Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

12.05.2019, 08:00 Uhr

Kein Rx-Versandverbot, ein wackeliges Rx-Boni-Verbot im Sozialgesetzbuch – unsere Standesvertreter werfen das Handtuch. – und freuen sich über Dienstleistungen... (Foto: Andi Dalferth)

Kein Rx-Versandverbot, ein wackeliges Rx-Boni-Verbot im Sozialgesetzbuch – unsere Standesvertreter werfen das Handtuch. – und freuen sich über Dienstleistungen... (Foto: Andi Dalferth)


Noch vor Kurzem beschworen uns Juristen, dafür zu kämpfen, dass das Rx-Boni-Verbot im AMG nicht gestrichen wird. Jetzt kommen die Gesundheitspolitiker und meinen: weg damit. Die einzige Chance für die Gleichpreisigkeit sei, das Rx-Boni-Verbot ins Sozialgesetzbuch zu nehmen. Und was tun jetzt unsere Standesvertreter? Ernüchtert brechen sie zusammen: Kein Rx-Versandverbot, ein unsicheres Rx-Boni-Verbot im SGB V und freie Preise für PKV-Versicherte. Aber sie jubeln für Dienstleistungen, die wir noch nicht kennen. Dem Kammerpräsidenten von Nordrhein ist das zu viel: Rücktritt der ABDA-Spitze, fordert er. Und während der Apothekerverband seine „Volks-App“ fürs E-Rezept ankündigt, erklärt Spahn auf Facebook die Gleichpreisigkeit. Das ist die schöne neue Apowelt. 

6. Mai 2019

Wie zu erwarten, wenn Apotheken ein paar Cent mehr bekommen sollen: Es gibt Gegenwind – nicht nur vom Koalitionspartner SPD, sondern aus Spahns eigenen Ministerreihen. Wirtschaftsminister Altmeier scheint was gegen das Apotheken-Stärkungsgesetz zu haben, Bayerns Gesundheitsministerin Huml hatte dies durchblicken lassen. Was genau dem Wirtschaftsminister missfällt, sickerte noch nicht durch. Mein liebes Tagebuch, vielleicht stört sich Altmeier an der  geplanten Verankerung des Rx-Boni-Verbots im SBG V? Vielleicht sind es auch die paar Cents für den Nachtdienstfonds und die BtM-Doku? Oder erinnert sich das Wirtschaftsministerium gar an das vermaledeite Wirtschaftsgutachten, das eine Absenkung des Fixhonorars auf 5,84 Euro fordert? Das kann noch heiter werden. 

7. Mai 2019

Die „Basisapotheker“, eine Fraktion der Delegiertenversammlung der Apothekerkammer Westfalen-Lippe, sie lassen nicht locker: Sie wollen von ihrer Kammerführung dezidiert wissen, warum eine Zweigapotheke des früheren Kammerpräsidenten Friese seit 1979 und bis heute keinen Notdienst macht und ob überhaupt diese Zweigapotheke so lange Zeit diesen Status zu Recht innehatte. Die Basisapotheker sprechen dabei vom Tatbestand der „Verschleierung“. Zwar murmelte die Kammer bereits eine Entschuldigung, sprach von einem Fehler, von Versehen und Übersehen, aber damit ist es für die Basisapotheker nicht getan, sie wollen’s genau wissen und legten „Aufsichtsbeschwerde“ beim Landesministerium gegen die Kammerspitze, den Vorstand, und die hauptamtliche Geschäftsführung der Kammer ein. Mein liebes Tagebuch, man darf gespannt sein, was da zutage kommt. 


Unsere lieben Ärztefunktionäre fahren uns mal wieder kräftig an den Karren: Dass sie in ihrer Stellungnahme zum Apotheken-Stärkungsgesetz strikt gegen den Modellversuch für impfende Apotheker sind und auch von Wiederholungsrezepten nichts halten – geschenkt, das war zu erwarten. Aber damit nicht genug. Sie stoßen sich auch daran, dass wir honorierte Dienstleistungen erbringen sollen: Das ginge ihrer Meinung nach allenfalls nur in abgestimmten strukturierten Betreuungs- und Kommunikationsprozessen mit einer klaren Aufgabenteilung. Und außerdem: Da die Apothekers selbst keine Therapieänderungen vornehmen könnten, sehen die lieben Dokters auch die Medikationsanalyse kritisch. Mein liebes Tagebuch, das ist der größte Quatsch, den ich seit langem vernommen habe. Wer wenn nicht wir Apothekers schauen den Ärzten mal kritisch auf die Finger und auf das, was ihnen aus der Feder quillt! Untersuchungen haben bereits gezeigt, dass wir Apothekers enorm viel zum Wohl der Patienten retten können, wenn wir die Verordnungen mit pharmazeutischem Sachverstand analysieren. Erst durch unsere Hinweise an die Verordner wird aus einer Therapie eine echte und sichere Arzneitherapie. Die Ärztefunktionäre halten natürlich auch nichts von ein paar Cent mehr für uns. Wegen des Zuschlags aufs Packungshonorar zittern sie schon vor einer damit verbundenen Erhöhung ihres  Regressbetrags. Mein liebes Tagebuch, das Konkurrenzdenken ist echt kleinkariert, aber irgendwie müssen wir miteinander auskommen. 


Suuuuper, unsere ABDA will mehr Geld von uns, für den Inflationsausgleich! Das steht zumindest im Haushaltsentwurf für 2020, der eine Erhöhung von etwa 810.000 Euro im Vergleich zum letzten Haushalt vorsieht. Das ist Spitze, oder? Ein Großteil dieses Betrages soll zwar über Einnahmen aus der Vermögensverwaltung fließen (etwa 500.000 Euro), die Beiträge von Seiten der Kammern sollen aber um rund 310.000 Euro steigen. Insgesamt sollen ABDA-Mitgliedsorganisationen dann rund 17,7 Mio. Euro in die ABDA-Schatulle legen. Der größte Posten sind Ausgaben fürs Personal, also für die Löhne der Hauptamtlichen und die Entschädigungen und Reisekosten für die Ehrenamtlichen. Und, mein liebes Tagebuch, die Personalkosten dürften wohl weiter steigen: drei Stellen sollen bereits geplant sein, außerdem sollen zwei „IT-Architekten“ eingestellt werden – man wird sie dringend brauchen, um die IT-Strukturen fürs E-Rezept aufzustellen. Die Diskussionen um den Haushaltsentwurf versprechen mit Sicherheit, „lustig“ zu werden. Man wird über das Verhältnis von Beiträgen und Leistung sprechen, man wird wohl wieder Begriffe wie ABDA-Würgeschlange und ähnliches hören, man wird nach der im letzten Jahr vom ABDA-Präsidenten Schmidt angekündigten Phase der Konsolidierung fragen. Und am Ende werden alle die Hand heben und die Erhöhung durchwinken. Oder?

