Resistenzen

Schweizer sollen ungenutzte Antibiotika zurückbringen

Remagen - 25.11.2019, 12:45 Uhr

Nicht gebrauchte Antibiotika können Schweizer derzeit zurück in die Apotheke bringen. (Screenshot Sensibilisierungskampagne Antibiotika 2019)

Nicht gebrauchte Antibiotika können Schweizer derzeit zurück in die Apotheke bringen. (Screenshot Sensibilisierungskampagne Antibiotika 2019)


Anlässlich der internationalen Antibiotika Awareness Woche der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die am gestrigen Sonntag endete, haben die Länder verschiedene Maßnahmen zur Bewusstseinsbildung bei den Gesundheitsberufen und in der Bevölkerung ergriffen. Die Schweizer haben sich etwas Besonderes einfallen lassen: eine zweiwöchige Rückgabeaktion für nicht gebrauchte Antibiotika in den Apotheken und bei den dispensierenden Ärzten.

Die Schweizer fahren seit dem Jahr 2015 eine eigene nationale Strategie, um die Wirksamkeit der Antibiotika für die Behandlung von Mensch und Tier nachhaltig sichern, die Strategie Antibiotikaresistenzen Schweiz (StAR). Sie beinhaltet die Förderung des sachgemäßen Umgangs mit Antibiotika, die Infektionsprävention in Krankenhäusern, die Überwachung von Resistenzen und des Antibiotikaverbrauchs, die Förderung der Forschung sowie die Wissensvermittlung und Sensibilisierung der breiten Öffentlichkeit. Wie das Bundesamt für Gesundheit mitteilt, zeigen sich seit der Lancierung der Strategie bereits erste Erfolge

Verschreibungsrichtlinien und Transparenz bei Resistenzen

So haben die zuständigen medizinischen Fachgesellschaften im Humanarzneimittelbereich einheitliche, schweizweit geltende Verschreibungsrichtlinien formuliert. Diese definieren, wann Antibiotika eingesetzt werden sollen und machen Angaben zur Wahl des geeigneten Antibiotikums inklusive der Dosierung und der Therapiedauer. Daneben liefert eine Online-Plattform den Ärzten einen Überblick über die aktuellsten regionalen Resistenzdaten.

In der Tiermedizin konnte die Menge der verkauften Antibiotika dank verschiedenster Maßnahmen in den letzten zehn Jahren um mehr als die Hälfte reduziert werden, berichtet das BAG weiter. Anfang 2019 wurde in der Schweiz ein nationales Informationssystem zur Erfassung von Antibiotikaverschreibungen (IS ABV) in der Tiermedizin eingeführt. Dieses gibt den Tierärzten und Tierhaltern Aufschluss über den Verbrauch von Antibiotika in der eigenen Praxis oder in der eigenen Nutztierhaltung.

Auch die Patienten sollen mitziehen

Mit einer besonderen Aktion werden diejenigen in die Pflicht genommen, die Antibiotika direkt an die Patienten abgeben, das heißt die Apotheken und die dispensierenden Ärzte. Sie sollen bereits seit dem 18. November 2019 und noch bis zum Monatsende nicht mehr benötigte Antibiotika zurücknehmen.

Die Aktion wird zusammen mit dem Apothekerverband PharmaSuisse, dem Ärzteverband FMH, der Zahnärzte-Gesellschaft SSO, der Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte GST und dem Bund umgesetzt. Damit soll erreicht werden, dass überzählige oder alte Antibiotika dorthin zurückkommen, wo sie bezogen wurden. Auch die Patienten leisten mit der Rückgabe einen Beitrag zum achtsamen Umgang mit Antibiotika. Zum einen verhindern sie damit, dass die Präparate nicht für andere Erkrankungen und von anderen Personen verwendet werden, und zum anderen, dass sie im Hausmüll oder im Abwasser landen und so die Umwelt belasten.


Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


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