WIdO-Studie

Ältere Patienten erhalten oft ungeeignete Arzneimittel

Berlin - 07.12.2010, 15:22 Uhr


Nahezu jeder dritte gesetzlich Krankenversicherte ab 65 Jahren hat im Jahr 2009 mindestens ein Arzneimittel erhalten, das für ältere Patienten als ungeeignet gilt. Dies geht aus einer aktuellen Analyse des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) hervor.

Mit zunehmendem Alter nimmt die Erkrankungshäufigkeit zu – und damit einhergehend auch der Arzneimittelverbrauch. Fast die Hälfte aller verordneten Arzneimittelpackungen geht an Versicherte über 65 Jahre, obwohl sie lediglich ein Fünftel der Versicherten der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) stellen. Gleichzeitig sind speziell ältere Menschen besonders anfällig, unerwünschte Wirkungen zu erleiden. Für einige Arzneimittel ist das Risiko unerwünschter Wirkungen bei älteren Patienten besonders hoch und diese Risiken sollten möglichst vermieden werden.

Im Rahmen des Verbundprojektes PRISCUS haben Wissenschaftler für Deutschland eine Liste mit für ältere Menschen potenziell ungeeigneten Arzneimitteln erstellt. Diese PRISCUS-Liste umfasst 83 Arzneistoffe. Mehr als die Hälfte dieser Wirkstoffe wirken auf das Nervensystem, wie eine Reihe von Antidepressiva, Schlaf- und Beruhigungsmitteln sowie Mittel gegen Psychosen. Auch unter den Wirkstoffen zur Therapie von Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden 17 Substanzen als potenziell inadäquat zum Einsatz bei älteren Patienten eingestuft. Zudem sollten acht Arzneimittel zur Behandlung von rheumatischen Erkrankungen und Schmerzen möglichst nicht bei älteren Menschen verwendet werden.

Das WIdO hat nun analysiert, in welchem Umfang ältere Patienten mit diesen Arzneimitteln im Jahr 2009 therapiert wurden. Danach haben – basierend auf der Analyse von mehr als 6 Millionen anonymisierten Patientendaten – 29 Prozent der über 65-jährigen GKV-Versicherten im Jahr 2009 von ihrem Arzt mindestens ein Arzneimittel verordnet bekommen, das nach der nun vorliegenden Liste für ältere Patienten als potenziell ungeeignet gilt.

Es zeigte sich, dass ältere Frauen gegenüber älteren Männern ein deutlich höheres Risiko haben, ein potenziell ungeeignetes Arzneimittel zu erhalten. So haben ca. 32 Prozent der Frauen ab 65 Jahre gegenüber 24 Prozent der Männer im Jahr 2009 mindestens einmal ein Arzneimittel der PRISCUS-Liste verordnet bekommen. Ältere Frauen wurden insbesondere mit kritischen Psychopharmaka wie Schlaf- und Beruhigungsmitteln (23 Prozent) und Mittel gegen Depressionen (21 Prozent) behandelt. Männer erhielten eher Arzneimittel zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (25 Prozent).

Auf Platz 1 der zehn verordnungsstärksten Arzneimittel der PRISCUS-Liste lag 2009 mit mehr als 25 Millionen älteren Patienten verordneten Tagesdosen das Schmerzmittel Arcoxia mit dem Wirkstoff Etoricoxib. Auf Platz zwei folgte Vesicur, ein Arzneimittel gegen übermäßigen Harndrang. 


Kirsten Sucker-Sket