ADKA Kongress Aachen

Apotheker, Ärzte, Patienten - kommuniziert!

Aachen - 08.06.2016, 14:00 Uhr

Für eine offene Kommunikation auf Augenhöhe spricht sich der Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker aus: Ärzte, Apotheker und Patienten sind gleichgeordnete Partner. (Foto: pio3 / Fotolia)

Für eine offene Kommunikation auf Augenhöhe spricht sich der Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker aus: Ärzte, Apotheker und Patienten sind gleichgeordnete Partner. (Foto: pio3 / Fotolia)


Der Krankenhausapotheker ist zentrale Schnittstelle bei der Arzneimitteltherapiesicherheit. Wo überall Gefahren für den Patienten bestehen, diskutierte der Bundesverband Deutscher Krankenhausapotheker auf seiner Jahrestagung in Aachen - und zeigte Lösungsmöglichkeiten auf. 

Arzneimitteltherapiesicherheit, Multimedikation, zunehmend komplexere Wirkstoffe sowie der damit einhergehende Beratungsbedarf im Rahmen einer umfassenden Medikations- und Therapieplanung: Das sind wichtige Treiber einer sich neu definierenden, interprofessionellen Zusammenarbeit. Bei der diesjährigen Jahrestagung des Bundesverbands Deutscher Krankenhausapotheker (ADKA) in Aachen ging es darum, Hintergründe zu beleuchten und Maßnahmen für die Zukunft zu beschließen. 

Patient ist Teil der Schnittstelle

Schnitttstellenrelevant ist nicht länger nur der Austausch zwischen Arzt und Apotheker. Der Patient entwickelt zunehmend ein Bewusstsein für seine optimale und ganzheitliche medizinische Versorgung - und fordert diese auch ein. Insbesondere an kritischen Punkten wie bei der Entlassung. Steigende Ansprüche seitens der Patienten zeigen sich gegenwärtig in der Diskussion um den bundeseinheitlichen Medikationsplan. Dieser soll ab Oktober 2016 bei Patienten, die dauerhaft mehr als drei Arzneimittel einnehmen – zunächst in Papierform, im Laufe des Jahres 2018 als eMedikationsplan –  umgesetzt werden. Ein stringentes Medikations-Management beginne nicht erst bei Aufnahme des Patienten und ende mit nichten am Tag seiner Entlassung. Öffentliche Apotheken seien hierbei ein nicht zu vernachlässigender, wichtiger Partner. Kontinuität bei der Arzneimitteltherapiesicherheit sei ein wesentlicher Sicherheitsaspekt, klang der Tenor der Kongressteilnehmer durch.

Beim Entlassmanagement kommt dem Krankenhausapotheker hier essenzielle Funktion als Bindeglied nach draußen zu: Klinische Pharmazeuten müssten in ihrer eigenen Planung frühzeitig an die Bedürfnisse der ambulanten Versorgung denken, ermahnte Dr. Michael Ober. Er ist verantwortlicher Apotheker für den Bereich Herstellung des Uniklinikums Heidelberg. Krankenhausapotheker müssen sich fragen, ob die Herstellung von Individualrezepturen aus der Klinik auch in einer öffentlichen Apotheke möglich sei, der Arbeitsaufwand für die Anfertigung wirtschaftlich praktikabel oder ob Rohstoffe und Packmittel überhaupt über den Großhandel verfügbar seien. Im Zuge dessen, verwies der engagierte Fachapotheker für Klinische Pharmazie auf die Homepage der Klinikapotheke Heidelberg „Information für öffentliche Apotheken”. Mit kostenlosem DocCheck-Passwort zugänglich, haben die Heidelberger Krankenhausapotheker hier ein „Sammelsurium an Herstellvorschriften” zur Rezeptur-Unterstützung für Kollegen aus öffentlichen Apotheken hinterlegt.

Für ihre Sicherheit sollen Patienten künftig aber auch mehr in ihrer Eigenverantwortung geschult werden, findet Jürgen Baumann von der Zentralapotheke der Kreiskliniken Esslingen: Behandelnde Ärzte und Apotheker stehen natürlich vor steigenden Anforderungen im Kampf gegen resistente KeimeAntibiotic Stewardship (ABS) - der Leitgedanke des ADKA-Kongresses 2015 in Mannheim - war auch in diesem Jahr eines der diskutierten Themen. Neben der konsequenten Umsetzung nationaler, internationaler und hausinterner Antibiotika-Leitlinien sollen Patienteninformationen – beispielsweise zur Leber- und Phototoxizität von Voriconazol – „dazu beitragen, dass unerwünschte Wirkungen von den Patienten selbst und frühzeitig erkannt werden, dass die Auswirkungen beherrschbar bleiben”, erklärt der Klinikapotheker. 

