Medizin

Was sind eigentlich ... Mouches volantes

Eigentlich kennt sie jeder – kleine schwarze Punkte, Fäden, Flusen oder Mücken, die entstehen, wenn man auf eine weiße Wand oder in den Schnee schaut. Sie können auch plötzlich beim Lesen auftauchen. Diese "Mücken" sieht nur der Betroffene selbst, niemand anderes. Die Augenärzte bezeichnen sie als "Mouches volantes" oder eben fliegende Mücken. Sie sind die Folge von Trübungen des Glaskörpers im Auge.

Bei Menschen ab dem vierzigsten Lebensjahr kann es zu einer Schrumpfung und Verflüssigung des eigentlich homogenen Glaskörpers kommen (Syneresis; s. a. Kasten Anatomie und Sehfunktion). Die Collagenfasern verdichten sich im Glaskörper zu Fibrillen und der Glaskörper hebt sich als Folge der Schrumpfung nach und nach von der Netzhaut ab. Die Veränderungen können im Auge herumschwimmen und Schatten auf die Netzhaut werfen. Diese Schatten werden als krumme, kurze oder lange Fäden oder Schlieren wahrgenommen. Sie setzen sich im Laufe der Zeit nach unten ab und sind nur noch bei schnelleren Kopfbewegungen bemerkbar. Dies kann aber mehrere Wochen oder sogar Monate dauern. Nehmen diese Glaskörpertrübungen plötzlich stark zu ("Mückenschwarm") oder gehen sie mit Lichtblitzen einher, sollte der Augenhintergrund gründlich untersucht werden.

Die Mouches volantes sind bis zu einem gewissen Grad völlig normal. Sie treten selbst im jungen gesunden Auge auf. Kurzsichtige Personen haben einen längeren Augapfel und können die fliegenden Mücken etwas früher entdecken. Solange die Netzhaut durch die Ablösung des Glaskörpers nicht verletzt wurde, sind diese Trübungen harmlos. Dies kann jedoch einzig und allein ein Augenarzt beurteilen.

Untersuchung

Vor der Untersuchung werden zunächst Augentropfen aufgebracht, um die Pupille zu erweitern (Mydriasis) und Einblick ins Auge zu gewähren. Eingesetzt werden möglichst kurz wirkende Parasympatholytika (z. B. Tropicamid). Eine sehr helle Lampe bringt Licht ins Auge und das entstehende Bild lässt sich durch eine Lupe betrachten. Die Untersuchung ist nicht kompliziert und dauert auch nicht allzu lange. Autofahren sollte man allerdings nach dieser Untersuchung nicht. Manchmal dauert es bis zu zwei Tagen, bis die durch die Augentropfen erweiterte Pupille wieder ihre normale Größe hat.

Mit den "Mücken" leben

Die beste Maßnahme gegen die Mouches volantes ist es, sich an diese zu gewöhnen. Bis zu einem gewissen Maß ist das Gehirn in der Lage, die Wahrnehmung mit der Zeit auszublenden. Allerdings kann dies nicht jeder Erkrankte, bei manchen bleiben die fliegenden Mücken erhalten und stören täglich das Wohlbefinden.

Operation oder Couch

In schweren Fällen und nur dann, wenn alle anderen Möglichkeiten nicht helfen, kann eine operative Entfernung der Glaskörpertrübungen erwogen werden. Hierbei wird der zentrale Teil des Glaskörpers mitsamt den Trübungen entfernt. Eine solche Vitrektomie ist ein gravierender Eingriff am Auge mit möglichen Komplikationen, die abgewogen werden müssen. Prinzipiell kann bei jedem operativen Eingriff das Auge an unbeherrschbaren Blutungen oder Infektionen verloren gehen. Dies ist jedoch extrem selten. Typische Komplikationen sind jedoch eine Netzhautablösung und die Eintrübung der Linse (Katarakt), die weitere Operationen erforderlich machen können.

2004 wurde in Österreich die "transkonjunktivale nahtlose Vitrektomie" (TSV) entwickelt. Dabei handelt es sich um eine besondere Operationsform, bei der durch extrem kleine Instrumente (25 Gauge) die Operationswunde so klein gehalten wird, dass keine Naht gelegt werden muss und das operative Trauma minimiert wird. Diese Methode führt zu einer erheblichen Minderung der operativen Belastung für den einzelnen Patienten. Trotzdem sind alle Komplikationen einer Vitrektomie möglich.

Meist stehen die Risiken jedoch in keinem Verhältnis zu dem Ergebnis und der Notwendigkeit. Sollte sich der Patient gegen eine Operation entschieden haben, die Mouches volantes aber weiterhin stören, kann eine Behandlung durch den Psychiater möglicherweise weiterhelfen. Eventuell ist die fehlende Ausblendmöglichkeit auf eine psychische Überlastungssituation zurückzuführen, die der Gewöhnung im Wege steht.

Laser meist keine Lösung

Gegenüber den gelegentlich angebotenen Laserbehandlungen dieser Glaskörpertrübungen sollte man sehr zurückhaltend sein, zumal mit dem Laser die Trübungen nur verkleinert, aber nicht wirklich beseitigt werden.

