Arzneimittel und Therapie

Soziale Phobie: Venlafaxin retard erhält Zulassungserweiterung

Venlafaxin retard (Trevilor® retard) hat die Zulassungserweiterung zur Behandlung der sozialen Angststörung (soziale Phobie) erhalten, wie die Firma Wyeth mitteilte. Der selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer Venlafaxin ist bisher zugelassen zur Behandlung von Depressionen mit und ohne Angstsymptomatik sowie für die Erhaltungstherapie und Rezidivprophylaxe depressiver Erkrankungen. Trevilor® retard hat außerdem die Zulassung zur Therapie der generalisierten Angststörung.

Die meisten Patienten mit sozialer Phobie leiden auch an Depressionen und anderen Angsterkrankungen wie der generalisierten Angststörung. Mit der Zulassungserweiterung für retardiertes Venlafaxin ergibt sich die Möglichkeit, den größten Teil dieser Patienten effektiv mit einer Substanz zu behandeln. Venlafaxin ist ein selektiver Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer, der sowohl Serotonin- als auch Noradrenalin-Rezeptoren beeinflusst, ohne jedoch das zusätzliche Rezeptorprofil der tri- und tetrazyclischen Antidepressiva zu zeigen. Der duale Wiederaufnahmehemmer wirkt im Vergleich zu den reinen selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern oder Reboxetin etwas schneller und stärker antidepressiv, ist dafür aber auch mit etwa mehr unerwünschten Effekten verbunden.

Angsterkrankungen nicht bagatellisieren

Soziale Phobien beginnen typischerweise bereits im frühen Jugend- oder Erwachsenenalter. Erste Anzeichen zeigen sich oft als ausgeprägte Schüchternheit oder Zurückhaltung. Sehr viele Jugendliche und auch Erwachsene sind davon betroffen. Aus Scham und Unsicherheit sprechen viele Betroffene nicht darüber, dabei ist qualifizierte professionelle Hilfe dringend erforderlich.

Denn unangemessene Lösungsversuche, Vermeidungsverhalten, wachsende Erwartungsängste und Selbstvorwürfe sowie die scheinbare Unmöglichkeit von der Umwelt Hilfe zu bekommen, führen zu einer Abwärtsspirale, in der sich die Phobie, abnehmendes Selbstvertrauen und Folgeprobleme wie Depressivität und Einsamkeit, gegenseitig verschärfen. Dabei kann eine soziale Phobie, vor allem wenn sie rechtzeitig erkannt wird, mit Medikamenten und psychologischen Therapieverfahren erfolgreich behandelt werden.

Wie bei den meisten anderen psychischen Erkrankungen wird auch bei der sozialen Phobie davon ausgegangen, dass bestimmte Stoffwechselvorgänge im Gehirn verändert sind. Benzodiazepine oder Antidepressiva greifen in die biochemischen Vorgänge ein und können die fehlregulierten Stoffwechselvorgänge normalisieren.

Selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer

Neue Ansätze in der Depressionstherapie wie die selektiven Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (Venlafaxin, Duloxetin) setzen auf gezielte Wirksamkeit bei verringerten Nebenwirkungen. Sie hemmen wie ihre klassischen Vorgänger, die trizyclischen Antidepressiva, nach dem dualen Wirkprinzip die Wiederaufnahme von Serotonin wie auch von Noradrenalin in den synaptischen Spalt: Venlafaxin und sein aktiver Metabolit, O-Desmethylvenlafaxin, sind starke Inhibitoren der neuronalen Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin und schwache Inhibitoren der Dopamin-Wiederaufnahme.

