Antidepresssiva, Benzodiazepine und NSAR

Einsame Menschen nehmen mehr Arzneimittel

Stuttgart - 30.08.2021, 10:45 Uhr

Mit zunehmender Einsamkeit nahmen die Menschen mehr NSAR und nahezu eine doppelte Menge an Benzodiazepinen und Antidepressiva ein. (s / Foto: Antonioguillem / AdobeStock)

Mit zunehmender Einsamkeit nahmen die Menschen mehr NSAR und nahezu eine doppelte Menge an Benzodiazepinen und Antidepressiva ein. (s / Foto: Antonioguillem / AdobeStock)


Wie wirkt sich Einsamkeit auf den Arzneimittelgebrauch aus? In einer im „JAMA Internal Medicine“ veröffentlichten Studie stellten Wissenschaftler fest, dass vor allem sehr einsame Menschen eher zu NSAR greifen und sich Antidepresssiva, Benzodiazepine und auch Opioide verordnen lassen.

Wenn der Freundeskreis und die Familie langsam kleiner werden, fühlen sich viele alte Menschen einsam. Dabei sind auch körperliche und psychische Symptome wie Schmerzen, Schlaflosigkeit, Depressionen und Angst keine Seltenheit. Eine amerikanische Arbeitsgruppe hat im Rahmen des „National Social Life, Health and Aging Project“ ausgewertet, wie sich Einsamkeit auf den Gebrauch von Arzneimitteln auswirkt. Dabei haben die Wissenschaftler für die Querschnittsstudie die Daten von 6.017 Personen im durchschnittlichen Alter von 73 Jahren ausgewertet. Mittels Fragebogen wurde ermittelt, ob sie sich gering (53 Prozent), mittelgradig (40 Prozent) oder stark einsam (7 Prozent) fühlen. Veröffentlicht wurde die Untersuchung im Fachjournal „JAMA Internal Medicine“ unter „Use of High-risk Medications Among Lonely Older Adults: Results From a Nationally Representative Sample”.

Doppelte Menge an Benzodiazepinen

Es zeigte sich, dass die Betroffenen mit zunehmender Einsamkeit mehr NSAR (keine Einsamkeit: 14 Prozent, geringe Einsamkeit: 17 Prozent, starke Einsamkeit: 22 Prozent), und nahezu eine doppelte Menge an Benzodiazepinen (5 Prozent/ 7 Prozent/ 11 Prozent), Sedativa (9 Prozent/ 12 Prozent/ 20 Prozent) und Antidepressiva (14 Prozent/ 19 Prozent/ 27 Prozent) einnahm. Auch eine vermehrte Opioid-Anwendung (7 Prozent/ 7 Prozent/ 10 Prozent) konnte festgestellt werden, allerdings war diese nicht signifikant.

Soziale Intervention fördern

Da es sich gleichzeitig bei den betrachteten Wirkstoffen um Arzneistoffe der Beers-Liste handelt, empfehlen die Autoren, die Einsamkeitssymptome weniger medikamentös zu behandeln. Vielmehr sollten Betroffene durch soziale Interventionen stärker in die Gemeinschaft eingebunden werden.


Marina Buchheit, Apothekerin
redaktion@daz.online


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