Gemeinsame Ausbildung früh fördern

Pharmazeutisch Verantwortung zu übernehmen, im Austausch mit Ärzten Therapieempfehlungen auszusprechen und für sie einzustehen: Diese Herausforderungen müssen künftig schon in der Ausbildung der Apotheker stärker in den Fokus gerückt werden. Erste Schritte dahin sind in verschiedenen Projekten einzelner Klinikapotheken bereits initiiert. So erhielt Dr. Yvonne Marina Hopf, von der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), den ADKA-Innovationspreis für ihr Projekt „POP Art – Patientenorientierte Pharmazie für Ärzte und Apotheker: Ein interprofessionelles Lernprojekt in Klinischer Pharmazie.” Ihr Ansatz ist denkbar einfach: Medizinstudenten im Praktischen Jahr (PJ) und Pharmaziestudenten bilden Tandems auf Station. Man habe so eine Gruppe junger Mediziner, die motiviert ist, ihr Praxiswissen weiterzugeben und Pharmaziestudenten, deren Praxisbezug in der klinischen Pharmazie erhöht werden solle. 


Wir wollen zusammen und nicht nebeneinander her arbeiten, wie es leider noch oft passiert. 

Dr. Yvonne Marina Hopf, Ludwig-Maximilians-Universität München


Ihr Projekt stieß bei allen Beteiligten durchweg auf positive Resonanz. Die Studenten seien „sehr begeistert” gewesen. „Eine feste Verankerung im Curriculum ist geplant”, sagt Hopf. Die stärkere Integration der klinischen Pharmazie – bereits ab dem fünften Fachsemester – habe in München nun schon stattgefunden. Pharmaziestudenten sollen schon „früher mehr Patientenfälle sehen und lernen, ihr naturwissenschaftliches Wissen im klinischen Komplex anzuwenden.”

Gemeinschaftliches lernen bei Medizin- und Pharmaziestudenten ist kein Novum. Bereits 1988 hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) dies gefordert. Ziel: Kommunikationsbarrieren zwischen den Berufsgruppen sollen zugunsten des gegenseitigen Respekts abgebaut werden. „Leuchtturmprojekte” wie die der LMU untermauern und bereiten den Weg für die Umsetzung der WHO-Forderung. Auch hier zeichnet sich die essenzielle Bedeutung der Kommunikation ab: Der Austausch über erfolgreiche Konzepte müsse zuverlässig stattfinden, dass die „frohe Botschaft von einem Standort zum anderen” transportiert würde und nicht jedes Klinikum für sich eigene, kleine „Leuchttürme” etabliere.

Apotheker wollen mehr Präsenz zeigen

Durch die frühzeitige Zusammenarbeit mit Ärzten sollen Apotheker mit dem nötigen Rüstzeug für die Arbeit auf Station ausgestattet werden. Hier wollen Krankenhausapotheker künftig noch stärker präsent sein. Ziel ist eine möglichst umfassende Begleitung der Stationsarbeit durch Klinikapotheker. Von einer vollständigen Abdeckung durch einen Apotheker pro Station, wie sie in den USA üblich und in Deutschland vereinzelt politisch gefordert wird, sei man allerdings noch weit entfernt, gaben die ADKA-Experten in Aachen zu.

Eine besondere Rolle im Zusammenhang mit der Informationsweitergabe zwischen Ärzten und Apothkern kommt dabei der Digitalisierung im Gesundheitswesen zu: Sie bietet neue Möglichkeiten der bei Planung und Überwachung an, sowohl in Zusammenarbeit mit Patienten oder durch Einsatz computergestützter Decision-Support-Systeme. 

Durch die darin verbindlich niedergelegten Verordnungen und Entscheidungen, wird die Arzneimittelinformation zum integrativen Bestandteil von Therapieplänen. Doch es verändert sich auch die Zusammenarbeit von Medizinern und Pharmazeuten: Zwar schafft die Standardisierung von Behandlungsabläufen Sicherheit, es entstehen aber auch Grauzonen, in denen Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten neu definiert werden müssen. 


Sabine Rössing, Autorin DAZ.online
redaktion@daz.online


Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online
cmueller@daz.online


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