Proteus Digital Health

Erstes Krankenhaus nutzt Big-Brother-Pille

Stuttgart - 12.01.2016, 14:30 Uhr

Die elektronische Tablette von Proteus Digital Health soll sicherstellen, dass Patienten ihre Arzneimittel nehmen. (Quelle: Proteus Digital Health)

Die elektronische Tablette von Proteus Digital Health soll sicherstellen, dass Patienten ihre Arzneimittel nehmen. (Quelle: Proteus Digital Health)


Mit einem Sensor in Tablettenform können Ärzte zukünftig verfolgen, wann Patienten ihre Arzneimitteln nehmen. Nach Angaben des Gesundheits-Dienstleisters Barton Health ist dies die erste Anwendung außerhalb klinischer Tests. 

Wie die amerikanische Gesundheits-Technologiefirma Proteus Digital Health gestern bekanntgab, wird in den Krankenhäusern von Barton Health zum ersten Mal eine Sensor-Pille zum alltäglichen Einsatz bei Patienten kommen. Nachdem klinische Versuche erfolgreich abgeschlossen wurden, soll so schnell erkannt werden, wenn Patienten ihre Arzneimittel nicht nehmen oder aus anderen Gründen die Medikation nicht optimal erfolgt.

Die Tablette hat nur die Größe eines Sandkorns und wird mit ausgewählten Arzneimitteln verkapselt. Sie aktiviert sich automatisch, wenn sie den Magen erreicht. Anschließend kommuniziert sie mit mit einem elektronischen Pflaster, das der Patient trägt. Die Daten werden dem Patienten über eine App zur Verfügung gestellt, der Arzt und das Pflegeteam haben über eine Weboberfläche Zugriff.

Unkontrollierte Krankheiten sollen kontrolliert werden

Im September hatte die amerikanische Zulassungsbehörde FDA einem Antrag von Proteus Digital Health zusammen mit der japanischen Pharmafirma Otsuka zugestimmt, die Sensortablette zusammen mit dem atypischen Neuroleptikum Abilify® (Aripiprazol) zu verabreichen. Zuerst soll es jetzt jedoch bei Patienten mit unkontrolliertem Bluthochdruck angewendet werden. 

"Wenn ein Patient keine Veränderungen bemerkt und daher seine Arzneimittel nicht nimmt, obwohl der Arzt davon ausgeht, kann dies zu unnötigen Veränderungen in der Behandlung und hohen Kosten für den Patienten und das Gesundheitssystem führen", sagt Clint Purvance, Geschäftsführer von Barton Health. Ein großer Markt – nach Angaben von Proteus Digital Health führten fehlende Adhärenz und nicht ausreichend schnelle und rechtzeitige Medikation allein 2009 in Amerika zu Kosten von 290 Milliarden Dollar.

Möglicher Druck auf Patienten

Offen bleiben einige ethische Aspekte – wie insbesondere die Frage, ob Patienten aus freien Stücken zustimmen können. Dies betont der Hersteller zwar, doch passt es nicht so richtig zu dem geplanten Einsatzszenario: Wenn Patienten ihre Arzneimittel nicht nehmen, weil sie keine Wirkung spüren, ist dies eine bewusste und freie Entscheidung. Vielleicht bedarf es hier anderer Aufklärung, als nur eine Nachverfolgung der Medikation über eine App.


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

USA: Erstes Krankenhaus verschreibt elektronische Tablette

Sensor-Pille überwacht Medikation

Transformationsprozesse als Chance nutzen und gestalten

Die digitale Welt der Patienten

Sensor kontrolliert die Adhärenz

Big-Brother-Pille

Wie es mit dem Medikationsplan weitergeht

Schon digitaler als gedacht

2 Kommentare

Big-Brother- Pille

von Isa Müller am 12.01.2016 um 20:01 Uhr

Ich schließe mich dem Kommentar von "Alarmglocken" voll an: Diese Daten könnte man mit dem Medikamentenplan der eGK verknüpfen, damit wäre der gläserne Patient im eHealth-System verwirklicht. Außerdem befürchte ich, daß dies vielerlei Begehrlichkeiten weckt entsprechend dem Motto : Entdecke die Möglichkeiten. Die
angebliche "Freiwilligkeit der Speicherung meiner sensibelsten Daten" demnächst auf der eGK wird mit Sicherheit irgendwann in einer "Unfreiwlligkeit" enden.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Alarmglocken

von Peter Bauer am 12.01.2016 um 16:03 Uhr

Stück für Stück schreitet die Überwachung fort.Die Bedrohung wird immer größer.Es gibt wohl immer einen Prozentsatz an Einnahmeschlampigen.Die Gefahr ,die durch mittlerweile immer mehr ausufernde Überwachung entsteht ,ist wohl um ein vielfaches bedrohlicher als die vermeintlich höheren Kosten.Wer könnte diese Daten und andere Gesundheitsdaten in Zukunft nutzen?Wie werden diese Daten und andere erhobene scheinbar harmlose Daten wohl ausgenutzt um den Patienten unter Druck zu setzen?Wie können Sie überhaupt benutzt werden zum Nachteil von uns allen?Die Vorteile sind verschwindend gering ,gegenüber den möglichen Nachteilen solcher Erungenschaften

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Kommentar abgeben

 

Ich akzeptiere die allgemeinen Verhaltensregeln (Netiquette).

Ich möchte über Antworten auf diesen Kommentar per E-Mail benachrichtigt werden.

Sie müssen alle Felder ausfüllen und die allgemeinen Verhaltensregeln akzeptieren, um fortfahren zu können.