8. Mai 2019

Immerhin, ein bisschen scheint die ABDA zu erkennen, dass sich die Geldzuflüsse der Mitgliedsunternehmen nicht beliebig steigern lassen. So soll das Budget, der PR- und Öffentlichkeitsarbeit nur moderat erhöht werden um 75.000 Euro. Ingesamt stehen für die Öffentlichkeitsarbeit dann 3,82 Mio. Euro zur Verfügung. Der Fokus soll aber auf der Unterstützung der Vor-Ort-Apotheken liegen, da diese im Wettbewerb mit dem Online-Versandhandel bestehen müssen. Mein liebes Tagebuch, wie wahr! Wir sind gespannt, was sich die PR-Agentur da einfallen lässt. Die dafür notwendigen Euro sollen durch Umschichtungen in der ABDA-PR-Abteilung generiert werden. Bei Veranstaltungen will die ABDA nun sparen: Schluss mit dem aufwändigen ABDA-Stand auf der Expopharm und anderen  Veranstaltungen, Schluss mit Kooperationen wie beispielsweise mit dem Behindertensportverband oder mit der Kindernothilfe. Mein liebes Tagebuch, mag sein, dass dies ein paar Euro einbringt. Wir schauen auf alle Fälle schon mal genau hin – auf die anstehende Einweihung des neuen ABDA-Sitzes in Berlin. 


Die Patienten-Apps von Apothekerorganisationen sind bereits am Start. Noweda/Burda und „Pro Avo“ unter der Ägide des Wort und Bild-Verlags werben bereits um Kunden. Nun zieht auch der Deutsche Apothekerverband (DAV) nach und trommelt für seine „offizielle App für einen staatlichen Auftrag“. Es soll nämlich nicht nur eine Vorbestell-App werden, sondern die „offizielle“ App fürs E-Rezept. Es soll die App werden, mit der die Patienten ihre E-Rezepte austauschen und verwalten, schlicht und einfach: die neutrale Volks-App fürs E-Rezept. Dabei ist sie genau genommen keine App wie die anderen. Man wird sie nicht in einem App-Store herunterladen und installieren müssen, sie ist vielmehr eine Art Website, die über den Browser aufgerufen wird. Mein liebes Tagebuch, und das Schönste: Jede Apotheke kann dabei sein – „auch europäische Versender, die an das deutsche System angebunden sind, werden die Möglichkeit haben, sich in der App zu registrieren, um von Patienten gesucht, gefunden und kontaktiert werden zu können“, heißt es im O-Ton auf der DAV-App-Seite. Wie schön, da freuen wir uns schon, wenn unsere Patienten über die DAV-App ihre Rezepte in die Niederlande schicken. Ab Juni 2020 soll das E-Rezept, so der DAV, Schritt für Schritt umgesetzt werden. Ach ja, noch was: Die DAV-App wird dann mit Sicherheit nicht die einzige E-Rezept-App sein, die anderen Anbieter werden ihre Apps aufrüsten. 


Auch auf dem Wirtschaftsforum des Deutschen Apothekerverbands (DAV) war es eines der Hauptthemen: das Apotheken-Stärkungsgesetz. Kein Wunder, die Diskussionen darüber, wie man damit umgehen soll, was man fordern und was man akzeptieren kann, wer woran Schuld hat, gehen wild durcheinander. DAV-Chef Becker stellt auf alle Fälle mal klar: Es war nicht die ABDA, die das Rx-Versandverbot hat fallen lassen. Nein, es waren und sind die Gesundheitspolitiker, die das Rx-Versandverbot nicht mehr mit vollem Herzblut unterstützen. Und wenn die nicht dahinter stehen, dann werden sie es auch nicht vor dem EuGH verteidigen, meint der DAV. Und außerdem, Spahn will es sowieso nicht und damit ist das RxVV ein „aussichtsloses Unterfangen“. Punkt. Mein liebes Tagebuch, so kann man’s auch sehen, wenn man müde ist. Nach Kampf und vollem Einsatz sieht das nicht gerade aus, eher nach Achselzucken, „s’isch halt so“. Auf der anderen Seite werden die Dienstleistungen von unserer ABDA geradezu vergöttert und hochgejubelt. Mein liebes Tagebuch man hat den Eindruck, diese Dienstleistungen sind wie eine Möhre, die man uns Apotheker-Esel vors Maul hält. Die ABDA sieht in den Dienstleistungen die Chance zur Abgrenzung vom Versandhandel, bürgernah und individuell, eine Chance, die wohl nicht so schnell wiederkomme. Mag sein, mein liebes Tagebuch, aber erstens kosten uns Dienstleistungen, wenn sie denn kommen, vermutlich richtig Zeit und Geld. Und, zweitens, bis heute wissen wir noch gar nicht, um welche Dienstleistungen es sich genau handelt. Und wieviel sie an Ertrag einbringen, steht auch in den Sternen. Also, den Hype um die ungelegten Eier sollte man erst mal ruhiger betrachten. Für die ABDA sind die in Aussicht gestellten Dienstleistungen jedenfalls der Grund, warum man überhaupt noch mit Spahn redet. Und zum Thema Gleichpreisigkeit: Sie soll bekanntlich dadurch erreicht werden, dass ein Rx-Boni-Verbot im SGB V verankert wird, was zudem europarechtlich sicherer sein soll als im Arzneimittelgesetz. Die Privatpatienten werden davon allerdings nicht erfasst. Und damit ist, mein liebes Tagebuch, die partielle Gleichpreisigkeit nur für die GKV-Versicherten also eine äußerst wackelige Kiste, die wohl über kurz oder lang einbrechen wird. 


