DAZ-Podcast Einfach erklärt – auf die Ohren

Nocebo: Nebenwirkungen aus der körpereigenen Apotheke

Berlin - 07.07.2022, 07:00 Uhr

Nocebo bedeutet, dass eine negative Erwartungshaltung unerwünschte Wirkungen erfahren lässt. (x / Foto: termis1983 / AdobeStock)

Nocebo bedeutet, dass eine negative Erwartungshaltung unerwünschte Wirkungen erfahren lässt. (x / Foto: termis1983 / AdobeStock)


Bei jeder Pharmakotherapie treten auch Placebo- und Nocebo-Effekte auf und lassen Patienten positive wie negative Wirkungen spüren. Letztere können der Grund dafür sein, weshalb sich Patienten entscheiden, auf eigene Faust ihre Arzneimittel abzusetzen. Wie wir dem im Beratungsgespräch vorbeugen, erklärt Placebo-Forscherin Ulrike Bingel im DAZ-Podcast „Einfach erklärt – auf die Ohren“.

Placebo- und Nocebo-Wirkungen scheinen mitunter magisch und etwas unwirklich. Unser Körper setzt allein durch eine Erwartungshaltung alle erdenklichen hormonellen Regelkreise in Gang: Seien es Cortisol, das Endocannabinoid-System, Dopamin, Enkephaline oder andere. 

Doch hinter jedem Placebo-Effekt lauert sein böser Zwillingsbruder, der Nocebo-Effekt. Und das nicht nur bei Scheinbehandlungen, sondern bei jeder medizinischen Maßnahme. Nocebo bedeutet, dass eine negative Erwartungshaltung die körpereigene Apotheke in Gang setzt, die uns unerwünschte Wirkungen erfahren lässt. 

Wie es dazu kommt und was die Forschung bisher weiß, berichtete Professor Ulrike Bingel in der zweiten Folge des DAZ-Podcasts „Einfach erklärt – auf die Ohren“. Bingel leitet in der Neurologie des Universitätsklinikums Essen die Schmerzambulanz. Im Jahr 2019 veröffentlichte sie zusammen mit Manfred Schedlowski das Buch „Placebo 2.0”, in der sie die Placebo-Forschung in Medizin, Sport, Bildung und Kunst zusammentragen. Bei Ihrer Forschung im „Bingel Laboratory” untersucht sie den Zusammenhang zwischen Schmerz und kognitiven Prozessen. 

Nocebo-Effekte im Beratungsgespräch

In der Apothekenberatung spielt der Nocebo-Effekt eine besondere Rolle. Denn einerseits müssen Apotheker:innen die Patienten über Nebenwirkungen aufklären, gleichzeitig wollen sie ihre Patienten nicht verunsichern. Wenn etwa Patienten in der Apotheke beim Einlösen einer Statin-Verordnung vor Muskelschmerzen gewarnt werden, steigt die Gefahr, dass Patienten diese auch erfahren werden und ihre Therapie beenden. Wie Apotheker:innen im Gespräch trotzdem Patienten für eine erfolgreiche Therapie motivieren, erklärt die Placebo-Forscherin Bingel.

Sie spricht auch darüber, welche Folgen ein Präparatewechsel für Patienten wegen eines neuen Rabattvertrags haben kann und warum wir in Zukunft unseren Fokus auch auf Wechselwirkungen zwischen pharmakologischen und Placebo-Wirkungen legen könnten.

Der Podcast erscheint jeden Monat parallel zur Artikel-Serie „Einfach erklärt“ in der Deutschen Apotheker Zeitung. Darin sprechen Christine Gitter und Marius Penzel mit Expert:innen über ein Thema aus der Apotheken-Beratung.


Deutsche Apotheker Zeitung
redaktion@daz.online


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