Apokix-Umfrage

Pharmazeutische Dienstleistungen – für viele ein Zuschussgeschäft

Berlin - 28.08.2023, 09:15 Uhr

Die Medikationsanalyse bietet knapp die Hälfte der Apokix-Teilnehmer:innen an. (Foto: ABDA) 

Die Medikationsanalyse bietet knapp die Hälfte der Apokix-Teilnehmer:innen an. (Foto: ABDA) 


Seit einem guten Jahr können Apotheken ihren Kunden und Kundinnen fünf honorierte pharmazeutische Dienstleistungen anbieten. Im Versorgungsalltag hat sich das neue Angebot jedoch noch nicht etabliert. Das zeigen die Ergebnisse der aktuellen Apokix-Umfrage. Den befragten Apothekenleiter:innen fehlen vor allem die Ressourcen – und auch die Nachfrage ist mau. Die wirtschaftliche Stimmung ist ohnehin im Keller.

Vor einem Jahr waren die pharmazeutischen Dienstleistungen schon einmal Gegenstand der allmonatlich vom Institut für Handelsforschung Köln durchgeführten Apokix-Umfrage. Damals waren sie gerade frisch eingeführt und 71 Prozent der Befragten sahen sie als einen „Meilenstein für die verbesserte Patientenversorgung“. Das tatsächliche Angebot war noch eher bescheiden, aber viele erklärten, zumindest einige der Dienstleistungen künftig anbieten zu wollen. Im August 2023 zeigt die jüngste Apokix-Umfrage: Es sind zwar schon mehr Apotheken dabei – aber es gibt auch etwas mehr, die erklären, künftig einige oder alle Dienstleistungen nicht anbieten zu wollen.

Auch bei der grundsätzlichen Bewertung der pharmazeutischen Dienstleistungen fällt das Urteil der Befragten heute nüchterner aus als vor einem Jahr: Aktuell beurteilen ihre Einführung 30 Prozent der 164 befragten Apothekeninhaber:innen als „sehr“ oder „eher“ positiv. 37 Prozent bezeichnen sich in dieser Frage selbst als zwiegespalten, 33 Prozent werten die Dienstleistungen „eher“ oder „sehr“ negativ. Vor einem Jahr waren es noch 40 Prozent, die das neue Angebot klar positiv beurteilten.

Die am häufigsten angebotene Dienstleistung ist nach wie vor die standardisierte Einweisung in die korrekte Arzneimittelanwendung und Üben der Inhalationstechnik (59 Prozent; August 2022: 46 Prozent). Weitere 20 Prozent planen, diese künftig anzubieten (August 2022: 41 Prozent). Auf Platz zwei folgt die standardisierte Risikoerfassung bei Bluthochdruck-Patient:innen, die von 50 Prozent der Befragten angeboten wird (August 2022: 39 Prozent). 27 Prozent wollen nachziehen (August 2022: 49 Prozent). 

Die erweiterte Medikationsberatung bei Polymedikation haben 46 Prozent im Angebot, 23 Prozent planen dies (August 2022: 37 bzw. 42 Prozent). Nach wie vor abgeschlagen sind die zwei sehr speziellen Dienstleistungen für Patienten unter oraler Antitumortherapie oder nach Organtransplantation. 10 bzw. 8 Prozent bieten diese pharmazeutische Betreuung an; 25 bzw. 17 Prozent planen dies. Für die übrigen Befragten kommen diese Angebote nicht in Betracht.

IFH Köln

Ebenfalls ernüchternd ist, was die Apokix-Teilnehmer:innen zur Kundennachfrage berichten: Am gefragtesten ist hier die Medikationsberatung bei Polymedikation (sehr hoch: 3 Prozent, hoch: 20 Prozent, niedrig: 42 Prozent, sehr niedrig: 28 Prozent, überhaupt keine Nachfrage: 8 Prozent). Bei der Blutdruckmessung gab nur 1 Prozent eine sehr hohe Nachfrage an, 10 Prozent eine hohe, 39 Prozent eine niedrige, die übrigen 60 Prozent eine sehr niedrige oder gar keine. Die Einweisung in die Inhalationstechnik ist bei 11 Prozent „hoch“ gefragt, bei 35 Prozent nur niedrig. 54 Prozent berichten von einer sehr niedrigen oder gar keiner Nachfrage. 6 Prozent gaben auch eine hohe Nachfrage nach pharmazeutischer Betreuung von Krebspatienten an.

Es fehlt an Zeit und Personal 

Gefragt nach den ausschlaggebenden Gründen, bestimmte Dienstleistungen nicht anzubieten, verwiesen denn auch 34 Prozent auf die unsichere Kundennachfrage. Viel entscheidender für das zögerliche Angebot sind aber andere Gründe: Bei 82 Prozent der Befragten mangelt es an Zeit und/oder Personal. 55 Prozent beklagen zu viel Bürokratie, 40 Prozent eine unzureichende Vergütung.

82 Prozent stimmten überdies der Aussage zu, dass die pharmazeutischen Dienstleistungen für sie aktuell ein Zuschussgeschäft seien. 51 Prozent hatten eine höhere Nachfrage erwartet. 95 Prozent finden, dass Patient:innen, für die die Dienstleistungen genau das richtige sind, oft nicht hinreichend über diese informiert seien. 

Es geht nur mit den Ärzten und Ärztinnen

Wie zwiegespalten die Apothekenleiter:innen sind, zeigt aber, dass dennoch 63 Prozent der Aussage zustimmen, die Anzahl der vergüteten Dienstleistungen sollte deutlich erhöht werden. Zudem wollen zwei Drittel den Austausch mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten zu den pharmazeutischen Dienstleistungen künftig (weiter) ausbauen. 77 Prozent stimmen der Aussage zu, dass das Angebot nur sinnvoll ist, wenn Apotheken und Ärzte eng zusammenarbeiten – allerdings erleben 69 Prozent hier eine zurückhaltende oder ablehnende Haltung der ärztlichen Kolleginnen und Kollegen. 24 Prozent berichten hingegen von einem sehr guten Austausch. Letztlich stimmten aber nur 40 Prozent der Aussage zu, dass sie in den pharmazeutischen Dienstleistungen großes Potenzial für die Zukunft ihrer Apotheke sehen.

Index zur aktuellen Geschäftslage auf dem Tiefpunkt

Was die allmonatlich abgefragte Stimmungslage betrifft, so bleibt diese düster. Der Index für die aktuelle Geschäftslage erreicht im August einen Wert von 53,7 Punkten – das sind 42,3 Punkte weniger als im Vorjahr. Bei einem Indexwert von 100 Punkten halten sich posi­tive und negative Einschätzungen die Waage. Doch derzeit bewerten nur 7 Prozent ihre Situation positiv, 57 Prozent sehen sie negativ. Noch schlechter steht es um die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate; hier liegt der Index bei nur 48,8 Punkten.

IFH Köln

Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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