Mein liebes Tagebuch, noch in der vergangenen Woche haben uns Rechtsexperten ins Gewissen geredet und davor gewarnt: Wir sollten alles dafür tun, dass das Rx-Boni-Verbot nicht aus dem § 78 – wie von Spahn gewollt – gestrichen wird. Dieser Passus im AMG sei noch die einzige Chance für uns, vor dem EuGH zu klagen und für ein Rx-Versandverbot zu kämpfen, wenn alle Stricke reißen. Doch auf dem DAV-Wirtschaftsforum werben nun die Gesundheitspolitiker Hennrich (CDU) und Franke (SPD) vehement dafür, den Passus aus dem AMG zu streichen und das Rx-Boni-Verbot inm SGB V zu verankern. Laut Hennrich wäre es nämlich eine Steilvorlage für den EuGH, wenn das Rx-Boni-Verbot weiterhin im AMG bliebe. Was nun, mein liebes Tagebuch, wer hat Recht? Bei unseren beiden ABDA-Spitzen Becker und Kiefer macht sich Ernüchterung breit. Verdutzte Gesichter. Was nun? Die letzte Hoffnungswunsch der beiden: Liebe Politiker, dann sorgt wenigstens dafür, dass die Rx-Preisbindung für den GKV-Bereich rechtssicher im SGB V verankert wird. Was haben die Politiker wohl dabei gedacht? Vielleicht: Na klar, liebe Apothekers, versprochen, machen wir, rechtssicher, haha. 


Hat die Berliner Apothekerkammer bald eine neue Präsidentin? Da tut sich was, mein liebes Tagebuch. Auf der konstituierenden Delegiertenversammlung wurde die Listenführerin der „Allianz Aller Apotheker“, Dr. Kerstin Kemmritz“, mit knapper Mehrheit gewählt. Bei der Besetzung der übrigen Vorstandsmitglieder kam es allerdings zu einer Patt-Situation. Auf der nächsten Sitzung am 21. Mai soll dann die Entscheidung fallen, wie sich der Vorstand zusammensetzen wird.

9. Mai 2019

Nordrheins Kammerpräsident Lutz Engelen spricht aus, was viele denken: Gibt die ABDA zu leichtfertig auf? Engelen fordert den Rücktritt der ABDA-Spitze, den Rücktritt von Schmidt und Becker. Engelen ist stinkesauer, die ABDA habe zu viele Fehler gemacht, sagt er im DAZonline-Interview, da helfe nur noch ein Wechsel an der ABDA-Spitze. Er wirft Schmidt und Becker drei Fehler vor. Fehler eins: Schmidt habe sich nach der ersten Pressekonferenz im Dezember letzten Jahres nicht deutlich gegen den Vorschlag von Jens Spahn gewehrt, ausländische Versender dürften bis maximal 2,50 Euro Boni geben. Fehler zwei: Die ABDA habe nur auf Druck von 18 Mitgliedsorganisationen zur außerordentlichen Mitgliederversammlung eingeladen, um die Stellungnahme zum Referentenentwurf zu diskutieren. Die ABDA hätte von sich aus einladen müssen! Und Fehler drei: DAV-Chef Becker habe auf dem Wirtschaftsforum durchblicken lassen, das Handtuch zu werfen und sich schon mit der Streichung des Rx-Boni-Verbots im AMG (§ 78) abzufinden, da es kaum noch Hoffnung gebe, den Passus zu retten. Dabei habe die ABDA-Mitgliederversammlung doch beschlossen, dass der feste Arzneimittelpreis unerlässlich sei. Und in der Öffentlichkeitsarbeit seien, so Engelen, ebenfalls massive Fehler gemacht. Man hätte die Bevölkerung mobilisieren können. Mein liebes Tagebuch, da rumort es gewaltig. Man kann in der Tat über einen Austausch der Spitze nachdenken, doch ehrlich gesagt, wo sind die wirklich bissigen kämpferischen Nachfolger? Engelen nennt hier keine Namen. Und er selbst, ja, er ist nur noch wenige Wochen Kammerpräsident, dann tritt er nicht mehr an. 


Was hatte sich der Deutsche Apothekerverband (DAV) dabei gedacht, den Digitalisierungschef des BMG, Dr. Gottfried Ludewig, zum Wirtschaftsforum einzuladen, um sich von ihm seine Vision der Apothekenrolle in der digitalen Gesundheitsversorgung erzählen zu lassen? Wir wissen es nicht, vielleicht wusste der DAV auch nicht, welch naiv-digitalgäubiger BMG-Beamter da antritt. Der Abteilungsleiter aus dem Hause Spahn prophezeite, dass die Apotheke, wie sie sich heute zeigt, in zehn Jahren „eine Illusion“ sei. Oh mein Gott, wie naiv. Das schafft doch keine App und keine Digitalisierung. Wenn die Apotheke in zehn Jahren anders aussieht, dann nur, weil uns sein Dienstherr in einen desaströsen und unfairen Wettbewerb mit den ausländischen Versendern schickt und weil wir dann in Deutschland keine Gleichpreisigkeit für verschreibungspflichtige Arzneimittel mehr haben. Aber nicht wegen ein paar Apps und digitalen Gimmicks.  


Tiefststand der Apothekenzahl zum 31. März 2019: nur noch 19.337 Betriebsstätten. „Wenn nichts passiert“, meinte die ABDA-Geschäftsführerin Ökonomie, Claudia Korf, auf dem Wirtschaftsforum,  „geht es so weiter, aber beschleunigt.“ Mein liebes Tagebuch, es wird etwas passieren – unsere Apothekenzahl wird allerdings noch schneller auf Talfahrt gehen – wenn nämlich die Spahnschen Pläne umgesetzt werden, wenn die Gleichpreisigkeit nur noch ein SGB V-Feigenblatt ist, das dann rascher fällt als uns allen lieb ist. „Für die Apotheker könnte der Entwurf des Gesetzes zur Stärkung der Vor-Ort-Apotheken Götterdämmerung oder Abendsonne bedeuten“, fügte Korf hinzu. Mein liebes Tagebuch, ja, gute Formulierung: Beides klingt irgendwie verdammt nach Untergang, oder? Und das Betriebsergebnis zeigt schon seit Jahren einen Abwärtstrend. 

10. Mai 2019

Unser Bundesgesundheitsminister erklärt wieder einmal tiefenentspannt auf Facebook seine Vorstellung von der Apothekenwelt: Die Gleichpreisigkeit sei sein Ziel, er möchte sie wieder herstellen, europarechtlich und auch politisch mehrheitsfähig. Und das passiere, „indem wir es im Sozialrecht regeln, also in einem Bereich, der eben nicht einer ist, wo Europa mitreden kann“, ist sich der Minister sicher. Mein liebes Tagebuch, das wird man noch sehen, ob das so kommt. Denn Juristen sind sich da wohl nicht so sicher. Und dass die PKV-Versicherten mit dieser Regelung nicht erfasst werden, das lässt Spahn geflissentlich unter den Tisch fallen. Mein liebes Tagebuch, der PKV-Verband meldet sich unterdessen schon zu Wort und warnt vor möglichen Folgen. Die Apotheken könnten z. B. die Arzneimittelpreise für die PKV teurer machen. Und der Herstellerrabatt könnte für die PKV wegfallen. Mein liebes Tagebuch, da liegt Zündstoff in der Luft. Also, es ist nicht trivial, wenn die Gleichpreisigkeit für die PKV-Versicherung wegfällt. Aber dem Bundesgesundheitsminister ist das keine Silbe wert. 


