Arzneimittel und Therapie

Neuer Gyrasehemmer: Gemifloxacin zur Behandlung von Atemwegsinfektionen

Gyrasehemmer sind aus der antiinfektiösen Therapie nicht mehr weg zudenken. Die neuen auf dem Markt und in der Entwicklung befindlichen Wirkstoffe wurden stark verbessert hinsichtlich ihrer antibakteriellen Aktivität. Das Fluorchinolon Gemifloxacin (vorgesehener Handelsname Factive®), das jetzt von der amerikanischen Food and Drug Administration die Zulassung für die Behandlung von ambulant erworbenen Pneumonien (community-acquired pneumonia, CAP) sowie für die akute Exazerbation einer chronischen Bronchitis erhielt, soll insbesondere in Bezug auf die Wechselwirkungen mit Xanthinen eine Weiterentwicklung sein, wie aus einer Pressemitteilung von GlaxoSmithKline hervorgeht.

Gemifloxacin wurde gezielt für die Therapie von Atemwegsinfektionen entwickelt. Es wird nach oraler Gabe schnell aufgenommen, ein maximaler Plasmaspiegel wird nach einer halben bis zwei Stunden erreicht. Die Verbindung ist zu 70% oral bioverfügbar, die Halbwertszeit beträgt sieben bis acht Stunden.

Keine Interaktionen mit Theophyllin

Die in den Studien aufgetretenen Nebenwirkungen entsprachen denen der Antibiotika, die als Vergleich herangezogen wurden. Die Interaktionen mit Xanthinen konnten verringert werden, indem in 7-Stellung ein voluminöser Rest eingeführt wurde.

Die klinische Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit wurde in randomisierten, doppelblind geführten Studien an ca. 10 000 Patienten geprüft. Die Studien zum Einsatz bei einer akuten Exazerbation einer chronischen Bronchitis belegen, dass Gemifloxacin ähnlich wirksam war, wie vergleichbare Betalactam-Antibiotika, Makrolide oder andere Fluorchinolone.

Empfohlen wird eine einmalige orale Dosis von 320 mg, die Therapie soll bei akuter Exazerbation einer chronischen Bronchitis über fünf Tage aufrecht gehalten werden. Bei der Behandlung von ambulant erworbenen Pneumonien soll die Behandlung über sieben Tage fortgeführt werden.

Gemifloxacin zeigte hier eine Wirksamkeit gegen Streptococcus pneumoniae (einschließlich Penicillin-, Clarithromycin- und Cefuroxim-resistenter Stämme), Haemophilus influenzae; Haemophilus parainfluenzae; Moraxella catarrhalis; Mycoplasma pneumoniae; Chlamydia pneumoniae; Legionella pneumophil oder Staphylococcus aureus.

Gute Aktivität gegen Streptococcus pneumoniae

Die Gruppe der Chinolone hat sich mittlerweile zu einer großen Substanzklasse entwickelt, deren Vertreter zwar im Wirkungsmechanismus ähnlich sind, aber sich in ihrer antibakteriellen Aktivität, Pharmakokinetik und auch in Verträglichkeit und Interaktionen zum Teil erheblich unterscheiden. Daher werden sie nach Empfehlungen der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie in Gruppen eingeteilt.

Die Zuordnung orientiert sich dabei vor allem am Wirkungsspektrum und an den Anwendungsgebieten. Pharmakokinetische Eigenschaften spielen dabei keine Rolle. Nach dieser Einteilung gehört Gemifloxacin zur Gruppe IV, das heißt zu den Fluorchinolonen mit verbesserter Aktivität gegen grampositive und atypische Erreger sowie gegen Anaerobier.

In der Mehrzahl sind die Infektionen der Atemwege auf Streptococcus pneumoniae zurückzuführen. Bei jüngeren Patienten werden bis zu zwei Drittel der Fälle durch Pneumokokken verursacht. Bei Patienten über 65 Jahre spielen neben den Pneumokokken gramnegative Keime eine wichtige Rolle. Die Letalität bei ambulant erworbener Pneumonien liegt bei 14%.

Hemmstoffe der Gyrase

Die Fluorchinolone entfalten ihre Wirkung über eine Hemmung des Enzyms Topoisomerase II, auch Gyrase genannt. Dieses Enzym ist verantwortlich dafür, dass sich die DNA stark verdrillt, so dass der DNA-Faden überhaupt in die Bakterienzelle passt. Durch Hemmung der Gyrase können sich die DNA-Stränge nicht verdrillen, es entstehen stabile Komplexe, so dass die DNA im offenen Zustand fixiert wird und im Endeffekt zum Zelltod führt.

Das Wirkungsspektrum der Chinolone umfasst die meisten grampositiven und gramnegativen Bakterien, wobei die Wirkung auf die Gramnegativen oft stärker ist. Allerdings sind seit mehreren Jahren auch Resistenzen gegen Gyrasehemmer zu beobachten. ck

Ambulant erworbene Pneumonie

Unter einer ambulant erworbenen Pneumonie (CAP) versteht man eine Lungenentzündung, die sich der Patient ambulant, das heißt in seiner natürlichen Umgebung und nicht im Krankenhaus, zugezogen hat. Schätzungsweise 500 000 Menschen pro Jahr sind davon in Deutschland betroffen, etwa 20 Todesfälle pro 100 000 Einwohner sind jährlich auf eine Pneumonie zurückzuführen, damit führt die ambulant erworbene Pneumonie häufiger zur stationären Aufnahme als die bekannten Volkskrankheiten Herzinfarkt und Schlaganfall, und sie ist zur Zeit die sechsthäufigste Todesursache in Deutschland.

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