Die antidepressive Wirkung von Venlafaxin wird u. a. mit einer Erhöhung der Neurotransmitteraktivität im Zentralnervensystem erklärt. Im Unterschied zu trizyclischen Antidepressiva hat Venlafaxin keine Affinität zu histaminergen, cholinergen oder adrenergen Rezeptoren. Venlafaxin besitzt auch praktisch keine Affinität zu Opiat-, Benzodiazepin-, Phenzyclidin(PCP)- oder N-Methyl-d-Aspartam(NMDA)-Rezeptoren. Die Monoaminoxidase wird nicht beeinflusst. Damit entfallen eine Reihe von Nebenwirkungen der Trizyclika oder diese werden abgemildert.

Die Wirksamkeit des selektiven Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmers Venlafaxin retard (Trevilor retard®) in der Therapie der sozialen Angststörung wurde in vier verschiedenen Studien geprüft. Dass überzeugende Therapieerfolge in kurzer Zeit erreichbar sind, belegen randomisierte, doppelblinde Kurzzeitstudien an insgesamt 1372 ambulanten Patienten mit generalisierter sozialer Phobie, in denen Venlafaxin retard (75 bis 225 mg/Tag) gegen Paroxetin (20 bis 50 mg/Tag) und Plazebo geprüft wurde.

Retardiertes Venlafaxin führte bei bis zu 70 Prozent der Patienten zu einer deutlichen Besserung gemessen mit der Liebowitz Soziale Angst-Skala (LSA) und dem Clinical Global Impression Improvement (GCI)-Score. In einer Langzeitstudie (28 Wochen Behandlungsdauer) mit 386 Patienten konnte eine 60-prozentige Besserung der Symptomatik im Vergleich zur Plazeboresponse nachgewiesen werden. ck

Venlafaxin retard (Trevilor retard) hat die Zulassungserweiterung zur Behandlung der sozialen Angststörung (soziale Phobie) erhalten, wie Wyeth mitteilte. Der selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer Venlafaxin ist bisher zugelassen zur Behandlung von Depressionen mit und ohne Angstsymptomatik sowie für die Erhaltungstherapie und Rezidivprophylaxe depressiver Erkrankungen. Trevilor retard hat außerdem die Zulassung zur Therapie der generalisierten Angststörung.

Zum Weiterlesen: Soziale Phobie beeinträchtigt die praktische Lebensführung. Med Monatsschr Pharm 2003:26(1):32-3. www.deutscher-apotheker- verlag.de/MMP

Soziale Angststörung

Die soziale Phobie ist eine der häufigsten sozialen Störungen. Die Lebenszeitprävalenz in der deutschen Bevölkerung liegt zwischen 7 und 13%; Frauen erkranken dabei häufiger als Männer. Definiert wird die soziale Phobie als eine anhaltende Angst vor Situationen, in denen die Patienten im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen (z. B. in der Öffentlichkeit sprechen, auf Partys gehen, in irgendeiner Form bewertet zu werden).

Sie ist in der Regel mit einem niedrigem Selbstwertgefühl und Furcht vor Kritik verbunden und kann in einer dauerhaften und unangemessenen Furcht und Vermeidung von Situationen, in denen der Patient mit anderen Menschen zu tun hat, gipfeln. Die Angst geht mit körperlichen Symptomen wie Zittern, Herzklopfen, Hitzewellen oder Kälteschauern, Mundtrockenheit und Übelkeit einher. Die Symptome können sich bis hin zu Panikattacken verstärken und in extremen Fällen zu ungewollter vollständiger sozialer Isolierung führen.

Die soziale Phobie beginnt oft bereits im frühen Alter (zwischen 10 und 17 Jahren) und ist in 50 bis 80% der Fälle mit weiteren psychiatrischen Erkrankungen wie Angststörungen, spezifischen Phobien, Suchterkrankungen oder Depressionen vergesellschaftet.

Tipp

Informationen und Hilfe rund um das Thema soziale Phobie finden sich im Internet unter www.sozphobie.freehosting.net/

Hilfestellung gibt auch die Deutsche Angststörungen Hilfe und Selbsthilfe DASH, Bayerstraße 77a, 80335 München, Tel.: 089/54403775

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.