Bayerischer Apothekertag

Der AMNOG-Frust ist groß

Bayerischer Apothekertag in Rosenheim

Ein Bericht von Peter Ditzel

Der berufspolitische Teil des Bayerischen Apothekertags spiegelte Ärger, Frust und Enttäuschung über die Politik und das Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) und den pharmazeutischen Großhandel wider. Hochrechnungen zeigen, dass auch die bayerischen Apothekerinnen und Apotheker in diesem Jahr drastische Einkommensrückgänge verkraften müssen. Dennoch richtete auch der Bayerische Apothekertag, der vom 20. bis 22. Mai im oberbayerischen Rosenheim stattfand, den Blick nach vorne: Man setzt auch hier auf das ABDA-KBV-Papier für eine bessere Zusammenarbeit mit den Ärzten und Einsparungen für die Krankenkassen. Und auch die patientenorientierte Fortbildung wurde auf dem Apothekertag großgeschrieben. Neu: Studenten und Pharmazeuten im Praktikum stellten sich einem Wettbewerb um die beste Patientenberatung.
Fotos: DAZ/diz
Apotheken-A, Herzen und Kringel aus Schaum, produziert am Apotheker-Zelt auf dem Ludwigsplatz in Rosenheim, flogen über die Stadt und zeigten allen: die Apotheker sind in der Stadt. (Aus Umweltgründen verzichtete man auf einen roten Farbstoff bei den Apotheken-A).

Nie war die Stimmung unter Apothekerinnen und Apothekern so schlecht, stellte Dr. Hans-Peter Hubmann, Vorsitzender des Bayerischen Apothekerverbands (BAV), fest. Nach einem hoffnungsvollen Start der schwarz-gelben Regierung kam die große Enttäuschung mit dem AMNOG und der Beibehaltung der Pick-up-Stellen. Hinzu kommen die Änderungen bei der Packungsgrößenverordnung, die für Chaos sorgen, die Erhöhung des Kassenschlags auf 2,05 Euro und die Tatsache, dass der Großhandel seinen Sparbeitrag voll auf die Apotheken abwälzt. Hubmann: "Die Apotheken tragen fast die volle Last." Außerdem wurde das Apothekerhonorar seit 2004 nicht angepasst und von Einkaufsvorteilen sind die Apotheker weitgehend abgekoppelt, während die Kosten für den Personalaufwand nicht zuletzt wegen der Mehraufwands bei Rabattverträgen gestiegen sind: "So kann es nicht weitergehen!" Die Forderungen der Apotheker an die Politik fasst Hubmann so zusammen: eine Dynamisierung des Apothekerhonorars, eine adäquate Vergütung von Rezepturen, der BtM-Verwaltung und des Notdienstes sowie die gerechte Anpassung des Kassenabschlages.

Dr. Hans-Peter Hubmann

Den Apotheken sei die finanziell enge Lage der Krankenkassen durchaus bewusst, daher habe man mit dem ABDA-KBV-Papier einen Vorschlag vorgelegt, wie die Versorgung der Versicherten verbessert werden und gleichzeitig Einsparungen für die Kassen realisiert werden könnten. Bei voller Umsetzung des Medikationsmanagements bis 2014 könnten insgesamt 2,8 Milliarden Euro eingespart werden, rechnete der BAV-Vorsitzende vor. Ärzte und Apotheker könnten für die gemeinsame Patientenbetreuung bei diesem Modell mit je 350 Millionen Euro daran partizipieren. Die Politik wäre gut beraten, den Sachverstand der Apotheker endlich zu nutzen und das Papier umzusetzen.

"Man hat so den Eindruck, der Apotheker ist schon ein geduldiges Wesen", kommentierte Werner Buchberger vom Bayerischen Rundfunk, der als Moderator durch die berufspolitische Stunde führte, Hubmanns Rede. "Aber irgendwann platzt uns der Kragen", konterte Hubmann. Und warum hätten sich die Apotheker so lange Zeit gelassen, bis sie aktiv werden, fragte der Moderator nach, Ärzte waren schon vor zwei Jahren auf der Straße. Hubmann: "Man glaubt immer, durch Gespräche doch noch etwas bewegen zu können, aber man wird immer wieder enttäuscht. Damit muss jetzt Schluss sein."

Nachwuchsförderung


Die Dr. August und Dr. Anni Lesmüller-Stiftung vergibt seit 2009 an die besten Absolventen in der Pharmazie an bayerischen Universitäten den Lesmüller-Preis. Sinn ist es, beim pharmazeutischen Nachwuchs das Bewusstsein für den Wert der pharmazeutischen Wissenschaft und ihrer Bedeutung für den Apothekerberuf als Heilberuf zu wecken. Benkert freute sich, die Preisträger des Lesmüller-Preises 2010 auf dem Bayerischen Apothekertag begrüßen zu können:

  • von der Universität München: Sonja Bonengel, Florian Wiedemann und Christian Schmidt

  • von der Universität Erlangen-Nürnberg: Dorothee Möller, Janina Mühling, Anne Pauly und Ann-Catrin Strauß.


