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Rauchverbot – Erfahrungen in anderen Ländern

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stellte in dieser Woche Hintergrundinformationen zur Verfügung, die aufzeigen sollen, warum die WHO ein einheitliches Rauchverbot auch in Deutschland für unerlässlich hält. Zahlreiche Zahlen und Fakten zur Situation von Rauchern und Passivrauchern in Deutschland verdeutlichen, warum die WHO die Bundesländer dazu aufruft, gemeinsam dem Beispiel von Nachbarstaaten wie Irland, Italien, Schweden, Finnland, Frankreich, England etc. zu folgen und das Rauchen aus allen öffentlichen Gebäuden einschließlich der Gastronomie zu verbannen.

  • Ein Rauchverbot in Schulen, Gesundheitseinrichtungen und an Arbeitsplätzen in geschlossenen Räumen ist bereits in der Hälfte der 52 Staaten in Kraft, die zur Europäischen Region der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehören. Zusätzlich haben mehr und mehr Länder das Rauchen auch aus Gaststätten verbannt - etwa Italien, Irland, Norwegen, Schweden und Schottland - oder beschlossen, dies sehr bald zu tun, wie England, Finnland, Estland und Island.
  • Ist in Deutschland Rauchen aber nicht ohnehin ein bald vernachlässigenswertes Phänomen? Tatsächlich ist der Anteil der Raucher hierzulande mit 33,9% am höchsten in ganz Westeuropa nach Österreich und Andorra. Auch deutsche Jugendliche rauchen weiterhin stark überdurchschnittlich im Vergleich, da inzwischen genauso viele Mädchen zur Zigarette greifen wie Jungen.
  • Die Folgen: Allein rund 110.000 Deutsche sterben pro Jahr vorzeitig aufgrund ihres Tabakkonsums. Im Schnitt haben sie so 15 Jahre ihres Lebens verloren. Jeder zweite Raucher stirbt weltweit frühzeitig an einer Krankheit, die mit seinem Tabakkonsum zusammenhängt, und Rauchen ist die zweitwichtigste Todesursache. Rein finanziell betrachtet verursachen die nötige Gesundheitsbetreuung, die geringere Arbeitsproduktivität etc. Schätzungen zufolge global Kosten in Höhe von 200 Milliarden Dollar.
  • Bedeutend sind jedoch auch die Folgen für die Passivraucher. Allein 3300 Deutsche sterben pro Jahr vorzeitig, weil sie dauerhaft Tabakrauch ausgesetzt waren. Viele weitere leiden unter Schlaganfällen, Herz- oder Lungenkrankheiten, die auf Tabakrauch zurückzuführen sind. Auch viele Kinder leiden gerade in Deutschland hierunter, wie ein WHO-Ranking zum Schutz von Kindern anhand von 15 Indikatoren belegt: Sie sind Tabakrauch im öffentlichen Nahverkehr und in Gastwirtschaften oder auch verführerischer Werbung hierzulande weit intensiver ausgesetzt als in fast allen Nachbarländern Deutschlands.
  • Messungen des WHO-Kooperationspartners Deutsches Krebszentrum haben bewiesen, dass die Luft insbesondere in gastronomischen Räumen mit Schadstoffen wie Feinstaub und Nikotin um ein Vielfaches höher belastet ist als außerhalb. Entsprechend erkranken Gastronomiemitarbeiter rund 50% häufiger an Lungenkrebs als andere Berufstätige.
  • Aktuellen Umfragen zufolge fühlen sich 84% der deutschen Nichtraucher vom Tabakrauch in Gaststätten gestört. Selbst mehr als jedem dritten Raucher ergeht es genauso. Entsprechend fordern 59% der Deutschen ein generelles Rauchverbot in Gaststätten.
  • Viele Staaten haben bereits wie Irland (2004) und Italien (2005) das Rauchen aus allen Gaststätten verbannt. Das Verbot ist dabei in nahezu allen Ländern sehr effektiv, in Italien und Irland wird es in fast 100% der kontrollierten Gaststätten befolgt.
  • Zugleich zeigt sich durchweg, dass ein Verbot, so bald es in Kraft tritt, deutlich mehr Unterstützung erfährt: In Irland mit seiner Pub- und Raucher-Kultur hat sich die Zustimmung von einst 46% auf heute 96% mehr als verdoppelt. In Italien stieg die Zahl der Befürworter von 83 auf 90%.
  • . Ein einflussreiches Gegenargument gegen ein Verbot ist die Angst der Gastwirte um ihr Geschäft. Doch selbst wenn man die Wirte später befragt, erweist sich diese Angst als weitgehend unbegründet: In Italien geben nur 13% von ihnen an, dass sie bemerkenswerte Einbußen erlitten hätten. Jeder zehnte Kunde sagt zugleich, er gehe nun öfters aus, während 7% seltener eine Gastwirtschaft besuchen.
  • Dies stimmt mit den Erfahrungen aus Irland ebenso überein, wo Raucher wie zuvor Bars besuchen und Nichtraucher etwas häufiger, wie mit Umfragen in so unterschiedlichen Regionen wie Australien, Hongkong und New York. Auch zusammenfassende Auswertungen von international etwa 100 unabhängigen Untersuchungen zu diesem Thema bestätigen: Ob man den Umsatz oder die Kundenzahlen, die abgeführten Steuern oder Befragungen betrachtet  ein Rauchverbot bleibt für das Geschäft der Gastwirte insgesamt folgenlos.
  • Wirksam ist es jedoch für die Gesundheit der Menschen. Der Anteil kleiner Feinstaub–partikel in der Kneipenluft sinkt durch ein Rauchverbot um bis zu 96%. Bei untersuchten Gastronomie-Mitarbeitern nahm die Häufigkeit von Hals-, Nasen- oder Augenleiden um fast vier Fünftel ab. Die Konzentration des Nikotin-Abbauprodukts Cotinin sank bei nichtrauchenden Mitarbeitern um rund 80%.
  • Insgesamt führt ein Rauchverbot auch bei vielen Rauchern zu einem Umdenken: In Italien ist seit dem Rauchverbot der Zigarettenverkauf im Lande um fast 6% zurückgegangen. Ironischerweise haben dazu just die größten Gegner des Verbots entscheidend beigetragen: Fast jeder Sechste der italienischen Gastwirte hat das neue Gesetz als einmalige Chance genutzt, um ganz mit dem Rauchen aufzuhören.

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