DAZ.online-Themenwoche Digitalisierung

So digital ist die Apotheke

Stuttgart - 08.06.2018, 16:00 Uhr

Kommissionierautomaten sind in Apotheken üblich, im Gegensatz zu anderen Einzelhändlern. (Foto: imago)

Kommissionierautomaten sind in Apotheken üblich, im Gegensatz zu anderen Einzelhändlern. (Foto: imago)


Die Fortgeschrittenen

Neben dem, was nahezu unentbehrlich ist, kann man in der Apotheke mit digitalen Lösungen Arbeitsabläufe erleichtern und unter Umständen auch Fehlerquellen ausmerzen. Trotzdem sind sie noch nicht flächendeckend im Einsatz – was häufig auch eine Kostenfrage ist.

Kommissionierer

Der „Rowa“ hat für Kommissionierautomaten fast einen Status wie Tempo bei Papiertaschentüchern oder Kaba bei Instantkakaopulver. Die Apothekenroboter erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Der Leiter der Innovations-Akademie Deutscher Apotheken (IDA), Carsten Aehlen, schätzte Anfang 2017, dass etwa in 8000 Apotheken ein Kommissionierer steht. Sie stehen in verschiedenen Varianten zur Verfügung, zum Beispiel auch mit Kühlsegment. Viele anfänglichen Probleme, zum Beispiel, dass bestimmte Packungen nicht eingelagert werden können, haben moderne Modelle oft gelöst. Pluspunkte sind die Platz- und die Zeitersparnis gegenüber einem herkömmlichen Lager.

Mehr zum Thema

Der Kommissionierautomat in der Apotheke

Alles automatisch

Rezeptscanner

Rezeptscanner kommen im HV und bei der Rezeptkontrolle zum Einsatz. Mit ihnen lassen sich viele Formfehler, wie eine fehlende Arztunterschrift, ausmerzen. Auch zu alte Rezept werden erkannt. Bei der Rezeptkontrolle ersparen sie dem Apotheker das Nachschauen, ob das abgegebene Mittel tatsächlich rabattiert war – denn alle kann niemand im Kopf haben. Das Selberlesen im HV ersparen sie jedoch nicht, würde man sich bei der Abgabe alleine auf den Scanner verlassen, ginge so manches schief.

Vorbestell-Apps

Vor dem 25. Mai und dem Scharfschalten der DSGVO (Datenschutz-Grundverordnung) erfreute sich WhatsApp großer Beliebtheit, wenngleich es auch schon damals rechtlich umstritten war. „WhatsApp kennen die Leute, das verwenden die auch“, berichten Apotheker. Die meisten haben das wohl jetzt erst einmal gelassen. Zum Glück gibt es datenschutzkonforme Alternativen von vielen Anbietern, zum Beispiel Call-my-Apo von der apothekereigenen VSA (Verrechnungsstelle der Süddeutschen Apotheken GmbH) oder die App von apotheken.de. Letztere nutzen derzeit etwa 6150 Apotheker. 

Mehr zum Thema

Dokumentation

BtM, Blutprodukte, Herstellungs- und Prüfprotokolle – in der Apotheke ist so einiges zu dokumentieren und aufzubewahren. Theoretisch geht das alles elektronisch, eine Reihe von Apotheken nutzt das auch. So hat das Lennartz-Laborprogramm, mit dem sich Protokolle erstellen und archivieren lassen, 7000 Anwender. Doch viele setzen auch noch auf die gute alte Handschrift. So ist zwar die Zahl der verkauften BtM-Karteikarten beim Deutschen Apotheker Verlag rückläufig, dennoch wurden 2017 noch knapp 1,3 Millionen davon bestellt.

Smarte Kühlschränke

Ein Maximum-Minimum-Thermometer in den Kühlschrank legen und jeden Tag ablesen, ist eine Möglichkeit, der Pflicht zur Temperatur-Dokumentation Genüge zu tun. Eine andere sind smarte Geräte, wie sie Dienstleister, beispielsweise Wepa, anbieten. Sie verfügen über eine integrierte Auswertungs- und Dokumentationssoftware. Die Daten werden automatisiert über die integrierte Datenbank gespeichert und können jederzeit abgerufen oder per E-Mail auch versendet werden.



Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

Wie die Apothekenzukunft aussehen könnte

Digital und vernetzt

Interview Apotheker Gunther Böttrich 

Mehr Zeit für unsere Kunden

Pharmatechnik auf der Expopharm

„Wir haben die Amazon-App nachgebildet“

Die Apotheke als digital vernetzte Erlebniswelt

Virtuelle Sicht- und Freiwahl

Verband der Apothekensoftware-Anbieter: „Digitale Kette“ beim Medikationsplan nicht unterbrechen

Handschriftlich ist Murks

1 Kommentar

Digitales und Analoges in der Apotheke

von Heiko Barz am 09.06.2018 um 12:50 Uhr

Liebe Frau Borsch,
Ihr umfangreicher Bericht ist doch eine Art Rechtfertigung der Arbeitswelt in der derzeitigen Apothekenlandschaft. Alles das, was Sie niederschreiben ist uns bekannt. Wem Sie diese Apothekenanalyse vermitteln müßten, das sind die argumentationsresistenten politischen Nerds und Juppies, die nur ihren Laptops, Handys und Wikipedia Informationen vertrauen und denen Berufsbilder wie das des Apothekers als altertümlich und überholt gelten.
Interessanter Weise habe ich noch nie ähnlich diskriminierende Aussagen aus dieser Ebene zu hören bekommen, wenn es um die traditionellen Handwerksfirmen geht. Das Know How der Dachdecker, Installateure, Becker, Maurer etc ist auch digital nicht zu ersetzen ( außer derer Bürokratie ). Die individuelle Leistung dort, wie auch bei Arzt und Apotheker, kann nicht durch Software ersetzt werden, im höchsten Falle nur begleitend unterstützen.
Ich nehme an, dass Ihr Bericht als eine Argumentatioshilfe für den Herrn vom Axel Springer Verlag Ch.Keese gelten sollte, nur bei diesem digital verblendeten, ein - oder zweidimensional ausgerichteten Menschen werden Sie Einsicht in die Problemwelt der Pharmazie wenig erwarten können.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.