Achtung CYP-Induktoren

Wenn der Rauchstopp gefährlich wird

Stuttgart - 10.01.2020, 17:45 Uhr

Mit dem Rauchen aufzuhören ist ohne Frage gesund, aber bei Einnahme von über CYP1A2 abgebauten Medikamenten können die Blutspiegel in gefährliche Höhen schnellen. ( r / Foto: Osterland/stock.adobe.com)

Mit dem Rauchen aufzuhören ist ohne Frage gesund, aber bei Einnahme von über CYP1A2 abgebauten Medikamenten können die Blutspiegel in gefährliche Höhen schnellen. ( r / Foto: Osterland/stock.adobe.com)


Welche Wirkstoffe sind kritisch?

Betroffen sind beispielsweise folgende Wirkstoffe, Unterschiede sind jeweils im Vergleich zu Nichtrauchern angegeben. (n. s., nicht signifikant).

WirkstoffeRauchstatus (Zigaretten/Tag)pharmakokinetische Änderung
Clozapinstarke Raucher (7 bis > 20)Serumspiegel um 50 Prozent reduziert, p = 0,058
Duloxetin?Serumspiegel um 53 Prozent reduziert, p < 0,05
   
Estradiolstarke Raucher (> 5)endogene Estradiol-Spiegel um 43 Prozent reduziert, p < 0,01
Mirtazapin?Serumspiegel um 41 Prozent reduziert, p < 0,03
Olanzapinleichte Raucher (1 bis 4)AUC0-120h um 45 Prozent reduziert, p < 0,05; Cmax um 26 Prozent reduziert, n. s.
 starke Raucher (> 5)AUC0-120h um 67 Prozent reduziert, p < 0,05; Cmax um 61 Prozent reduziert, p < 0,001
 starke Raucher (7 bis > 20)Serumspiegel um 67 Prozent reduziert, p < 0,01
Propranolol?Serumspiegel um 25 Prozent reduziert, p < 0,05
Theophyllin?Clearance um 58 bis 100 Prozent erhöht, Halbwertszeit um 63 Prozent reduziert
Verapamilstarke Raucher (> 5)Serumspiegel und AUC um 20 Prozent reduziert, p < 0,05
  Tabelle ursprünglich erschienen in DAZ 2020, Nr. 1/2

Bei den genannten Wirkstoffen kommen Raucher auf niedrigere Serumspiegel als Nichtraucher. Es gibt Hinweise darauf, dass sie zwar weniger Nebenwirkungen aufweisen. Das ist aber möglicherweise den subtherapeutischen Serumspiegeln geschuldet und somit ein zweifelhafter Vorteil. Hört der Patient jedoch zu Rauchen auf, können die Serumspiegel je nach Ausmaß der CYP-Induktion in toxische Bereiche kommen. Etwa drei Tage nach Rauchstopp klingt der Induktionseffekt ab. Es drohen vermehrt Nebenwirkungen oder gar Toxizität der Arzneistoffe.

Neue DAZ-Serie „Gecheckt“

In unserer neuen Serie „Gecheckt“ widmen wir uns klinisch relevanten Wechselwirkungen. Dazu nimmt Priv.-Doz. Dr. Stefan Oswald häufige Wirkstoffkombi­nationen unter die Lupe. Kern­element jeder Folge ist eine grafische Zusammenfassung der wesentlichen Punkte, die einen schnellen Überblick über Interaktionspartner, die Art der Interaktion, Risiken und mögliche Maßnahmen bietet.

Basis für diesen Artikel war der „Gecheckt“-Beitrag in der aktuellen DAZ.

 Nicotinersatzpräparate lösen das Problem nicht

Kommunizieren also betroffene Patienten in der Apotheke, dass sie planen mit dem Rauchen aufzuhören, sollte man sie unbedingt auf das Problem hinweisen und an ihren behandelnden Arzt verweisen, damit sie mit diesem gemeinsam das weitere Vorgehen festlegen, beispielsweise ein enges Monitoring. Nicotinersatzpräparate lösen das Problem übrigens nicht, denn Nicotin selbst hat keine enyzminduzierende Wirkung.



Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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