Wirkstoffe der Priscus-Liste

ZI informiert über Verordnungsverhalten

Berlin - 06.03.2012, 14:26 Uhr


Ab sofort stellt das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (ZI) in Kooperation mit der einer Forschungsgruppe an der Universität Köln Auswertungen über die Verordnung potenziell inadäquater Medikation (PIM) für ältere Menschen zur Verfügung. Grundlage sind die 83 Wirkstoffe der Priscus-Liste.

Das ZI informiert unter www.zi.de im Rx-Trendbericht monatlich über die Entwicklung sämtlicher bundesweit zulasten der Krankenkassen erfolgten Arzneimittelverordnungen. Die Auswertungen basieren auf den monatlichen Arzneimittelabrechnungsdaten der Apotheken in Deutschland. Mit den Auswertungen rund um PIMs enthält der Rx-Trendbericht nun auch Aussagen zum Verordnungsverhalten für multimorbide ältere Patienten.

„Ältere Menschen sind durch die meist vorhandene Multimorbidität und Multimedikation einem höheren Risiko für unerwünschte Arzneimittelwirkungen ausgesetzt“, erläutert der ZI-Vorsitzende Dr. Andreas Köhler die besondere Problematik bei älteren Patienten. Das Risiko unerwünschter Wirkungen könne durch die Auswahl bestimmter für die Behandlung im Alter ungeeigneter Arzneimittel noch erhöht werden.

Laut Verordnungs-Monitor wurden von Januar bis November 2011 in Deutschland 8,7 Millionen Packungen der Priscus-Wirkstoffe an über 65-jährige Patienten verordnet. Der Verordnungsanteil und die verordnete Menge in Tagesdosen sind jedoch kontinuierlich rückläufig. So betrug der Verordnungsanteil bei Patienten im Alter von mindestens 65 Jahren im 1. Quartal 2009 noch 4,3 Prozent – im 3. Quartal 2011 nur noch 3,5 Prozent. 

In der Gruppe der auf das Zentralnervensystem wirkenden Mittel (ZNS) betreffen allerdings circa 18 Prozent der Verordnungen Priscus-Wirkstoffe. So wurden im Jahr 2011 rund 808.000 Packungen des Antidepressivums Amitriptylin an ältere Menschen verordnet. Damit ist der Wirkstoff die mit Abstand am häufigsten verordnete PIM in der ZNS-Gruppe. In der Gruppe der Herz-Kreislaufmittel wird der Wirkstoff Doxazosin, der für ältere Patienten ebenfalls als inadäquat eingestuft ist, am häufigsten eingesetzt.


Juliane Ziegler


Das könnte Sie auch interessieren

Arzneimittelversorgung älterer Menschen

Priscus-Liste zeigt Wirkung

Aktuelle Auswertung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung

Immer mehr ältere Patienten ohne Priscus-Medikation

Polymedikation und Risikobewusstsein

WIdO-Studie: Ältere Patienten unterschätzen Risiken

Mit Beers, Forta, Priscus und Co. die Therapie für Ältere optimieren

Was Listen leisten können

Ungeeignete Arzneimitteltherapie im Alter

Frauen sind besonders gefährdet