Thomas Benkert

Apotheker sein muss sich wieder rechnen

Auch Thomas Benkert, Präsident der Bayerischen Landesapothekerkammer, hob in seiner berufspolitischen Rede darauf ab, dass der Apotheker durch Einsatz seiner Kompetenz den Krankenkassen beim Sparen helfen kann, ohne dass der Patient auf Qualität verzichten muss. Das ABDA-KBV-Papier werde vonseiten der ABDA aktiv in die Politik getragen. Es liege dann an der Politik, das Papier zu akzeptieren und ins geplante GKV-Versorgungsgesetz aufzunehmen.

Das AMNOG habe die Apotheken ins Mark getroffen. Viele Apotheken rechnen sich betriebswirtschaftlich nicht mehr, "mittelfristig werden viele kleinere Apotheken das AMNOG nicht überleben", prognostizierte der Kammerpräsident, "ich wage die These, die Politik hat diese Folgen mit einkalkuliert." Das AMNOG habe nicht nur das Vertrauen in eine weitsichtige Gesundheitspolitik erschüttert, es habe auch das Verhältnis zum Großhandels gestört.

Zur erwarteten Apothekenbetriebsordnung: Berufsintern hat die Forderung, ein Qualitätsmanagement für bestimmte Tätigkeiten in der Apotheke einzuführen, für Kritik gesorgt, auch als sich die Bundesapothekerkammer dafür aussprach. "Auch die Bayerische Landesapothekerkammer vertritt diese Auffassung, denn es gibt gute Gründe dafür", fügte Benkert selbstbewusst hinzu. Die Apotheken müssten sich künftig deutlich von anderen Betriebswegen unterscheiden. "Ich möchte keine Apotheke light, keinen Drogeriemarkt als Schmalspur-Apotheke." Benkert verband diese Hinweise mit dem Appell an die Politik, dass das Apothekerhonorar für diese Leistungen den notwendigen Spielraum bieten muss: "Apotheker sein muss sich wieder rechnen."

10 Jahre AMI


Thomas Benkert, Präsident der Bayerischen Landesapothekerkammer (LAK), erinnerte an das zehnjährige Bestehen der Arzneimittelinformationsstellen (AMI) im Lande, einer Einrichtung der Bayerischen LAK. Die Infostellen in Würzburg, Regensburg und Erlangen unterstützen die bayerischen Apothekerinnen und Apotheker mit individualisierten, wissenschaftlich fundierten Arzneimittelinformationen. Alle Fragen, die sich nicht aus der Literatur beantworten lassen, können an die AMI gerichtet werden. Allein in 2010 haben knapp 1100 Personen den Sachverstand und die Erfahrung der AMI genutzt, dies sind im Durchschnitt 90 Anfragen pro Monat von Apothekern, Ärzten und Patienten. Benkert bedankte sich für die hervorragende Arbeit der AMI.


Grusswort Mit ihrem Satz "Gott erhalte uns die Apotheker" konnte Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer bei den Teilnehmern des Bayerischen Apothekertags punkten. "Wir brauchen die Kompetenz unserer Apotheker und Ärzte, gerade angesichts des gestiegenen Gesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung."
AMNOG und Grosshandel Bayerns Gesundheitsminister Dr. Markus Söder war zur Eröffnung leider nicht anwesend, Er ließ sich wegen einer Klausurtagung entschuldigen. Die politische Eröffnungsveranstaltung war dennoch gut besucht: Das Thema AMNOG und der Großhandel sorgten für Interesse.
Gut besucht Rund 500 Apothekerinnen, Apotheker und Pharmaziestudierende nahmen am diesjährigen Bayerischen Apothekertag im Rosenheimer Kultur- und Kongresszentrum von 20. bis 22. Mai teil. Neben der Fortbildung und Berufspolitik kam auch die Geselligkeit nicht zu kurz: Die Alphorn-Bläser eröffneten die festliche Gala. Fotos: DAZ/diz

Das könnte Sie auch interessieren

Politik, Fortbildung, Wirtschaft, Fachmesse

Bayerischer Apothekertag 2011 in Rosenheim

50. Bayerischer Apothekertag

Die Zukunft ist weiß-blau

Apotheker fordern beim BAT Wiederherstellung der Gleichpreisigkeit bei Rx-Arzneimitteln

Huml: RxVV ist der Königsweg

Bayerischer Apothekertag im Zeichen von Leitbild und Prävention

„Wir brauchen Apotheker“