räumte ein, dass die Politik in der Tat nicht immer mit sauberen Argumenten spielte. Und ginge es nur um 0,85% weniger, so sei dies beklagenswert, aber der Trend gehe eher in Richtung 1,6%, die der Großhandel derzeit von den Apotheken hole. Apotheker werden dadurch wesentlich stärker belastet, als es sich die Politik vorstellen kann. Eine Belastung in Richtung 1,6% könne er nicht feststellen, widersprach Trümper und rechnete vor, wie stark der Großhandel auch durch das Preismoratorium der Pharmaindustrie getroffen sei, durch Skontokürzungen seitens der Industrie. Er sieht einen Ausweg darin, dass Großhandel und Apotheken gemeinsam verhandeln müssen, an die Politik herangehen müssen. Sie dürften sich nicht auseinanderdividieren lassen: "Denn was uns trifft, trifft auch sie", so Trümper, was die Apotheker mit Beifall quittierten.

Könnte ein Runder Tisch zur Vertrauensbildung, beispielsweise auch zu transparenten Rechnungen führen, fragte der Moderator. Die Großhandelsvertreter signalisierten hier durchaus Gesprächsbereitschaft. Trümper merkte an, dass die Apotheker in der Vergangenheit bereits sehr viel getan haben, um ihre Situation zu verbessern. Beispielsweise haben die Apotheken einen extrem guten Lagerumschlagswert von 12,1, ein Wert, der knapp unter dem des Lebensmitteleinzelhandels liegt. Außerdem haben die Apotheken bereits Personal abgebaut. Der Deutsche Apothekerverband und der Großhandelsverband waren in der Endphase des AMNOG gemeinsam im Ministerium und haben gemeinsam ihre Wünsche vorgebracht. Man werde sich auch in Zukunft weiter gemeinsam abstimmen und zu Politikern gehen. Dies sei der einzige Weg, um sich nicht auseinanderbringen zu lassen, so Trümper zur Idee des Runden Tisches.

Die Gesundheitspolitikerin Christa Stevens, CSU, die der Diskussion beiwohnte, unterstrich, dass die Apotheker mit dem AMNOG zu stark geschröpft worden seien. Man müsse überlegen, wie man möglichst rasch gegensteuern kann. Mehr Planungssicherheit in der Gesundheitspolitik wäre besser, "aber ich glaube es nicht, es wird wohl nicht kommen", so Stevens.

Fortbildung auf dem Bayerischen Apothekertag


Die patientenorientierte Pharmazie stand bei den Fortbildungsvorträgen auf dem diesjährigen Bayerischen Apothekertag im Mittelpunkt.

Tim Steinle, Techniker Krankenkasse, Fachbereich Arzneimittel, zeigte welche Aufgaben Krankenkassen, Ärzte und Apotheken übernehmen sollten, damit die Arzneimitteltherapie in der Zukunft sicherer wird.

Dr. Eric Martin, Hubertus-Apotheke Marktheidenfeld, stellte inkretin-basierte Therapien als vielversprechenden innovativen Einsatz in der Therapie des Diabetes mellitus Typ 2 dar. Er analysierte, inwieweit inkretin-basierte Arzneimittel eine physiologischere und verträglichere Beeinflussung des Sekretionsdefizites erlauben. Bei seiner Bewertung berücksichtigte er auch Sicherheitsaspekte und die Kompatibilität mit der regelhaft hochkomplexen Diabetes-Therapie.

Dr. Frank Dörje, Apotheke des Universitätsklinikums Erlangen, befasste sich mit den pharmakologischen Eigenschaften der neu entwickelten und zum Teil bereits in den Markt eingeführten neuen oralen Antikoagulanzien, die durch direkte Faktor Xa-Inhibition oder durch direkte Thrombin/Faktor IIa-Inhibition die Blutgerinnungsneigung herabsetzen.

Dr. Carine Hohmann, Apotheke des Klinikums Fulda, erläuterte den Unterschied zwischen der Basistherapie der Schmerzen und der Therapie von Durchbruchschmerzen, den blitzartig auftretenden Schmerzattacken, die bei Patienten auftreten können, obwohl sie auf ihre Beschwerden optimal mit Arzneimitteln eingestellt sind.

Prof. Dr. Petra Högger, Pharmazeutisches Institut der Uni Würzburg, identifizierte in ihrem Workshop anhand von konkreten Patientenbeispielen mit verschiedenen Krankheitsbildern medizinische und arzneimittelbezogene Probleme.

Prof. Dr. Werner O. Richter, Institut für Fettstoffwechselstörungen und Hämorheologie, Windach/Ammersee, widmete sich in seinem Vortrag den Themen Nahrungsmittelallergie, Fettleber und dem Thema eines hohes HDL-Cholesterins.

Vier wirtschaftliche Fortbildungsvorträge über Mikronährstoffdefizite, Bankfinanzierung, Strategien nach AMNOG und erfolgreicher Apothekenverkauf rundeten das Fortbildungsangebot ab.

Fortbildung für Studenten und PhiP


Für Studenten ab dem 6. Semester und Pharmazeuten im Praktikum bot das Kongressprogramm auf dem Bayerischen Apothekertag einen Beratungswettbewerb an: Anhand von Fallbeispielen testeten die Teilnehmer ihre Fähigkeiten in der pharmazeutischen Beratung und profitierten von einem Coaching. Ein Seminar vermittelte die Grundlagen einer optimalen Patientenberatung. In einem Beratungsquiz konnten die Teilnehmer dann im Team Fragen zur pharmazeutischen Beratung beantworten. Und im dritten Schritt berieten die Teilnehmer einzeln unter Ausschluss der Öffentlichkeit einen geschulten Standardpatienten, der einem exakt vorgegebenen Leitfaden folgend seine Rolle spielte. Eine Experten-Jury bewertete das Gespräch anhand eines standardisierten Fragebogens. Als Sieger wurde dann Bayerns Beratungsstar gekürt.

Beratungsstar Gewinner des Beratungswettbewerbs: Christoph Gonschorek. Den Preis überreichten die beiden Vizepräsidenten Ulrich Koczian und Jutta Rewitzer.
Beratungsstar zweiter Platz: Franziska Scharpf – Preisübergabe durch die beiden Vizepräsidenten Ulrich Koczian und Jutta Rewitzer.

Neben diesem Wettbewerb standen für die Studenten und PhiP weitere Vorträge zu Beratungstrainings (Apotheker Andreas Wolf, Übersee am Chiemsee) und Tipps für das Praktische Jahr (Dr. Helmut Schlager, Bayerische LAK) auf dem Programm.

Italienisches Flair In Rosenheim merkt man schon südländische Einflüsse.
Rosenheim Tagungsort des Bayerischen Apothekertags 2011
Bayerische Gemütlichkeit beim geselligen Abend im Ballsaal von Rosenheim zum Auftakt des Bayerischen Apothekertags. Dirndl und Lederhosen waren chic!

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