Fortbildungskongress

Ciprofloxacin wird zu häufig verordnet

Wenn es um die ambulante antibiotische Behandlung von Pneumonien geht, rangieren nach den Ausführungen von Prof. Dr. Joachim Lorenz, Lüdenscheid, die Verordnungszahlen von Ciprofloxacin unangefochten vor Doxycyclin und den Makroliden. Diese Verordnungspraxis fördere die Entwicklung von Resistenzen. Da je nach Alter und Vorliegen von Risikofaktoren ein anderes Erregerspektrum für die Pneumonie verantwortlich sein kann, ist ein differenziertes Vorgehen in der antibiotischen Therapie erforderlich.

Die ambulant erworbene Pneumonie ist Spitzenreiter der Indikationen, die zu Krankenhauseinweisungen führen. Gefährdet sind neben Säuglingen vor allem ältere Menschen. Zwei Drittel aller Patienten mit der Diagnose Pneumonie sind über 70 Jahre alt. Das hat die Bundesauswertung Pneumonie 2005 der Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung (BQS) ergeben. Die Mortalität ist in dieser Altersgruppe entsprechend hoch. Vor diesem Hintergrund verwundert es nicht, dass Infektionen der unteren Atemwege neben Herzkreislauf- und zerebrovaskulären Erkrankungen die Todesursachenstatistik anführen.

Wichtige Prognose­kriterien

Mit Hilfe der CRB65- bzw. CURB-Scores lassen sich Schweregrade mit prognostischer Aussagekraft definieren. Erfasst werden folgende Kriterien:

C = Confusion = Verwirrtheit ja/nein

U = Urinary = Serumharnstoff über 7 mmol/l

R = Respiratory = Atemfrequenz über 30/min

B = Blood Pressure = Blutdruck (RR kleiner 90/60 mmHg

65 = Lebensalter über 65 Jahre

Pro Kriterium wird ein Punkt vergeben, so dass Schweregrade von 0 bis 4 bei CRB65 bzw CURB erzielt werden. Die Einteilung in Schweregrade dient auch als Richtschnur in der Behandlung der ambulant erworbenen Pneumonie.

Junge Patienten werden anders behandelt als alte

Die junge Mutter, die sich bei ihrem Kind angesteckt hat (CURB = 0, keine Risikofaktoren), sollte ambulant zunächst mit Amoxicillin oder einem Makrolid oder Doxycyclin behandelt werden. In solchen leichten Fällen bei jungen Patienten kommen Streptococcus pneumoniae (Pneumokokken), Mycoplasma pneumoniae und Klebsiella pneumoniae als bakterielle Erreger in Frage. Liegen bei einem CURB-Score von 0 Risikofaktoren vor wie ein Alter über 65 oder eine Antibiotikavortherapie, dann sind mit Betalactamase-Inhibitoren kombinierte Penicilline oder die Chinolone Levo- oder Moxifloxacin indiziert. Denn bei diesen Patienten muss außer mit Pneumokokken auch mit H. influenzae, S. aureus, Enterobakterien und gegebenenfalls mit Pseudomonas aeruginosa gerechnet werden.

Problemantische Resistenzentwicklung

Betrachtet man die derzeitige Resistenzsituation, so ist auffallend, dass die Sensibilität der Pneumokokken gegenüber Ciprofloxacin unter 80% liegt, gegenüber Levo- und Mofloxacin dagegen noch über 90%. Die bei allen Schweregraden der ambulant erworbenen Pneumonie anzutreffenden Pneumokokken werden daher zunehmend schlechter mit Ciprofloxacin zu bekämpfen sein. Auch bei den Enterobakterien findet man aufgrund des häufigen Einsatzes von Fluorchinolonen bei Harnweginfektionen verstärkt Resistenzen sowohl gegen Ciprofloxacin als auch gegen Levo- und Mofloxacin. Besonders dramatisch wirkt sich die zunehmende Resistenzentwicklung von Pseudomonas aeruginosa gegenüber Fluorchinolonen aus. Nach den Ausführungen von Lorenz gehen aufgrund des Chinolon-Missbrauchs die einzigen oral anwendbaren Pseudomonasaktiven Antibiotika verloren.

Neue Antibiotika zielen in erster Linie auf multiresistente Erreger und damit auf schwere Infektionen. Dazu zählen Telavancin, Ceftobiprol, Doripenem, Linezolid, Tigecyclin und Daptomycin. Am vielversprechendsten ist nach Ansicht von Lorenz das Breitspektrum-Cephalosporin Ceftobiprol.


du


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