Arzneimittel und Therapie

Antibiotika: Gatifloxacin: ein Fluorochinolon der Gruppe IV

Eine Flut neuer Antibiotika rollt derzeit aus der Arzneimittel-Pipeline auf Ärzte, Apotheker und Patienten zu. Eines davon ist Gatifloxacin. Gemäß Einteilung der Paul-Ehrlich-Gesellschaft gehört es zu den Fluorochinolonen der Gruppe IV. Das allein bescheinigt ihm bereits eine sehr gute Wirksamkeit. Für Gatifloxacin wurde im letzten Jahr die Zulassung in Deutschland beantragt.

Das 8-Methoxyfluorochinolon Gatifloxacin nimmt gemäß der Fluorochinolon-Einteilung der Paul-Ehrlich-Gesellschaft einen Spitzenplatz in seiner Wirkstoffgruppe ein. Es gehört wie Moxifloxacin zur Gruppe IV. Und das bedeutet: verbesserte Aktivität gegen grampositive, gramnegative und atypische Erreger sowie, im Gegensatz zu Substanzen der Gruppe III, auch gegen Anaerobier. Besonders geeignet ist Gatifloxacin daher bei ambulant erworbenen Pneumonien, die bevorzugt von Pneumokokken und Haemophilus influenzae, manchmal auch von Moraxellen, Mykoplasmen und Legionellen hervorgerufen werden.

Zwei multizentrische Doppelblindstudien verglichen die Wirksamkeit von Gatifloxacin mit Amoxicillin/Clavulansäure bzw. Clarithromycin bei dieser Indikation. Als Parameter für den Erfolg der Antibiose wurde der klinische Befund (Besserung bzw. Heilung) und der bakteriologische Befund jeweils nach Ende der Therapie sowie zwei bis vier Wochen später bei einer Nachuntersuchung herangezogen.

Gatifloxacin gegen Pneumonien

Im Vergleich mit dem Aminopenicillin zeigte Gatifloxacin zunächst adäquate Ergebnisse, bei der Nachuntersuchung schnitt das Chinolon jedoch deutlich besser ab. So lag die Responderrate direkt nach der Therapie unter Gatifloxacin bei 86,8 Prozent (n = 228), unter Amoxicillin/Clavulansäure bei 81,6 Prozent (n = 228). Zwei Wochen später lagen die Zahl der Responder jedoch bei 87,2 Prozent für Gatifloxacin und lediglich noch bei 78,7 Prozent für Amoxicillin/Clavulansäure.

Im Vergleich mit Clarithromycin (n=145) erwies sich Gatifloxacin (n = 141) als ebenbürtig, was die Klinik betraf. Die bakteriologischen Befunde sprachen jedoch in beiden Studien für den Einsatz des Chinolons (83,1% Gatifloxacin versus 78,7 Prozent Aminopenicillin; 96,7% Gatifloxacin versus 87,5 Prozent Clarithromycin). Insbesondere die häufigsten Erreger ambulant erworbener Pneumonien - Pneumokokken und Haemophilus influenzae - wurden von Gatifloxacin besser erfasst. Auch im Vergleich mit Levofloxacin erwies sich Gatifloxacin bei dieser Indikation als gleichwertig. Dabei war die Wirksamkeit bei Patienten, die älter als 65 Jahre alt waren, ebenso gut wie bei jüngeren.

Bei Bakterien in den Harnwegen

Auch unkomplizierte und komplizierte Harnwegsinfekte lassen sich mit Gatifloxacin erfolgreich behandeln. Gezeigt wurde dies in Vergleichsstudien mit dem Chinolon Ciprofloxacin. Bei komplizierten Harnwegsinfekten oder einer akuten unkomplizierten Pyelonephritis erhielten die Patienten über fünf bis 14 Tage entweder einmal täglich 200 bzw. 400 mg Gatifloxacin oder zweimal täglich 500 mg Ciprofloxacin. Die Ansprechraten lagen in allen drei Gruppen bei durchschnittlich etwa 70 Prozent. Unkomplizierte Infekte wurden entweder mit einer Einmalgabe von 400 mg Gatifloxacin, einmal täglich 200 mg Gatifloxacin über drei Tage oder zweimal täglich 250 mg Ciprofloxacin, ebenfalls über drei Tage behandelt. Unter allen drei Regimes lagen die Erfolgsquoten bei etwa 85 Prozent.

Grundsätzlich stellt sich aber die Frage, ob bei unkomplizierten Infektionen der unteren Harnwege tatsächlich Fluorochinolone als Medikamente der ersten Wahl zum Zuge kommen sollten. Wegen der steigenden Resistenzrate gegenüber Trimethoprim bzw. Trimethoprim/Sulfamethoxazol werden Chinolone jedoch künftig vermehrt auch bei dieser Indikation ins Kalkül gezogen werden müssen.

Keine Gefahr für Herz und Leber

Auch unter Sicherheitsaspekten spricht nichts gegen den Einsatz von Gatifloxacin. Dies zeigen Daten von über 4000 Patienten, die in klinischen Vergleichsstudien mit Gatifloxacin (n = 2507) oder einem anderen Antibiotikum (n = 1497) behandelt wurden. In beiden Patientengruppen traten bei etwa einem Viertel der Behandelten Nebenwirkungen auf. Sie betrafen überwiegend den Gastrointestinaltrakt. Übelkeit, Diarrhö und Erbrechen standen an erster Stelle, gefolgt von Kopfschmerzen und Schwindelgefühlen. Gatifloxacin zeigte jedoch keine negativen Effekte auf das ZNS. Außerdem ergaben Studien keine Hinweise auf ein kardiotoxisches oder hepatotoxisches Potenzial. Untersuchungen an Typ-II-Diabetikern belegten, dass Gatifloxacin den Glucosestoffwechsel nicht negativ beeinflusst. Die Phototoxizität wird als gering eingestuft.

Gatifloxacin ist besonders geeignet bei ambulant erworbenen Pneumonien, die bevorzugt von Pneumokokken und Haemophilus influenzae, manchmal auch von Moraxellen, Mykoplasmen und Legionellen hervorgerufen werden. Auch unkomplizierte und komplizierte Harnwegsinfekte lassen sich erfolgreich behandeln.

Quelle: 8th Biennal Conference in antiinfective agents and chemotherapy: Satellitensymposium: The treatment of community-acquired infections. München, 13. März 2000, veranstaltet von Grünenthal GmbH, Aachen.

Dr. Beate Fessler, München

Eine Flut neuer Antibiotika kommt derzeit aus der Arzneimittel-Pipeline auf Ärzte, Apotheker und Patienten zu. Eines davon ist Gatifloxacin. Gemäß Einteilung der Paul-Ehrlich-Gesellschaft gehört es zu den Fluorochinolonen der Gruppe IV. Das allein bescheinigt ihm bereits eine sehr gute Wirksamkeit. Für Gatifloxacin wurde im letzten Jahr die Zulassung in Deutschland beantragt.

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