Resistente Krankenhauskeime

Stationäre Antibiotika-Therapie nur interdisziplinär erfolgreich

01.06.2015, 18:50 Uhr

Edith Bennack ist sich sicher: Eine Antibiotika-Therapie kann nur interdisziplinär erfolgreich sein. (Foto: pharmacon.de)

Edith Bennack ist sich sicher: Eine Antibiotika-Therapie kann nur interdisziplinär erfolgreich sein. (Foto: pharmacon.de)


Meran – Wie kann das Problem des zunehmenden Einsatzes an Antibiotika und der steigenden Resistenzgefahr im stationären Bereich gelöst werden? Edith Bennack, Leiterin der Apotheke des St. Elisabeth-Krankenhauses in Köln, zeigte beim Pharmacon in Meran, dass mehr in Personal und die Hygiene im Krankenhaus investiert werden sollte.

Der Antibiotika-Verbrauch ist hoch: In Deutschland sind es etwa 2200 Tonnen pro Jahr. 1500 Tonnen in der Veterinärmedizin, 700 Tonnen in der Humanmedizin, und davon werden 100 Tonnen im Krankenhaus verbraucht. Auch wenn sich Deutschland damit im europäischen Vergleich im unteren Drittel befindet, sei das zu viel, so Bennack. Zumal Anzahl und Spektrum der resistenten Erreger als besorgniserregend angesehen werden. Jedes einzelne Krankenhaus sei aufgefordert, seinen Antibiotika-Gebrauch kritisch zu betrachten.

Bennack sieht die Bemühungen der Krankenhäuser, die vielen Empfehlungen umzusetzen, die vor allem vom Robert Koch-Institut gegeben werden. Doch eine immer noch weit verbreitet Praxis nach dem Motto „Darf´s ein bisschen mehr sein?“ sei nicht der richtige Weg. Es gehe vor allem um Screening-Maßnahmen, Händedesinfektion und Auswahl der Desinfektionsmittel sowie um die Isolierung von Patienten bei Infektionen mit MRSA und Chlostridien.

Das Wissen um die Eigenheiten der Erreger, die Spezifikation der Wirkstoffe und die Einhaltung der Leitlinienempfehlungen ist das eine. Die Ärzte haben oft Angst, eine Infektion zu übersehen oder zu spät eine Antibiotikabehandlung einzuleiten. Es werden zu wenig Proben genommen, um den Erreger zu bestimmen, die Therapie wird zu selten nach 48 Stunden bei Ergebniserhalt deeskaliert oder gegebenenfalls umgestellt.

Das andere ist ein konsequentes Hygienemanagement, das durchgeführt werden muss. Nur durch eine enge interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Apothekern, Ärzten, Hygienikern, Infektiologen und Mikrobiologen könne das zunehmende Problem der Resistenzen gelöst werden, ist sich Bennack sicher. Ja, es darf ein bisschen mehr sein. Ein bisschen mehr an Personal: Je weniger Patient pro Pfleger umso besser. Und ein bisschen mehr an Bewusstsein für Händedesinfektion und andere elementare Grundlagen der Hygiene.


Dr. Carolina Kusnick (ck), Apothekerin 
redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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