Mein liebes Tagebuch, kriegen wir die Importförderklausel noch weg? Die Zeit drängt! Das Gesetz für mehr Sicherheit in der Arzneimittelversorgung (GSAV) soll Anfang Juni vom Bundestag beschlossen werden. Vier namhafte Gegner, nämlich Hermann (AOK-Chef in Baden-Württemberg), Becker (DAV-Chef), Metke (KV-Chef in Baden-Württemberg) und Ludwig (Vorsitzender der Arzneimittelkommission der Ärzt) haben sich zusammengesetzt und einen Brandbrief an die Bundestagsabgeordneten geschrieben. Sie weisen eindringlich auf die Gefahren und Sicherheitsrisiken hin, die von den Importen und damit von der Förderklausel ausgehen. Mein liebes Tagebuch, hoffen wir, dass die Abgeordneten das ähnlich sehen.  



Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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26 Kommentare

Offene Fragen

von Reinhard Rodiger am 12.05.2019 um 14:35 Uhr

"Zu welchem Zweck gibt es Apotheken und Apotheker überhaupt in ihrer heutigen Form heute noch? "


Apotheken bzw Apotheker sind in erster Linie Instanzen zur Begrenzung des Verbraucher/Patientenrisikos.

Die Versorgung kann heute weitgehend automatisiert werden und zukünftig noch mehr.Selbst Arztersatz ist unterwegs.Eine Abschätzung des verbleibenden Risikos wurde bisher nicht gegeben.Vielmehr wird die Verantwortung vermehrt an den mündigen Patienten weitergegeben.Da es nur ganz wenige davon gibt, ist das fahrlässig.

Es geht also darum, abzuschätzen, wie gross das Risiko sein soll, dem Verbraucher/Patienten ausgesetzt werden.Das ist wie beim Fische fangen. Je dichter das Netz, desto vollständiger wird abgefangen. Rein versorgungstechnisch ist das automatisierbar, offen bleibt das Restrisiko .Das ist die politische Kernentscheidung zu der mir keine Daten bekannt sind.Nun ist eins klar: Je kleiner anteilig das Restrisiko, desto aufwendiger seine Vermeidung/Begrenzung.Das gilt besonders bei neuartigen , bisher nicht routinemässig erfassbaren Fehler-risiken.

Bislang haben Apotheken diese Aufgabe erfüllt.Ihre Zahl soll durch finanzielles Ausbluten um etwa 60% verringert werden.Ohne jedoch die dadurch bedingte Erhöhung des Restrisikos zu kennen.Das ist in Kauf genommener Kollateralschaden.Seine Grösse wird die Folgekosten gegebenenfalls extrem steigern.

Wird ein bekanntes System durch ein anderes ersetzt, sollte dessen Risiko/Fehlerquote bekannt sein und die Kosten zur Beherrschung. Apotheken in der heutigen Form sind berechenbar und ohne komplexere Strukturen ausgesprochen preiswert, jedoch politisch gewollt und selbstinduziert gelähmt.
Verantwortungsvolle Selbstausbeutung ist kein Dauerzustand.

DIE ENTSCHEIDENDE OFFENE FRAGE IST:

WIEVIEL RESTRISIKO WIRD POLITISCH IN KAUF GENOMMEN UND WAS KOSTET DAS.

Vorbilder zur Auswirkung von Automatisierung, neuen Fehlerarten durch eprescribing, zunehmender Arbeitsverdichtung, beschleunigter KK-Erpressung und systemischer Unterfinanzierung gibt es. Sie werden nur nicht berücksichtigt.Ihre Unterschlagung wird genauso zum Totschlagargument wie der stete Zweifel an der Kompetenz.
Das billigste aller Argumente, die Eignung in Frage zu stellen, um sie dann undefinierten Mächten auszuliefern.

Der wichtigste Ansatz zur Problemlösung ist die Rückbesinnung auf die realen Risiken , deren Erfassung und ihre Vergrösserungstendenz. Bislang weisen alle Informationen zur Automatisierung auf die verbleibende Notwendigkeit menschlicher Umsicht. Letzlich also ist nicht die Form entscheidend wo sie ausgeübt wird, sondern ob sie überhaupt noch politisch für notwendig erachtet wird. Hierzu ist ausser Abschaffungswillen zugunsten von Kapitalinteressen nichts bekannt.

Ohne Beantwortung der Frage nach der tolerierten Risikogrösse , dem Ausmass des Verbraucherschutzes und den Kosten , ist die Frage nach der Art der Lösung eigentlich nicht zu zu definieren.





» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

ABDA-Präsidentin

von Dr. Radman am 12.05.2019 um 11:56 Uhr

Vorschlag. Eine Frau an der Spitze wäre Hilfsreich. Ich schlage Frau Gabriele Overwiening als ABDA-Präsidentin vor.

» Auf diesen Kommentar antworten | 3 Antworten

AW: Korrektur

von Dr. Radman am 12.05.2019 um 12:03 Uhr

Korrektur: hilfreich. Im Text selbst kann man leider nichts mehr verändern.

AW: ABDA-Präsidentin ... bitte noch vor der Sommerpause ...

von Christian Timme am 12.05.2019 um 12:24 Uhr

Damit wäre endlich diese Diskussion der "Nicht-Cojones-Träger" beendet ... und Herr J€ns $pahn müßte auf die ... "eigenen" achten ...

AW: Over the Rainbow

von Dr Schweikert-Wehner am 12.05.2019 um 13:22 Uhr

Immerhin die Montgomery-Überheblichkeit bringt sie schon mal mit...

Ärztefunktionäre

von Thomas Kerlag am 12.05.2019 um 11:36 Uhr

Abda Definition: Medikationsmanagement mit den Ärzten zusammen, die Analyse kann der Apotheker alleine machen
Junge Apotheker beschweren sich über die Blockadepolitik, weil sie im Studium die Analyse trainieren.
Und die Ärzte?
Es kann nicht sein, dass sich ein Berufsstand vor die Politik stellt und so tut, als ob er das wissenschaftliche und naturwissenschaftliche Wissen alleine gepachtet hätte.

