Stiftung Warentest

Die „Spritze“ gegen Migräne

Stuttgart - 31.01.2019, 09:00 Uhr

Stiftung Warentest übt sich in Zurückhaltung ob der neuen Antikörper-Therapien zur Migräne-Prophylaxe. ( j / Foto: rogistok / stock.adobe.com)

Stiftung Warentest übt sich in Zurückhaltung ob der neuen Antikörper-Therapien zur Migräne-Prophylaxe. ( j / Foto: rogistok / stock.adobe.com)


Zurückhaltung bei Aimovig

Einfach und knapp erklärt Stiftung Warentest seinen Lesern auch die neuesten Therapiemöglichkeiten. In Euphorie brechen die Verbraucherschützer jedoch nicht aus ob Erenumab. „Wirkung begrenzt, aber belegt", so ihre Einschätzung. Sie begründen dies, dass Erenumab in Studien die Zahl der Migränetage um 3,2 (70 mg Erenumab) beziehungsweise 3,7 Tage (140 mg Erenumab) reduzierte, doch auch in der Placebogruppe die Patienten 1,8 Tage weniger Migräne hatten. Auch seien noch viele „Fragen offen" – was nicht überrascht bei einem Arzneimittel, das keine drei Monate „breit“ angewendet wird, also außerhalb klinischer Studien. Und auch das „breit“ wird bei Aimovig® überschaubar sein – Aimovig® ist angezeigt zur Prophylaxe bei Migränikern mit mehr als vier Migränetagen im Monat und Neurologen werden es diesen Patienten nur verordnen, so diese mit Triptanen oder einer anderweitigen Prophylaxe (siehe Box) nicht ausreichend eingestellt sind.

Migräneprophylaxe vor CGRP-Antikörpern

Ein spezifisches Arzneimittel zur Prävention der Migräne gab es bis zu den CGRP-Antikörpern beziehungsweise CGRP-Rezeptor-Antikörpern (Galcanezumab) bislang nicht. Zum Einsatz kamen Wirkstoffe, die eigentlich in anderen therapeutischen Bereichen zuhause sind. Beispiele hierfür sind Betablocker oder Antiepileptika. Die aktuelle Leitlinie zur Therapie der Migräne und Migräne-Prophylaxe nennt die Betablocker Metoprolol und Propranolol, den Calciumantagonisten Flunarizin, die Antikonvulsiva Topiramat und Valproinsäure und Amitriptylin als am besten untersuchte Wirkstoffe. Ebenfalls wirksam ist laut den Experten der Leitlinie Bisoprolol. Topiramat zeigte Evidenz in prospektiven Studien zur chronischen Migräne. Von einer chronischen Migräne sprechen Experten bei Patienten, die an mehr als 15 Tagen pro Monat unter Migräne-Attacken leiden. Auch Onabotulinumtoxin A kann bei chronischer Migräne eingesetzt werden, allerdings sollten zuvor zwei weitere Prophylaxen nicht wirksam gewesen sein. Medikamente mit geringer Evidenz sind Opipramol, ACE-Hemmer und Sartane (Off-Label-Use).

Stiftung Warentest vermisst auch vergleichende Studien zwischen der innovativen Therapiemöglichkeit mit CGRP-Antikörpern und „herkömmlichen Vorbeugemitteln“. Der Einwand könnte tatsächlich noch von tragender Relevanz sein. Denn auch der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) wird diese fordern in der frühen Nutzenbewertung von Erenumab und Galcanezumab.



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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3 Kommentare

hallo

von Redaktion DAZ.online am 03.02.2019 um 19:06 Uhr

Danke für den Hinweis und fürs Nachhaken! Ist korrigiert. Trotz Approbation sind wir Redakteure auch nur Menschen, die gelegentlich mal einen Kommentar übersehen.
Viele Grüße und einen schönen Sonntag noch
Ihre DAZ.online-Redaktion

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hallo!

von Klaus berger am 03.02.2019 um 12:47 Uhr

Was ist das denn für ein Fachportal!!?? Fehler können passieren, Antagonist und Agonist ist schnell verwechselt. Aber wen man schon darauf hingewiesen wird, dann sollte sich doch wohl einer der 8 approbierten Redakteure (steht so im Impressum) dazu herablassen, das bitte, bitte zu korrigieren.

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5-HT1-Agonisten

von A. Schierloh am 31.01.2019 um 19:16 Uhr

Kleine Anmerkung am Rande: Triptane binden agonistisch an 5-HT1-Rezeptoren.

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