Nahrungsergänzung für Veganer

Ökotest: Fast alle Produkte „ungenügend“

24.04.2015, 16:30 Uhr

Bei veganer Ernährung ist nur B12-Supplementation Pflicht, alles andere hält Ökostest für unnötig (Bild: monticellllo/Fotolia)

Bei veganer Ernährung ist nur B12-Supplementation Pflicht, alles andere hält Ökostest für unnötig (Bild: monticellllo/Fotolia)


Während bei gesunden Allesessern im Normalfall keine Vitamin- oder Mineralstoffsupplemente notwendig sind, gibt es insbesondere bei streng veganer Ernährung einige Nährstoffe, die möglicherweise zu kurz kommen. Daher wird eine Reihe von Präparaten angeboten, die diese Lücke füllen sollen. Aber nicht alles was angeboten wird, ist auch sinnvoll. Ökotest hat Nahrungsergänzungsmittel für Veganer unter die Lupe genommen – mit vernichtendem Ergebnis.

Kritisch sind bei veganer Ernährung vor allem die Vitamine B2, B12 und D, Mineralstoffe wie Eisen, Jod, Zink und Calcium sowie Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA. Um Mangelerscheinungen vorzubeugen, greifen daher viele Veganer und auch Vegetarier zu Nahrungsergänzungsmitteln. Neun davon, die einen Mix aus Vitaminen- und Spurenelementen enthalten, hat Öko-Test getestet: Das Ergebnis war ziemlich ernüchternd. Von neun getesteten Präparaten aus Apotheke, Drogerie, Reformhaus und Versandhandel vergaben die Tester bei den maßgeblichen Inhaltsstoffen und auch im Gesamturteil achtmal „ungenügend“. Das neunte Präparat, das übers Internet vertriebene Vega Vital B12®, schnitt mit „ausreichend“ nur unwesentlich besser ab. 

Viele Substanzen ohne belegten Nutzen für Gesunde

In allen Präparaten war zwar Vitamin B 12 enthalten (wenn auch teilweise in viel zu hoher Dosierung), das erwiesenermaßen in nennenswertem Ausmaß ausschließlich in tierischen Lebensmitteln enthalten ist und daher bei veganer Ernährung supplementiert werden sollte. Daneben waren aber immer auch eine Reihe anderer Substanzen enthalten, deren Nutzen für gesunde Veganer nicht belegt ist. Und zwar in Dosierungen, die über das hinausgehen, was das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt. So enthält beispielweise das apothekenexklusive Orthomol Veg One® erhöhte Mengen an Vitamin D, Zink und Selen. Vitamin B12 befindet sich immerhin im empfohlenen Rahmen. Außerdem ist Eisen zugesetzt, das nach Auffassung des BfR in Nahrungsergänzungsmitteln generell nichts verloren hat. In dem Präparat, das mit einem Preis von einem Euro pro Tagesdosis das Zweitteuerste im Test ist, wurden zudem Spuren polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoffe (PAK) nachgewiesen. Sie finden sich im Algenöl, das als Quelle für die Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA fungiert. Einige PAK gelten als krebserregend. Alle anderen Produkte waren zumindest diesbezüglich in Ordnung. Ein weiterer Kritikpunkt der Tester an dem Orthomol-Produkt war die fehlende Altersbeschränkung. Weges des Zink-Zusatzes sei diese erforderlich, heißt es bei Ökotest. Dasselbe wurde aber auch bei allen anderen Präparaten außer dem „Testsieger“ bemängelt. Lediglich in den Testkategorien „weitere Inhaltsstoffe“ und „weitere Mängel“ konnten die Produkte punkten.



Ökotest: Nur Vitamin B 12 zur Vorbeugung

Ökotest rät daher, bei rein veganer oder vegetarischer Ernährung mit wenig Milchprodukten Vitamin B12 mit Monopräparaten in empfohlener Dosierung (mind. 3 µg bis max. 9µg/Tag) oder mit angereicherten Lebensmitteln zu supplementieren. Und zwar prophylaktisch, nicht erst wenn ein Mangel auftritt. Alles andere halten die Tester ohne erwiesenen Mangel für überflüssig, da die entsprechenden Mikronährstoffe mit einem ausgewogenen Speiseplan in ausreichender Menge zugeführt werden können. Verbände raten zudem zur regelmäßigen Kontrolle von Blutwerten, um einen Mangel frühzeitig zu erkennen.

Eine Übersicht über alle getesteten Produkte erhalten sie hier.


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4 Kommentare

B12 muss höher Dosiert werden

von Timo M am 17.02.2018 um 11:13 Uhr

Bei oraler B12-Einnahme der im Artikel empfohlenen "mind. 3 µg bis max. 9µg/Tag" wird der Tagesbedarf nicht annähernd gedeckt. B12 muss hochdosiert eingenommen werden, da ein spezieller Aufnahmemechanismus dafür sorgt, dass pro Einnahme nur 1,2µg plus 1,2% der eingenommenen Menge tatsächlich verarbeitet werden kann. Zudem kommt es bei der Verwertbarkeit auf die chemische Struktur des Vitamins an, denn B12 existiert in mehreren "Varianten". Die billigeren Vertreter, wie Cyanocobalamin, die sich in vielen Produkten finden, sind jedoch viel schlechter verwertbar, als das teure und empfindliche Methylcobalamin. Vielleicht sollten man sich vor dem Test solcher Produkte besser mit der Materie vertraut machen. (Quelle (eine von vielen, inkl. Verweis auf med. Studien): https://www.vitaminexpress.org/de/vitamin-b12)

» Auf diesen Kommentar antworten | 3 Antworten

AW: B12 muss höher Dosiert werden

von Sebastian Helmer am 07.07.2018 um 21:22 Uhr

habe jetzt seit einiger Zeit die Vitaminexpress Lutschtabletten (https://www.servusapotheke.at/vitamin-express-vitamin-b12-1000-mcg-lutschtabletten.html) weiß jemand, welche Verwertbarkeit dieses B12 hat?
Danke

AW: B12 muss höher Dosiert werden

von 18 gute Jahre am 26.10.2019 um 9:42 Uhr

Im Buch „Vegan-Klischee Ade“ von Rittenau wird erklärt, dass in den meisten Fällen alle Formen von B12 gleich gut verwertbar sind, sofern man keine seltene Erkrankung hat. Insofern ist dein Kritikpunkt nicht ganz richtig. Dort mal lesen, da Rittenau sich in der Regel mit vielen Studien befasst und nicht nur mit einzelnen.

AW: B12 muss höher Dosiert werden

von 18 gute Jahre am 26.10.2019 um 9:51 Uhr

Korrektur: Es scheint tatsächlich Unterschiede zu geben und man muss unterschiedlich hoch dosieren je nach Art des Supplements.

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