Arzneimittel und Therapie

Längere Erektionsdauer mit Vardenafil

PDE-5-Inhibitoren werden zur Behandlung der erektilen Dysfunktion eingesetzt, um eine ausreichend harte und lange Erektion hervorzurufen. Mit der Dyslipidämie- und der Endurance-Studie liegen jetzt die ersten beiden placebokontrollierten Studien vor, die den Einfluss der Therapie mit dem PDE-5-Inhibitor Vardenafil (Levitra®) auf die Erektionsdauer untersucht haben. Sie konnten eine deutliche Steigerung der Dauer der Versteifung des Penis belegen. Daten der Restore- und der Reinvent-Studie zeigen zudem, dass eine tägliche Dauereinnahme keinen therapeutischen Vorteil bringt.
Erektile Dysfunktion als wichtiger Vorhersagefaktor Die häufigste Ursache der erektilen Dysfunktion sind Gefäßerkrankungen. Erektionsstörungen werden als frühes Symptom einer Arterienverkalkung betrachtet, bei der die Durchblutungsleistung im Penis nicht ausreicht, um eine Erektion hervorzurufen. Es gilt inzwischen als erwiesen, dass es in einem Zeitraum von ein bis fünf Jahren nach einer erektilen Dysfunktion zu einer koronaren Herzerkrankung kommen kann.
Foto: DAZ Archiv

Weltweit leiden schätzungsweise 16% aller Männer zwischen 20 und 75 Jahren unter erektiler Dysfunktion (ED). Als erektile Dysfunktion wird das ständige oder wiederholte Unvermögen des Mannes bezeichnet, eine für ein befriedigendes Sexualleben ausreichende Erektion des Gliedes zu erzielen oder beizubehalten. Erektionsstörungen bei Männern über 40 Jahren werden als Indikator für zugrunde liegende Erkrankungen betrachtet, da deren Prävalenz bei den Betroffenen erhöht ist. So finden sich bei 64% von ihnen mindestens eine der folgenden Erkrankungen: Hypertonie, chronische Herzerkrankungen/Angina pectoris, erhöhte Cholesterinwerte, Diabetes oder Depressionen. Weitere Auslöser für eine ED können operative Eingriffe im Urogenitalbereich, Rückenmarksverletzungen, neurogene Erkrankungen wie multiple Sklerose, psychische Probleme oder zu niedrige Testosteronspiegel sein.

Höhere Zufriedenheit durch partnerschaftlichen Geschlechtsverkehr

Eine Umfrage der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Uwe Hartmann, Medizinische Hochschule Hannover, hat die Wünsche von Frauen beim Intimkontakt erfragt. Die meisten der 102 Befragten gaben an, zu befriedigendem Sex gehöre penil-vaginaler Kontakt. Dies wird vor allem mit der hohen emotionalen Intimität mit dem Partner beim Koitus erklärt.

Die große emotionale Bedeutung von Sex zeigen auch Daten weiterer Studien. Demnach ist ein befriedigendes Sexualleben mit dem Gefühl der leidenschaftlichen Liebe für den Partner assoziiert und trägt zentral zur Stabilität der Partnerschaft bei. Menschen, die mit ihrem Sexleben zufrieden sind, weisen zudem eine allgemein höhere Lebenszufriedenheit auf. Außerdem gibt es Hinweise, dass intensive sexuelle Aktivität mit Indizes einer besseren Gesundheit verbunden ist und möglicherweise protektive Effekte hat.

Erektionsdauer ist entscheidend

Damit der Geschlechtsverkehr von beiden Partnern als beglückend erlebt wird, ist nicht nur eine ausreichende Härte des Penis, sondern insbesondere eine hinreichend lange Dauer der Erektion erforderlich. Die Erektionsdauer ist definiert als Zeitraum zwischen der Wahrnehmung, dass die Erektion des Mannes für die Penetration hart genug ist, bis zum Herausziehen aus der Vagina der Partnerin nach erfolgreichem Geschlechtsverkehr. Allerdings fehlt gerade Männern mit erektiler Dysfunktion die Fähigkeit, eine Erektion lange genug aufrechtzuerhalten. Die Erektionsdauer von Männern mit erektiler Dysfunktion beträgt – wenn es überhaupt zu einer Versteifung des Penis kommt – lediglich drei bis fünf Minuten im Vergleich zum gesunden Mann, dessen Glied durchschnittlich 9,1 Minuten erigiert. Zwei aktuelle Studien zeigen, dass Männer mit Potenzstörungen mithilfe des PDE-5-Inhibitors Vardenafil eine anhaltende und befriedigende Erektion erzielen können.

