Interview Apotheker Gunther Böttrich 

Mehr Zeit für unsere Kunden

Stuttgart - 06.06.2018, 07:00 Uhr

Nach Gunther Böttrichs Erfahrung sind Amortisationszeiten für die Kombi „Lagerautomat plus virtuelle Sichtwahl“ von unter fünf Jahren machbar. (Alle Fotos: Böttrich)

Nach Gunther Böttrichs Erfahrung sind Amortisationszeiten für die Kombi „Lagerautomat plus virtuelle Sichtwahl“ von unter fünf Jahren machbar. (Alle Fotos: Böttrich)


Apotheker Gunther Böttrich setzt in seiner Apotheke auf Digitalisierung. In seiner Burg-Apotheke im nordhessischen Volkmarsen stehen in der Sichtwahl keine Packungen auf Holzregalen. Stattdessen hat er zwölf große Monitore aufgehängt. Wie kommt das bei seinen Kunden an? Welche Erfahrungen hat er damit gemacht und in welche Richtung denkt er weiter? Wir haben uns mit Apotheker Böttrich unterhalten. 

Sie haben schon seit einigen Jahren große Teile Ihrer Apotheke mit einer virtuellen Sichtwahl versehen. Welche Erfahrungen haben Sie hier gemacht: 

Seit über fünf Jahren stehen bei uns keine Packungen mehr in der Sichtwahl und unsere Arbeitsabläufe sind angepasst. Alle OTCs befindet sich im Kommissionierer, wodurch neben „Rx“ auch der Warenstrom „OTC“ fast vollautomatisiert abläuft. Ergebnis: Wir haben mehr Zeit für Kunden! Nachräumen, Umräumen und Staubwischen – all das entfällt.

DAZ.online-Themenwoche

Digitalisierung

In der Beratung rufen wir benötigte Indikationsthemen zu uns an den POS auf die Sichtwahl-Schirme und wir zeigen emotionale Bilder und aktuelle Themen (z. B. Fußball-WM). Statt arbeitsintensiven Regalen haben wir multifunktionale Präsentationsflächen, auf denen es im Winter schneit und im Herbst die Blätter fallen. Die Technik spart Kosten, unterstützt unsere Kommunikation mit Kunden und hilft bei Beratung und Verkauf.

Wie nehmen die Kunden diese virtuelle Sichtwahl an? Kommen sie damit zurecht? 

In der Eröffnungswoche, im Dezember 2012, war ich schon sehr gespannt auf die Rückmeldungen aus unserer ländlichen Kleinstadt zum neuen Konzept. Dann stand eine ältere, kritische Kundin vor mir und schaute sich um. Ich war auf das Schlimmste vorbreitet. Ihr Kommentar: „Endlich kann ich meine Augentropfen erkennen!“ Die übergroße Darstellung der Produkte in 3D-Optik und die klar strukturierte, wertige Anordnung ermöglichen es den Kunden, die Produkte schon beim Betreten der Apotheke zu erkennen. Emotionale Themen-Bilder, teils mit Lokalbezug (eigene Fotos), bringen uns immer wieder ins Gespräch – in der Apotheke mit Kunden und auch außerhalb. Unsere virtuelle Sichtwahl sorgt für Emotionen (Tierbilder, Landschaften, Bilder vom lokalen Karnevalsumzug). Zudem erklären wir, dass unser Technikeinsatz dazu dient, mehr Zeit für Kunden zu haben. Das gefällt. 

Statt Arzneimittelpackungen eine emotionale Erinnerung an frühere Apothekenzeiten: die Abbildung von Standgefäßen auf den Monitoren. 

Und hat sich die elektronische Sichtwahl schon „gelohnt“? 

Wir konnten die Lagerumschläge der Sichtwahl-Artikel deutlich erhöhen und die Prozesskosten umfassend reduzieren. Die Kundenzahlen zeigen, dass unsere Apotheke gefällt. Nach meiner Erfahrung sind Amortisationszeiten für die Kombi „Lagerautomat plus virtuelle Sichtwahl“ von unter fünf Jahren machbar, wenn konsequent auch die Prozesse angepasst werden. Die durchweg positive Resonanz und die guten Ergebnisse in meiner Apotheke haben dazu geführt, dass ich 2014 die Firma promosi gegründet habe. Promosi bietet international „Virtuelle Präsentationskonzepte“ für Apotheken an und entwickeln das System kontinuierlich weiter. Gerade in Zeiten von Personalknappheit und Internetkonkurrenz helfen „digitale Tools“ den Apotheken.



Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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