Prisma

Pinocchio schafft Präzedenzfall

Metaanalyse enthüllt Neigung zur Unehrlichkeit

rr | Männer lügen häufiger als Frauen, jüngere Menschen mehr als ältere – zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts (MPI) für Bildungsforschung nach der Auswertung von 565 Studien.
Foto: keki – stock.adobe.com

Ob ein Mensch zum Lügen neigt, hängt von vielen Faktoren ab. In Studien muss deshalb berücksichtigt werden, mit welchen experimentellen Situationen die Probanden konfrontiert werden. Ein gängiger Versuch ist das zufallsbedingte Münzwurfspiel. Dabei werfen die Teilnehmer eine Münze und geben das Ergebnis per Computer durch. Bei Kopf bekommen sie Geld, bei Zahl nichts. Statistisch gesehen müsste das Verhältnis bei einer großen Anzahl an Durchführungen 50 zu 50 betragen. Jedoch wird in den meisten Studien öfter Kopf als Zahl genannt, d. h. die Teilnehmer sind wohl nicht ganz ehrlich.

In die Metaanalyse des MPI, die gemeinsam mit dem Technion-Israel Institute of Technology veröffentlicht wurde, gingen Daten von insgesamt 44.050 Probanden ein, welche sich in verschiedenen experimentellen Situationen wie beispielsweise dem Münzwurfspiel für eine Antwort entscheiden mussten. 42% aller Männer und 38% aller Frauen logen während der Experimente. Zudem war die Unehrlichkeit eine Frage des Alters: Bei einem 20-Jährigen lag die Wahrscheinlichkeit, zu lügen, etwa bei 47%, bei einem 60-Jährigen nur noch bei 36%.

Inwieweit die Ergebnisse die Gesellschaft tatsächlich abbilden, ist ungewiss. Den Autoren zufolge ist Unehrlichkeit nicht einfach nur die Eigenschaft einer Person, sondern spielt systematisch mit den Bedingungen der Umwelt zusammen. |

Quelle

Gerlach P et al. The truth about lies: A meta-analysis on dishonest behavior. Psychol Bull 2019;145(1):1-44

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