Die Aussicht auf Heilung ist begrenzt und von verschiedenen Parametern abhängig. Beispielsweise muss die Zahl der Glaskörpertrübungen im Auge gering sein. Zudem muss der Abstand der Partikel zur Linse und auch zur Netzhaut genügend groß sein. Weiterhin sind der Zustand der Netzhaut sowie die Größe, die Art und die Beweglichkeit der Trübungen entscheidend. Auf jeden Fall müssen die Trübungen für den Arzt sichtbar sein. Wenn sie aber als klare Punkte und Fäden statt als diffuse Masse erscheinen, wenn sie beweglich sind und vom Arzt nicht festgestellt werden können, sind diese Trübungen nicht behandelbar – und genau dies trifft auf die Mehrheit der Mouches volantes zu. Berichten von behandelten Patienten zufolge können gerade durch die Laserbehandlung neue Mouches volantes im Blickfeld auftauchen.

Drei Empfehlungen

Folgende drei Empfehlungen sollten bei einer Glaskörpertrübung beachtet werden:

Sobald erstmals etwas "gesehen" wird, was eigentlich real gar nicht existiert, sollte ein Augenarzt aufgesucht werden, damit alle krankhaften Ursachen ausgeschlossen werden können.

Alle über 40-Jährigen sollten die Augen regelmäßig einmal pro Jahr überprüfen lassen. Es gibt Augenkrankheiten, die das Sehvermögen bedrohen und sich nicht bemerkbar machen.

Wenn plötzlich der schon beschriebene "Mückenschwarm" auftritt, sollte umgehend ein Augenarzt oder die nächste Augenklinik aufgesucht werden. Ursache dieses Mückenschwarms könnte nämlich ein Netzhautriss sein und es droht eine Netzhautablösung. Durch rasche und rechtzeitige Laserbehandlung lässt sich die Netzhautablösung oft abwenden.


Quelle

Wolf S: The Ocular Fundus: From Findings to Diagnosis. Thieme Verlag, Stuttgart 2005.

Grehn F: Augenheilkunde und HalsNasen-Ohrenheilkunde. Springer Verlag, Berlin 2008.


Dr. med. Ingo Blank, Gärtringen

Das Auge – Anatomie und Sehfunktion

Das menschliche Sehorgan besteht aus dem Augapfel (Bulbus oculi), Schutzvorrichtungen wie der Augenhöhle, Augenlidern, Bindehaut, dem Bewegungsapparat und dem Sehnerven. Der Augapfel besteht aus drei Wandschichten: der äußeren, der mittleren und der inneren Augenhaut, die auch als Netzhaut bezeichnet wird.

Für die Beweglichkeit sorgen vier gerade und zwei schräge Augenmuskeln. Damit ist eine Bewegung in alle Blickrichtungen möglich. Beim Sehvorgang dringt Licht erst durch die Hornhaut, dann durch die mittlere Wandschicht – in welcher sich die Regenbogenhaut befindet – und anschließend durch die Linse. Hier wird es gebündelt und das dort entstandene Bild wird auf der Netzhaut (innere Wandschicht des Augapfels) projiziert. Über den Sehnerv werden die Bildinformationen der Netzhaut an das Gehirn weitergeleitet.

Äußere Augenhaut

Die äußere Augenhaut des Augapfels besteht aus Horn- und Lederhaut. Die Hornhaut (Kornea) ist klar und ohne Gefäße. Sie ist der wichtigste Teil des lichtbrechenden Augenapparats. Die weiße Lederhaut (Sklera) besteht aus Collagen und elastischen Fasern und sorgt für die Stabilität des Augapfels.

Mittlere Augenhaut

Zur mittleren Hautschicht zählen Aderhaut (Choroidea), Regenbogenhaut (Iris) und der Strahlenkörper (Ziliarkörper). Die Aderhaut sorgt für die Ernährung der äußeren Netzhaut. Die Regenbogenhaut sorgt für die Regulierung des Lichteinfalls. In der Mitte sitzt die Pupille. Der Strahlenkörper ermöglicht einerseits die Formveränderung der Linse, andererseits kann er den Kammerwasserabfluss über den Schlemmschen Kanal beeinflussen.

Netzhaut (Retina)

Die Netzhaut zählt zur mittleren Schicht der Augapfelwand. Hier sind die Photorezeptoren zu finden, welche durch die Aufnahme von Licht- und Farbreizen das Sehen ermöglichen. Die Photorezeptoren unterteilen sich in Zapfen und Stäbchen. Das Zentrum der Netzhaut (Makula oder "gelber Fleck") ist der Bereich des schärfsten Sehens.

Innenraum des Augapfels

Im Augapfelinnern befinden sich Linse, Glaskörper sowie die vordere und hintere Augenkammer. Die verformbare Linse und die Hornhaut sind für die Bündelung der Lichtstrahlen verantwortlich. Der Glaskörper füllt zwei Drittel des Augapfels aus und ist aus gelartiger Konsistenz. Er besteht zu etwa 98 Prozent aus Wasser. Der Glaskörper ist normalerweise transparent.

Die Vorderkammer liegt zwischen Hornhaut und Regenbogenhaut bzw. Linse, die Hinterkammer zwischen Regenbogenhaut und Glaskörper. Beide Räume enthalten das Kammerwasser.

Durch den Schlemmschen Kanal im Kammerwinkel (wird von der Hornhaut und der Regenbogenhaut gebildet) läuft das Kammerwasser in kleine Venen des Blutsystems.

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