Arzneimittel und Therapie

Intraabdominelle Infektionen: Zulassungserweiterung für Moxifloxacin

Nachdem die amerikanische Arzneimittelbehörde Food and Drug Administration (FDA) im Juni 2005 die Zulassungserweiterung für das Fluorochinolon Moxifloxacin (Avalox®) auf komplizierte Haut- und Weichteilinfektionen ausgesprochen hatte, genehmigte sie vor kurzem nun auch die Zulassung für die Behandlung komplizierter intraabdomineller Infektionen.

Intraabdominelle Infektionen entstehen durch Verletzungen, chirurgische Eingriffe oder Erkrankungen, bei denen Bakterien vom Magen-Darm-Trakt in den Bauchraum eindringen. In den USA sind jährlich rund 3,5 Millionen Menschen von derartigen Infektionen betroffen. Die bakterizide Wirkung von Moxifloxacin resultiert aus einer Hemmung der Enzyme Topoisomerase II (DNS-Gyrase) und Topoisomerase IV, die bei der Replikation, Transkription, Reparatur und Rekombination der bakteriellen DNS benötigt werden.

Bakterizide Wirksamkeit

Basis für die Zulassungserweiterung waren zwei randomisierte multizentrische Phase-III-Studien. In der einen wurde Moxifloxacin – 1 x 400 mg zunächst intravenös, ab Tag 4 dann oral – mit Piperacillin plus Tazobactam i. v. viermal täglich und nachfolgender oraler Verordnung von Amoxicillin plus Clavulansäure zweimal täglich verglichen. In der zweiten erfolgte der Vergleich zwischen Moxifloxacin i. v./oral und Ceftriaxon (1 x 2 g/d) plus Metronidazol (3 x 0,5 g/d) täglich. Insgesamt nahmen 1240 Patienten an den Studien teil. Die häufigsten Infektionen waren Appendizitis mit Perforation oder Abszess und bakterielle sekundäre Peritonitis. Die Monotherapie mit Moxifloxacin erwies sich in den Studien mit einer klinischen Heilungsrate von etwa 80% als gleich wirksam bei der Vernichtung der wichtigsten Keime bei intraabdominellen Infektionen wie E. coli und B. fragilis wie die beiden Standardkombinationsregime Ceftriaxon/Metronidazol bzw. Piperacillin-Tazobactam.

Schneller Wirkeintritt auch bei akuter Bronchitis...

Bei Moxifloxacin handelt es sich um ein Fluorochinolon, das ursprünglich für die Therapie von Atemwegsinfektionen entwickelt wurde. Die bakterizide Wirkung beruht auf einer Hemmung der Topoisomerase II (DNA-Gyrase) und Topoisomerase IV. Die Substanz verfügt über ein breites antibakterielles Wirkspektrum. Neben allen typischen Erregern von Atemwegsinfektionen wie Streptococcus pneumoniae, Hämophilus influenzae, Moraxella catarrhalis ist Moxifloxacin auch gegen atypische Erreger wie Mycoplasmen, Chlamydien und Legionellen aktiv.

In klinischen Studien bei Patienten mit ambulant erworbenen Atemwegsinfektionen wie Pneumonie, akuter Exazerbation der chronischen Bronchitis und der akuten Sinusitis zeichnete sich die Behandlung mit Moxifloxacin im Vergleich zu Standardtherapien durch eine deutlich schnellere klinische Besserung aus. Der Vorteil wurde unter anderem in der MOSAIC-Studie (Moxifloxacin compared to Standard therapy in Acute Infectious exacerbation of Chronic bronchitis) belegt.

An dieser Studie nahmen insgesamt 1935 Patienten mit chronisch obstruktiver Bronchitis, einer Raucheranamnese mit mindestens 20 Packungsjahren und mindestens zwei akuten Exazerbationen der chronischen Atemwegserkrankung im Jahr vor Studienbeginn teil. 733 davon, die im ersten Jahr nach Studieneinschluss eine akute Exazerbation hatten, wurden randomisiert und erhielten entweder fünf Tage lang einmal täglich 400 mg Moxifloxacin oral oder eine bei dieser Indikation etablierte siebentägige Standardtherapie (3 x 500 mg/d Amoxicillin, 2 x 500 mg/d Clarithromycin oder 2 x 250 mg/d Cefuroxim). Sieben bis zehn Tage nach Therapieende waren 70,9% der Patienten der Moxifloxacin-Gruppe und 62,8% in der Standardtherapie-Gruppe klinisch geheilt. Die bakteriologisch ermittelten Erfolgsquoten betrugen 92% mit Moxifloxacin- und 81% mit einer Standardtherapie.

...und ambulant erworbener Pneumonie

In der CAPRIE-Studie (Community-Acquired Pneumonia Recovery in the Elderly) wurden 400 hospitalisierte, ältere Patienten mit gesicherter ambulant erworbener Pneumonie untersucht, die zu Beginn eine intravenöse Therapie benötigten. Das Durchschnittsalter lag bei 78 Jahren. Die Patienten erhielten randomisiert sieben bis 14 Tage einmal täglich 400 mg Moxifloxacin oder 500 mg Levofloxacin, zunächst intravenös und anschließend oral. Nach drei bis fünf Behandlungstagen hatte sich der Zustand von 98% der Patienten unter Moxifloxacin klinisch gebessert, aber nur bei 90% derjenigen, die Levofloxacin erhalten hatten. Auch bei der Heilungsrate schnitt Moxifloxacin mit 92% versus 88% besser ab. Noch deutlicher war der Vorsprung bei Patienten mit schwerer Pneumonie. Hier erzielte Moxifloxacin eine 10% höhere Heilungsrate (95%) als das Vergleichsantibiotikum (85%). Beide Antibiotika wurden insgesamt gut vertragen.

Stand der Zulassung in Deutschland

In Europa ist Moxifloxacin (Avalox® Infusionslösung) für die Behandlung der ambulant erworbenen Pneumonie und komplizierter Haut- und Weichgewebeinfektionen zugelassen, soweit sie durch Moxifloxacin-empfindliche Bakterien hervorgerufen sind und initial eine parenterale Therapie erfordern. Avalox® Tabletten sind für die ambulant erworbene Pneumonie (ausgenommen schwere Formen), die akute Exazerbation der chronischen Bronchitis und für die akute bakterielle Sinusitis zugelassen. Der Antrag auf Zulassung für die Behandlung komplizierter intraabdomineller Infektionen bei der europäischen Zulassungsbehörde ist geplant.

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