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Ärztefunktionäre ... oder „Kompetenzspielchen“ über Patient?

von Christian Timme am 12.05.2019 um 19:48 Uhr

Bluffer und Nicht-Pharmazeut erlaubt sich eine Frage zu stellen: Arzt führt Gespräch mit Patient, untersucht, analysiert, überprüft über Internetverbindung etc. und stellt Rezept aus. Apotheker analysiert Wirkstoffe, Kombinationen, Interaktionen, Dosierung, voraussichtliche Auswirkungen etc., ruft ev. den Arzt an ... oder auch nicht ... Zwischenergebnis : „Informationsaustausch“ hat teilweise oder ... stattgefunden, Arzt widerruft Rezept oder auch nicht ... Wird das neben verschiedenen Lösungsmöglichkeiten zu einer Verbesserung der Therapie führen oder nur zeigen, die zeitliche Abfolge stimmt nicht, Arzt empfindet das als Einmischung in seinen Kompetenzbereich, Apotheker fühlt sich „übergangen“ ... Patient wechselt Arzt und (oder nur) Apotheke? Lassen Sie sich Zeit ...

Mein Tagebuch

von Hans-Joachim Krüger am 12.05.2019 um 11:03 Uhr

Es ist doch schön zu sehen wie unser Doc-Morris Knecht Spahn das Rx-Versandverbot versenkt hat.Scheinbar ist ihm die Gesundheit der Bevölkerung weniger wichtig als dem EUGH die Versorgung der Nutztiere mit RX-Medikamenten.Siehe Brgründung zum RX-Versandverbot vom November 2018.So langsam schleicht sich der Verdacht ein,dass unsere gesamte Standesvertretung auf der Lohnliste von Walter Oberhänsli (CEO von DOc-Morris) steht.Wie sondt lässt es sich erklären,dass Herr Becker die Spahnschen als Erfolg hochjuibelt. Apotheker soll die Impferlaubniss erteilt werden .Super! besser kann man einen Keil zwischen Ärzte und Apotheker nicht treiben.Nächstes Beispiel das elektronische Rezept; laut DPA-Meldung freut sich Herr Oberhänsli bereits auf eine Steigerung des RX-Versand von derzeit 1.9 auf 10%.Ausserdem verspricht er seinen Shareholdern für die nahe Zukunft fette Renditen.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Es gibt auch drängendere Fragen

von Apotheker08 am 12.05.2019 um 10:49 Uhr

Eine Standesvertretung ist nunmal nur so stark wie der Berufsstand, den sie vertritt. Ich denke, im Grunde geht es einem Teil der Politik ähnlich wie der Bevölkerung: zu welchem Zweck gibt es Apotheken und Apotheker überhaupt in ihrer heutigen Form heute noch?

1) Versorgung kann grundsätzlich auch anders organisiert werden, hierzu gibt und wird es in Zukunft mehr Alternativen geben (Abgabeautomaten, OTC in Drogerien, Drohnenlieferung, Amazon&Pill Pack usw.). Alles bereits erprobte oder in Erprobung befindliche Konzepte. Dies geschieht aber nicht durch Apotheker selbst (die sind selten Gründer und Entwickler) sondern kommt von außen. Auf Hüffenhardt hätten wir auch mal selber in einer rechtskonformeren Variante kommen können (als irgendwelche Briefkästen in der Landschaft aufzustellen)

2) e-rezept und Künstliche Intelligenz gekoppelt mit Automatisierung wird kommen bzw. gibt es schon

3) die Therapien an sich und Therapiekonzepte werden immer komplexer. Ob die Versorgung mit solch teuren Medikamenten noch durch Apotheken durchzuführen ist, wird fraglich bleiben

4) die "Beratung" ist wichtig, na klar. Aber mal ehrlich, das Wissen aus dem Pharmaziestudium/ der PTA Ausbildung ist doch für die heutige Komplexität vollkommen unzureichend

5) die "menschliche Komponente" ist das schwächste Argument und obendrein das, worin sich die Selbstwahrnehmung der Apotheker am meisten verzerrt. Wo eher mit Anekdoten argumentiert wird und Evidenz keine Rolle spielt. Fördern wir Adhärenz zu einer Therapie wirklich? Hat Beratung einen messbaren Outcome? Solche Daten existieren nur für kleine Studien, nicht aber für die real world.

6) all das ist kein exklusives deutsches Problem, sondern eine weltweite Diskussion und die Antwort der Gesundheitssystem über die zukünftige Rolle der Apotheken sehr unterschiedlich. Wo aber andere Apothekerorganisationen und Verbände Konzepte entwickeln und aktiv Lösungen für Probleme anbieten, kommt weder von den Universitäten noch von der BAK viel zu dem Thema.

Das wären alles drängende Fragen, welche bald geklärt werden müssten. Statt dessen schafft es der Berufsstand einfach nicht, aus seiner Jahrhunderte alten Berufspraxis auszubrechen sondern mit immer den gleichen Argumenten andere Ergebnisse zu erwarten.

» Auf diesen Kommentar antworten | 15 Antworten

AW: Es gibt auch drängendere Fragen ... und das war es ...

von Cristian Timme am 12.05.2019 um 11:18 Uhr

10 x Apotheker08 in einem externen Beirat für die Mitgliederversammlung und die ABDA muss nicht weiter so viel „Mist bauen“ ...

AW: Es gibt auch drängendere Fragen

von Thomas Kerlag am 12.05.2019 um 11:30 Uhr

...unzureichenden Wissen.
Und die anderen Bluffer haben das Wissen, oder wie?

AW: Es gibt auch drängendere Fragen ...

von Reinhard Herzog am 12.05.2019 um 11:32 Uhr

... exzellent!

In der Tat sind das die wesentlichen Punkte.
Und da stellt sich die immer drängendere Frage, ob und wie lange wir mit Wagenburg-Mentalität, "Mücke-zu-Elefanten-Geschwurbele" und Verkomplizierungs-Getue das "pharmazeutische Postkutschen-Zeitalter" noch erhalten können.

Im Grunde scheint es nur noch darum zu gehen, Zeit zu schinden bzw. zu kaufen. Wie in vielen anderen Bereichen unseres Landes auch. Alles Zeichen von saturierten Wohlstandsgesellschaften, die ihren Zenit überschritten haben, und die einen Großteil ihrer Kraft darauf verwenden, am Gestern zu klammern.