Dyslipidämie-Studie

In die randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Dyslipidämie-Studie wurden 395 Männer mit erektiler Dysfunktion eingeschlossen, die drei Monate lang Vardenafil bei Bedarf oder Placebo erhielten. Primäre Studienendpunkte zur Beurteilung der Wirksamkeit waren der International Index of Erectile Function (IIEF-EF)-Fragebogen, ein weltweit akzeptiertes, validiertes Instrument zur Quantifizierung und Therapiekontrolle bei erektiler Dysfunktion, sowie zwei Fragen im Sexual Encounter Profile (SEP), nämlich die SEP-2-Frage (Möglichkeit der Penetration), sowie die SEP-3-Frage (ausreichende Erektion für einen erfolgreichen Geschlechtsverkehr). Sekundärer Studienendpunkt war die Dauer der Erektion, gemessen mit der Stoppuhr. 61% der Patienten litten zu Studienbeginn an Bluthochdruck, 51% an Adipositas (BMI > 30) und 40% an Diabetes mellitus.

In der Dyslipidämie-Studie zeigte sich, dass Patienten, die bei Bedarf Vardenafil einnahmen, signifikant höhere Werte bei SEP-2, SEP-3 und dem IIEF-EF-Fragebogen im Vergleich zu Placebo erzielten (p < 0,001). Darüber hinaus konnten sie die Erektion dreimal so lange aufrechterhalten wie Patienten, die nur ein Scheinmedikament eingenommen hatten: Betrug diese bei Therapie mit Placebo 3,4 Minuten, so war es bei Einnahme des PDE-5-Inhibitors zehn Minuten (p < 0,001).

Endurance-Studie

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam die Endurance-Studie mit 201 Männern. Sie erhielten vier Wochen lang entweder Vardenafil 10 mg bei Bedarf oder Placebo; nach einer therapiefreien Phase von einer Woche wurden die Gruppen und damit die Therapie dann getauscht und weitere vier Wochen behandelt. Der primäre Studienendpunkt der Endurance-Studie war die Dauer der Erektion, ebenfalls gemessen mit der Stoppuhr. Die Studienteilnehmer wiesen ähnliche Voraussetzungen auf wie diejenigen der Dyslipidämie-Studie: 32% der Studienpopulation waren hyperton, 23% wiesen eine Dyslipidämie auf und 13% waren bereits an Diabetes mellitus erkrankt.

Auch in dieser Studie konnte durch die Behandlung mit dem PDE-5-Inhibitor die Dauer der Erektion erheblich verlängert werden: Sie betrug in der Behandlungsgruppe 13 Minuten, dagegen 5 Minuten in der Placebogruppe (p < 0,001). Ausgewertet wurden hier ausschließlich Daten zur Erektionsdauer von Patienten, die im Rahmen der Studie einen erfolgreichen Abschluss des Geschlechtsverkehrs hatten. Hochsignifikant besser schnitten auch Patienten, die Vardenafil eingenommen hatten, bei der SEP-3-Frage ab.

In beiden Studien wurde Vardenafil gut vertragen.

Einnahme bei Bedarf

"Mann" braucht Vardenafil nicht dauernd einzunehmen; denn diesbezüglich gibt es keinen Vorteil gegenüber der Einnahme bei Bedarf. Dies zeigte die Restore-Studie, eine randomisierte, doppelblinde, multizentrische Parallelgruppen-Studie mit Vardenafil bei Männern mit leichter bis moderater erektiler Dysfunktion. Unabhängig von der Dauer der täglichen Einnahme (zwölf bzw. 24 Wochen) bestand kein Vorteil einer täglichen Gabe verglichen mit einer Einnahme bei Bedarf, gemessen im IIEF-EF.

Die prophylaktische Wirkung des PDE-5-Inhibitors wurde im Hinblick auf das Entstehen einer erektilen Dysfunktion nach einer radikalen nervschonenden Prostatektomie in der doppelblinden, randomisierten, placebokontrollierten Reinvent-Studie geprüft. Nur zwei Wochen nach OP erwies sich mit Vardenafil ebenfalls kein Unterschied zwischen täglicher Einnahme und Einnahme bei Bedarf.

Diese Studiendaten zeigen, dass die Dauereinnahme keinen therapeutischen Vorteil bringt, so dass die bedarfsgerechte Einnahme weiterhin der täglichen Gabe vorzuziehen ist.

Quelle

Prof. Dr. Uwe Hartmann, Hannover; Prof. Dr. Frank Sommer, Hamburg; Prof. Dr. Theodor Klotz, Weiden: "Sex – länger, effektiver, besser? Neue Erkenntnisse zur optimalen Therapie bei erektiler Dysfunktion", Hamburg, 5. März 2009, veranstaltet von der Bayer Vital GmbH, Leverkusen.

Apothekerin Gode Meyer-Chlond

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