90 Jahre Penicillin

Antibiotika-Resistenzen: Bereits Fleming warnte

Berlin - 15.09.2018, 08:00 Uhr

Penicillin-Entdecker
Alexander Fleming warnte während seiner Nobelpreisrede 1945 vor der Möglichkeit
von Resistenzbildungen durch Penicillin-Einsatz. ( r / Foto: imago / United Archives International)

Penicillin-Entdecker Alexander Fleming warnte während seiner Nobelpreisrede 1945 vor der Möglichkeit von Resistenzbildungen durch Penicillin-Einsatz. ( r / Foto: imago / United Archives International)


Die Entdeckung des Lebensretters Penicillin feiert in diesem Jahr sein 90-jähriges Jubiläum. Es ist eine der wichtigsten medizinischen Errungenschaften des 20. Jahrhunderts. Der Einsatz von Antibiotika rettete seither millionenfach Leben. Doch die WHO schlägt Alarm: Antibiotika verlieren durch Multiresistenzen zunehmend ihre Wirkung. Bereits Alexander Fleming warnte vor der Gefahr von Resistenzbildungen. Was sind die Ursachen? Und mit welchen Strategien kann dieser Entwicklung begegnet werden?

Vor 90 Jahren, im September 1928, verhalf der Zufall dem schottischen Mediziner und Bakteriologen Alexander Fleming (1881-1955) zu seiner größten Entdeckung: das Penicillin. Anfang des 20. Jahrhunderts waren die Ursachen von Infektionen zwar meist bekannt, es fehlte aber immer noch an wirksamen Behandlungen. Das sollte sich mit dem zur Gruppe der Beta-Lactam-Antibiotika gehörenden Penicillin ändern. Doch auch die Problematik von Resistenzbildungen begleitete von Anfang an den Einsatz von Antibiotika.

Zufall half Penicillin-Entdeckung auf die Sprünge

Alexander Fleming wurde am 6. August 1881 in einem kleinen schottischen Dorf in der Grafschaft Ayrshire geboren. Er studierte in London Medizin. Nach Beendigung seines Studiums arbeitete in der Bakteriologie des Saint Mary’s Hospitals. Erfahrungen als Lazarettarzt während des Ersten Weltkrieges bekräftigten seine Suche nach einer wirksamen Bekämpfung von pathogenen Keimen, die er nach seiner Rückkehr am Saint Mary’s Hospital fortsetzte.

Antibiotikaresistenz

Resistenzbildung

Antibiotikaresistenz

Fleming entdeckte durch Zufall im September 1928 auf einigen der Petrischalen einer seiner Staphylokokken-Versuchsreihen eine ungewollte Schimmelpilzbildung. Doch er beseitigte die „verunglückten“ Versuchsansätze nicht einfach, er beobachtete genau. Dort wo der Schimmelpilz der Art Penicillium chrysogenum, damals noch Penicillium notatum genannt, mit den Staphylokokken in Berührung gekommen war, gab es nun keine Bakterien mehr. Stattdessen beobachtete er regelmäßige runde Höfe in den mit dem Pilz befallenen Petrischalen. Fleming folgerte, dass eine Substanz aus dem Schimmelpilz die Staphylokokken bekämpft haben musste. Er nannte diese Substanz Penicillin.

Ernest Duchesne – Entdeckung wurde nicht anerkannt

Dieser natürliche Antagonismus zwischen Bakterien und Schimmelpilzen war allerdings keine neue Entdeckung. Bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte der französische Militärarzt Ernest Duchesne die antibakterielle Wirkung bestimmter Schimmelpilzarten beobachtet. Duchesne experimentierte mit Penicillium glaucum und dokumentierte seine antibakteriellen Eigenschaften. Seine Doktorarbeit zum Thema aus dem Jahre 1897 wurde allerdings abgelehnt und seine Forschungen konnten nicht fortgesetzt werden. Penicillium glaucum wird heutzutage als Edelschimmel bei der Käseherstellung verwendet. 



Inken Rutz, Apothekerin, Autor DAZ.online
redaktion@daz.online


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