AW: Es gibt auch drängendere Fragen

von Thomas Kerlag am 12.05.2019 um 11:51 Uhr

Es gibt auch in unserem Berufsstand zu viele Leute wie Herr Herzog, die aufwendig Pharmazie studieren und wenn sie saturiert sin die AM fiktiv schon in Tanke und Dicounter stecken. Wo gibt es schon diesen Hass bei den Ärzten auf den eigenen Berufsstand. Das gründet tief in der eigenen Ohnmacht des "nichts dürfens". Überall verscherbeln ist im Zeitalter der "Alternativen Fakten" um so leichter.

AW: Es gibt auch drängendere Fragen

von Anita Peter am 12.05.2019 um 14:31 Uhr

Machmal frage ich mich wirklich wann diese ganzen Digitalisierungs-Dünnpfiff-Laberer das letzte mal in einer Apotheke gearbeitet haben.
Ein bischen eloquent über Digitalisierung palavern und ein bischen von den ewig Gestrigen erzählen, und schon sind die vorhandenen Strukturen angeblich der letzte Müll und nur eine Wagenburg.
Ein Praxistag würde dem ein oder anderen nicht schaden. Vllt erkennen sie dann, dass nicht alles mit 0 und 1 in der APO gelöst wird.
Abgabe von RX per Automaten? Bitte schildern Sie doch mal wie das genau funktionert INKL (!!) Lösung aller anfallenden Probleme.

AW: Es gibt auch drängendere Fragen???

von Wolfgang Müller am 12.05.2019 um 17:49 Uhr

@ Thomas Kerlag:
Sie irren. Die Haltung der Schlächter aus den eigenen Reihen kommt nicht von "nicht dürfen", sondern von "sich irgendwann endgültig gegen die Offizin-Selbständigkeit entschieden haben". Weil zumindest selbst gefühlt dafür zu schlau, zu ängstlich, zu wenig Führungstalent, zu sozial inkompetent.

Ich nenne hier nur negative Gründe (und natürlich: es gibt jede Menge GUTE Gründe, als Apotheker was ganz Anderes als "Apotheke" zu machen), weil ich das aus der Industrie kenne. Die ECHTEN Top-Leute dort wären selber auch Super-Offizin-Apotheker geworden (oder SIND es sogar noch geworden ...), und haben diesen Beruf in seiner "Spitzweg-haften" Normalität zu verachten wegen ihres Formats gar nicht nötig gehabt.

Die mit der gehässigen, überheblichen Verachtung für die oft einfach nur missgünstig beäugten "Schubladenzieher" waren auch dort eher die, die auch als Industrie-Kollegen - sagen wir mal - unangenehm waren.

PS Zu dem auch von Ihnenals wohl junger Kollege - und ich verstehe es ja, wirklich - so hoch gehaltenen "Medikationsanalysieren" sagt Spahn inzwischen "Was weiß ich, Medikationsanalyse". Glauben Sie bloß nicht "unseren" Leuten, dass DER das will. Der findet diese uns von uns selbst gestellte Pipifax-Budget-Falle in der aktuellen Gesetzesvorlage einfach amüsant .....

AW: Es gibt auch drängendere Fragen ... et al.

von Reinhard Herzog am 12.05.2019 um 19:11 Uhr

Es geht hier nicht um Schlächter oder schlechtreden.
Es geht darum, realistisch Chancen und Bedrohungen zu erkennen - und den (gerade auch künftigen) Stellenwert seiner Tätigkeit ebenfalls realistisch einzuordnen.

Es ist völlig irrelevant, ob man viel und gut arbeitet, abends müde ist, soundso viele (vermeintliche, von wem geschaffene?) Probleme und Problemchen löst. Die Kutschenbesitzer, Schriftsetzer, Filmentwickler, Verbrennungsmotorenentwickler, Großkraftwerkebauer usw. usf. haben auch vielfach exzellente Arbeit geleistet bzw. tun das noch - und standen bzw. stehen auf der Abschussliste.

Und da kommt man eben zu manch unbequemen Einsichten.

Wenn es jedoch schon an dieser Einsicht mangelt, dass man zunehmend ersetzbar ist - eine prozesshafte, sich über viele Jahre hinziehende Entwicklung - dann wird es mit sinnhaften Schlussfolgerungen halt schwierig. Und damit nimmt man sich viele Chancen.

Militärisch hat es in schöner Regelmäßigkeit zur völligen Aufreibung geführt, wenn man eingekesselt war und partout die Stellung halten wollte bzw. auf Führerbefehl musste. Rechtzeitiger Ausbruch hätte dagegen, trotz gewisser Verluste, das Schlimmste vermieden.

Und so ist es auch mit unserem Beruf. Er sollte tunlichst aus seinem Kessel, aus manch Komfortzone und den schrulligen, selbst gezimmerten Käfigen klug ausbrechen. Und zwar, solange in dieser Branche noch was bezahlt und investiert wird und Interesse besteht. Wenn erst einmal alles sturmreif geschossen ist, dann gibt es nämlich gar nichts mehr - außer irgendwelchen Gnadenaktionen. Dann versucht sich nur noch jeder selbst zu retten.

Und das kann schneller passieren als gedacht.
Ich glaube nicht, dass unser Apothekensystem eine Finanzkrise II in der heutigen Form überstehen wird. Da wird als Erstes im Gesundheitssystem die Axt angelegt. Das Warum sollte eigentlich klar sein. Und selbst ohne eine solche krisenhafte Zuspitzung passiert Ähnliches, nur halt ein paar Jahre verzögert ...

Und so schlachten die vermeintlichen "Schlächter" hier vor allem mal diverse Denkblockaden - um ein Stückchen weit den Weg zu ebnen, dass man endlich noch das Beste aus der verfahrenen Situation macht. Und zwar für möglichst viele, was übrigens die Mitarbeiter*innen einschließen sollte.

AW: Gibt es drängendere Fragen?

von Wolfgang Müller am 12.05.2019 um 20:37 Uhr

Fair enough. Aber konkret, wenn "Apotheker08" Sie schon so fasziniert (ich finde dessen anonymen Kram - wie nicht anders zu erwarten - nur krass akademisch überzogen hybrid unmenschlich):

Sollen wir so schnell wie möglich die sicher nur noch kurze Zeit unverständlicherweise so beliebten Spitzweg-Buden an Ketten oder an andere tolle "Richtig Große" verkaufen? Das "kleine Vermögen" schnell in Sicherheit bringen (vielleicht sogar lieber in Kanada oder so)? Denken Sie irgendwie in diese Richtung? Hilft das gerade JETZT, sind die klugen Annahmen dafür sooo unumstößlich?

