Apokix 

Umfrage: HIV-Selbsttests gehören in die Apotheke!

Berlin - 03.09.2018, 07:00 Uhr

HIV-Selbsttests: Besser nur aus der Apotheke – finden die Apotheker. ( r / Foto: Imago)

HIV-Selbsttests: Besser nur aus der Apotheke – finden die Apotheker. ( r / Foto: Imago)


Das Bundesgesundheitsministerium will HIV-Selbsttests leichter zugänglich machen: Sie sollen künftig auch für Laien zu haben sein – und das nicht zwingend in der Apotheke. Das lehnt nicht nur die ABDA ab. Auch die Apotheker selbst halten nichts davon. Das zeigen die Ergebnisse der aktuellen Apokix-Umfrage.

Das Bundesgesundheitsministerium (BMG) plant eine Änderung der Medizinprodukte-Abgabeverordnung: HIV-Selbsttest sollen künftig nicht mehr nur an Fachkreise wie Ärzte oder Gesundheitseinrichtungen abgegeben werden dürfen – auch Laien sollen sie erwerben können. Eine Apothekenpflicht für diese Diagnostika sieht die Änderungsverordnung, die noch den Bundesrat passieren muss, allerdings nicht vor. Die ABDA hat dies bereits in einer Stellungnahme kritisiert und angeregt, die Selbsttests der Apothekenpflicht zu unterstellen. In einem Gastkommentar warnte auch BPhD-Präsident Max Willie Georgi davor, die Tests über das Internet zu verkaufen.

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Nun hat das IFH Köln das Thema in seiner allmonatlich unter Apothekenleitern durchgeführten Apokix-Umfrage aufgegriffen. Es zeigt sich: 80 Prozent der knapp 230 Befragten finden es grundsätzlich gut, wenn HIV-Tests leichter zugänglich gemacht werden, da so die Hürde zur Diagnosestellung abgebaut werde. 81 Prozent meinen, dass durch einen vereinfachten Zugang die Dunkelziffer der Infizierten ohne Kenntnis über ihre Erkrankung verringert werden kann und dadurch eine unbewusste Übertragung des Virus verhindert werden kann.

Die deutliche Mehrheit der befragten Apothekenleiter ist allerdings gegen den freien Verkauf im klassischen Einzelhandel. 93 Prozent sind der Meinung, dass die Apothekenpflicht bei HIV-Selbsttests unerlässlich ist, um eine angemessene Gesundheitsberatung rund um die Anwendung und die Folgen einer möglichen Diagnosestellung sicherzustellen. 97 Prozent befürchten, dass Patienten, die den Test im Einzelhandel kaufen, mit der Anwendung des Tests und den möglichen Folgen der Diagnose allein gelassen werden.



Kirsten Sucker-Sket (ks), Redakteurin Hauptstadtbüro
ksucker@daz.online


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Zufrieden mit dem Notdienstfonds

2 Kommentare

HIV Schnelltest

von Sven Larisch am 03.09.2018 um 8:38 Uhr

Wenn ich die Situation vergleichen möchte mit der "Pille danach" ergibt sich folgendes.
Überwiegend kommt die Nachfrage im Notdienst. Ich habe den Vorteil meine Kunden in der Apotheke zu beraten- was ich meinen Angestellten im Notdienst nicht erlauben würde.
Der Fragezettel des BAK ist hilfreich und in manchem Gespräch fungiert man auch als Seelsorger (kostenlose Beratung- wobei ich Kassenzettel von Kollegen gesehen habe mit 30 Euro Beratungspauschale). Nun also HIV Schnelltest .. für zu Hause .. sozzusagen HIV-Test "to-go"?.
24h in der Apotheke oder doch lieber online..warten bis er kommt und dann die HIV Hotline der Online Apotheke, wenn er positiv ist, anrufen .. so ganz persönlich .. am Telefon.. super (Ironie). Ich fühle mich durch meine Ausbildung nicht in der Lage jemanden aufzufangen, der gerade ein sch...... HIV Test Ergebnis bekommen hat. Kann der DM Verkäufer machen (Sarkasmus).

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Hemmschwelle

von Kritiker am 03.09.2018 um 7:54 Uhr

Einerseits kann ich hier wie im Fall Pille danach das Argument Hemmschwelle Apotheke zum Teil nachvollziehen.

Andererseits, können der Verkauf in Drogeriemärkten oder teilweise dubiosen Internetshops keine Alternative darstellen.

Der in den meisten Apotheken vorhandene Beratungsraum gewährleistet Diskretion im Gegensatz zur Öffentlichkeit des Drogeriemarkts und zur wahrscheinlichen Datenweitergabe dubioser Internetshops an die Werbewirtschaft.

Wie könnten denn seriöse Alternativen zur Apotheke gestaltet sein? Ich kann keine erkennen.

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