Schnell-Lieferdienste für Medikamente – Teil 4

First A – Die smarte Alternative?

München - 11.02.2022, 07:00 Uhr

Über eine App können First A-Kunden Arzneimittel und Schönheitsprodukte bestellen. (Screenshot: first-a.de/ DAZ)

Über eine App können First A-Kunden Arzneimittel und Schönheitsprodukte bestellen. (Screenshot: first-a.de/ DAZ)


Die Berliner Firma First A, die Anfang 2021 von den Geschwistern Antonie Nissen und Leif Löhde gegründet wurde und im September vergangenen Jahres ihren Betrieb aufnahm, positioniert sich als „smarte Alternative zu herkömmlichen und meist anonymen Online-Apotheken.“ 

Auf der Liste der verfügbaren Produkte von First A stehen die üblichen Artikel, die in den Bereich OTC sowie Pflege- und Schönheitsprodukte fallen: Pillen und Salben gegen Kopfschmerzen, Durchfall, Übelkeit, Kindererkrankungen oder Allergien. Einiges versucht das Berliner Start-up jedoch jugendlich-peppig zu vermarkten. So werden unter Rubriken wie „Netflix & Chill“ Kondome angeboten, offenbar in der Annahme, dass während oder nach dem gemeinsamen Anschauen eines Films der Sex folgt. Für Gruppen gibt es das „Party Pack“.

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Das Geschäft funktioniert bei First A ähnlich wie bei den Berliner Wettbewerbern Mayd und Kurando: Kunden laden sich eine App auf ihr Smartphone und bestellen darüber die entsprechenden Arzneimittel oder Schönheitsprodukte. Fahrradkuriere holen diese bei Partner-Apotheken ab und liefern die Produkte gegen eine Gebühr von 2,50 Euro (gratis Lieferung ab 30 Euro Bestellwert) zum Kunden – nach Firmenangaben innerhalb von 30 Minuten, jeweils zwischen 8 und 22 Uhr, auch am Wochenende. Aktuell können Kunden in Berlin, Köln, München, Düsseldorf und Frankfurt den Dienst in Anspruch nehmen.

Wie die anderen Start-ups auch arbeitet First A dabei mit lokalen und inhabergeführten Apotheken zusammen. Bei Fragen verknüpft First A die Kunden mit einem Apotheker.

Details über den Stand der Expansion wie auch die Finanzierung bleiben bei First A etwas im Dunkeln. Auf Anfrage der DAZ gibt das Unternehmen keine Auskunft. Nach früheren Angaben des Mediums Gründerszene konnte die Firma „einige szenebekannte Investoren“ für sich gewinnen, so die Gorillas-Gründer Jörg Kattner, Felix Chrobog und Ronny Shibley, aber auch die beiden Swoboda-Brüder Felix und Florian, die etwa das Fintech Barzahlen.de aufbauten. Laut First A-Gründerin Nissen kam in dieser Finanzierungsrunde ein „solider sechsstelliger Betrag“ zusammen. Operativ würden die Investoren nicht in das Geschäft einsteigen.

Nissen hat nach ihrer Ausbildung an der WHU Otto Beisheim School of Management kurze Stationen bei verschiedenen Finanzdiensleistern und Banken durchlaufen, ehe sie im Jahr 2020 das Start-up Mine mitgründete. Die Firma suggeriert Frauen durch die Einnahme von Trinkelixieren „Schönheit von innen“ – ganz neu ist das nicht. Nissens First A-Gründungspartner und Bruder Leif Löhde durchlief nach seiner betriebswirtschaftlichen Ausbildung ebenfalls mehrere kurzzeitige Stationen bei Banken, ehe er rund vier Jahre für JP Morgan tätig wurde.

In ihrer jüngsten Tätigkeit mussten die Beiden allerdings bereits einen Dämpfer hinnehmen: Im November 2021 wurde First A per einstweiliger Verfügung unter anderem untersagt, zu suggerieren, es handle sich um eine „lokale Apotheke“. So müssen die First A-Macher bei ihren ersten Gehversuchen lernen: Mögen die Marketingsprüche auch locker sein, der Wettbewerb ist knallhart.


Thorsten Schüller, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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