Beziehen Sie wirklich vielleicht eigentlich den Standpunkt, dass wir uns sogar dem Fremdbesitz "öffnen" sollten, die "Logistik" den logistisch Tolleren und den Automaten lieber KOMPLETT überlassen sollten? Weil unser Klein-Klein mit der trutschigen "Inhaberführung" mit max. 4 (oder 7 oder 12 oder wieviel?) Filialen einer tollen Optimierung entgegensteht? Optimierung für wen auch immer, jedenfalls meines bescheidenen Erachtens jedenfalls nicht für den Patienten und - klar - nicht für "uns"? Damit wir dann so richtig pseudo-ärztlich tätig sein können? Wenn schon nicht als Ketten-Angestellte, dann als "selbständig" beratende Wanderer zwischen den Praxen, vielleicht? Oder direkt dort angestellt, wie auch im Krankenhaus?

Vielleicht denkt ja "Die ABDA" schon länger genau so, vielleicht im elfenbeinernen "Entscheider-Turm" sogar mit Ihnen zusammen. Und nutzt ihre PR-Mittel in Wirklichkeit, um uns bezüglich dieses Krams einzulullen ...

Ich hielte das Alles - mit Verlaub - für armen, neunmalklugen Fatalismus, NULL tragfähig attraktive Varianten im Spiel, für die es sich zu engagierenlohnte. Der Letzte macht das Licht aus, eben. Nichts geht mehr.

Begeistern Sie mich mit Ihrer Antwort. im Moment bin ich zwar erneut begeistert von Ihrer Eloquenz, aber eher entsetzt in meinen hoffentlich vollkommen irrigen inhaltlichen Vermutungen ...

AW: Es gibt auch drängendere Fragen ...

von Christian Timme am 12.05.2019 um 22:19 Uhr

War das schon so etwas wie eine 08-Initialzündung? Wenn ja ... bitte fortsetzen und es nicht nur als „Beiträge“ sehen ... das ist „Kommunikation“ .... den „stärksten Stoff“ den es gibt ...

AW: Es gibt auch drängendere Fragen ... und einige Lösungen:

von Reinhard Herzog am 12.05.2019 um 23:35 Uhr

Ich sehe, kurz gefasst, diese beiden Optionen, um aus der gegenwärtigen Sackgasse herauszukommen:

a) Konsequente, massive Entschlackung und Vereinfachung des Apothekenbetriebes im Sinne kleiner, unabhängiger Unternehmen. Neben der Aufgabe von diversen standespolitischen Knotten und Sinnlos-Bürokratie wäre aber auch die "große Politik" gefragt, hier den Ankündigungen zur Entbürokratisierung einmal Taten folgen zu lassen, ob bei solchen Dingen wie DS-GVO, Steuerrecht und und ...

b) Alternativ tatsächlich die aktive Flucht nach vorne in die Größe. Ja, das Konzept sähe eine weitgehende Liberalisierung vor - aber eben klug in die Wege geleitet. Der Trick läge in langen Vorlaufzeiten (> 2 Jahre), sodass alle Teilnehmer sich gut vorbereiten könnten.
Erwartung: Über die Hälfte schließen sich zu Genossenschaften á la EDEKA zusammen, 10% gehen selbst an die Börse (wie z.B. eine ELAC), der Rest teilt sich auf zwischen weiterhin starken Einzelunternehmern ohne weitergehende Bindung und im Idealfall bleiben nur < 20% für Fremdteilnehmer. Das ist durchaus realistisch.
Der Vorteil wäre eben die Einbettung in milliardenschwere Strukturen mit ganz anderen Möglichkeiten, die Zukunft zu bewältigen und auch den Lieferanten sowie Kostenträgern die Stirn zu bieten. Ich kann da immer nur auf EDEKA / REWE verweisen.

Und nun zum individuellen Aspekt:
Wer die Möglichkeit hat, einen Schlussstrich zu ziehen und dann über ein ausreichendes Vermögen / laufende Einkünfte aus Vermögen, (vorzeitiger) Rente etc. verfügt: Nutzen Sie die Chance. Jetzt. Und raus aus Europa. Für den kleineren Geldbeutel in Richtung interessanter Schwellenländer, für den größeren Geldbeutel in Richtung USA, Kanada, Neuseeland etc. Wer es nicht nötig hat, sollte sich das, was hier perspektivisch mit (zu) hoher Wahrscheinlichkeit aus verschiedensten Richtungen kommt, nicht mehr antun. Es gibt einfach Regionen mit besseren Aussichten auf dieser Welt - sofern man eben bereit ist, einen solchen großen Schritt zu gehen.

AW: Die Apotheker08-Fragen lenken von DER drängenden Frage ab

von Wolfgang Müller am 13.05.2019 um 9:43 Uhr

@ Reinhard Herzog
Auf die zukünftige grundsätzliche Organisation der Apotheken und damit auf die WIRKLICH drängende Frage bezogen, finde ich Ihre Antwort tatsächlich perfekt. Mit solch einer Entscheidungs-Tischvorlage könnte sich ein professioneller, kluger Vorstand des Unternehmens "Apotheken Deutschland" schnell und schlüssig entscheiden. Für eine bestmögliche Apotheken-Aufstellung im Interesse der Arzneimittelversorgung, aber vor Allem auch: im Interesse der ihm schutzbefohlenen Laden-Betreiber sowie deren Angestellten.

Entschieden werden muss entweder für Variante B:

Sollte dieser kluge "Apotheken Deutschland"-Vorstand der Meinung sein, dass es SOWIESO durch äußere Einflüsse zum totalen Wettbewerb auch bei Rx-Preisen, GKV-Selektiv-Verträgen und dergleichen mehr kommen MUSS, also Gegenwehr gegen diesen neuen Handlungsrahmen VOLLKOMMEN unmöglich ist, dann ist die schnellstmögliche Einführung eines dem "EDEKA"-Muster folgenden Genossenschaft-Systems die richtige Entscheidung. Damit man denen, die trotzdem weiter mit wenigstens einigermaßen Selbständigkeit ihren Laden führen wollen, dafür im Kollegen-Verbund wenigstens noch eine Chance eröffnen kann.

Oder für Variante A:

Ist die Einschätzung des klugen Vorstandes, dass zumindest der totale Rx-Preiswettbewerb und der Fremdbesitz noch lange verhindert werden könnten, dann muss Variante A schnell umgesetzt werden. Um glaubwürdig weiter mit "Flächendeckung" argumentieren zu können, und deswegen der großen Anzahl der "kleinen, unabhängigen Unternehmen", wie sie jetzt schon stehen und liegen, das Überleben zu ermöglichen. Begleitend zum Eintreten für Stabilisierung des bisherigen Handlungsrahmens also durch "konsequente und massive Entschlackung und Vereinfachung des Apothekenbetriebs". Denn ohne Reserven (finanziell, personell, Nachfolger) ist ja die Mehrzahl der jetzigen Betriebe schon ohne weitere Erschwernisse wie "Rx-Preisfreigabe" oder "Fremdbesitz" nicht angemessen entspannt, professionell und gesund überlebensfähig.

Aber erneut konkret, an Sie persönlich: Welchen Weg würden Sie als Vorstandsvorsitzender von "Apotheken Deutschland" einschlagen? "Öffnung" für weiterreichende "Konkurrenzstärkungen" wie Fremdbesitz und/oder Rx-Preiswettbewerb, oder für das Beharren auf den traditionellen kleinteiligen Strukturen, ermöglicht durch Geschäfts-erleichternde Sanierungs-Maßnahmen?

PS Meines Erachtens spielt das "Voll-KI-Drohnen-und-Automaten"- ebenso wie das akademische Hochwichtigkeits-Schlachtfeld des Anonymus 08 (inkl. die ABDA-Abirrung "Medikationsanalyse um jeden ggf. lächerlichen Preis jetzt") in der aktuellen Entscheidungslage ÜBERHAUPT KEINE ROLLE. Und: Was den persönlichen Teil betrifft, kann ich übrigens Ihren Denkansatz völlig unabhängig von unserem Beruf ganz gut nachvollziehen. Rein aus weltpolitischen Befürchtungen.

AW: Es gibt auch drängendere Fragen - CEO "Apotheken Deutschland"

von Reinhard Herzog am 13.05.2019 um 11:59 Uhr

@Wolfgang Müller:

Das Herz spricht für die gründlich entschlackte, kleinteilige Variante A, die nüchterne Ratio und die Erfahrung im Wirtschaftsleben für B, sprich größere, kapitalstarke und durchsetzungsfähige Strukturen.

Vor dem Hintergrund, was sich ringsherum in der Welt und in den einzelnen Branchen zusammenbraut, handele ich lieber aus der Position der Stärke heraus - gemäß meiner alten "Erfolgsformel":

Erfolg = Intelligenz x Kapital x Durchsetzungskraft

Das lässt sich mit der Variante B (größere Strukturen) eben weit besser umsetzen. Auch für die Mitarbeiter bietet diese Variante mehr Vorteile und eine höhere Attraktivität. In der kleinteiligen Variante A humpelt da der Hamster eben an etlichen Stellen ... und fußkrank sollte man in Zukunft nicht mehr sein.

AW: CEO "Apotheken Deutschland"

von Wolfgang Müller am 13.05.2019 um 12:50 Uhr

@ Reinhard Herzog

Ich wiederhole mich, diesmal gerne: Fair enough. Eine ehrliche und gut begründete Antwort. Da ich die Notwendigkeiten, die sich aus dem Umfeld ergeben, optimistischer für die Inhaber-geführte Apotheke beurteile (und übrigens auch für die Angestellten in Wirklichkeit vor Allem Nachteile "größerer Strukturen" sehe, siehe Drücker-Unwesen bei Banken und Versicherungen durch Vorgaben der Zentralen), würde ich mich überzeugt und leidenschaftlich für Variante A entscheiden. Und mit einem entsprechenden Team kühl in den entsprechenden Kampf gehen.

Der allerdings ohne den echten Willen zu wirklich durchgreifender Vereinfachung der Geschäftsablaufs-Notwendigkeiten für normale Apotheken nicht erfolgreich geführt werden kann. Und auch nicht ohne so genuin betriebswirtschaftliche Sachen wie "2HM zu unseren Gunsten umdrehen".

Insofern braucht es eben einen sauberen Führungs-Umschwung und sicher auch viel neues, nicht weiter ohne jegliche Rücksicht auf Verluste "Identitäts-stiftend" rein pharmazeutisch gepoltes Personal in den Stabsstellen und Gremien. Das wäre allerdings auch für die Variante B notwendig.

Okay, wer macht's, Eins von beiden? "In Gefahr und Not ist der Mittelweg der Tod", garantiert. Das ist allerdings ein extrem innovativer Gedanke, für "uns".

AW: Es gibt keine drängenderen Entscheidungen

von Bernd Jas am 13.05.2019 um 16:40 Uhr

Das:
"von Reinhard Herzog am 12.05.2019 um 23:35 Uhr"
- war ein echter SUPER-Herzog.

Unabhängige und vor allem bürokratiefreie und fesselfreie Unternehmen. Dann gerne auch weg mit der AMPVO auf dem Weg zur Handelsfreiheit.
Das nächste hausgemachte Verbot steht auch schon wieder an; das Verbot von Apotheken-Abholfächern im Rahmen des Automatenverbotes.
Nur weiter so ABDA. Es kommt mir bald schon so vor als hätten wir mehrere Äste an denen es zu sägen gilt, bevor einer neu besetzt werden könnte, nur um den Baum zu schützen. Was ein elendes Ende des Stamms.

AW: Es gibt keine drängenderen Entscheidungen

von Bernd Jas am 13.05.2019 um 16:40 Uhr

Das:
"von Reinhard Herzog am 12.05.2019 um 23:35 Uhr"
- war ein echter SUPER-Herzog.

Unabhängige und vor allem bürokratiefreie und fesselfreie Unternehmen. Dann gerne auch weg mit der AMPVO auf dem Weg zur Handelsfreiheit.
Das nächste hausgemachte Verbot steht auch schon wieder an; das Verbot von Apotheken-Abholfächern im Rahmen des Automatenverbotes.
Nur weiter so ABDA. Es kommt mir bald schon so vor als hätten wir mehrere Äste an denen es zu sägen gilt, bevor einer neu besetzt werden könnte, nur um den Baum zu schützen. Was ein elendes Ende des Stamms.

"Sandburgenbau" im Gezeitentakt ...

von Christian Timme am 12.05.2019 um 9:42 Uhr

Wer hier "gewinnt" steht bereits fest ... nur die Architekten unter den Apothekers haben das noch nicht "verinnerlicht" ...

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Resignation von oben?

von Ulrich Ströh am 12.05.2019 um 8:42 Uhr

Moin,moin,
wenn die ABDA-Geschäftsführerin Ökonomie
von Abendsonne oder bevorstehender Götterdämmerung für die Offizinapotheken spricht...
...dann hat sie wohl Recht.

Zuversicht sieht anders aus.

Ist das schon Resignation von oben?

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