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Leitbild und „Apotheke der Zukunft“

Leitbild-Konferenz der Apothekerkammer Hamburg

Eine lange und lebhafte Diskussion entspann sich nach dem einführenden Referat von ABDA-Vizepräsident Mathias Arnold am 23. Januar im Hörsaal des Instituts für Pharmazie in Hamburg. Die Apothekerkammer hatte ihre Mitglieder zu einer Veranstaltung eingeladen, mit der auf die Online-Befragung zum neuen Leitbild aufmerksam gemacht werden sollte.

Im Vergleich zu den Kammerversammlungen, die sich mit dem Thema der Hamburger Kammergebühren befassten, war die Resonanz leider etwas gering. Dafür diskutierten die rund 30 Teilnehmer aber sehr offen und angeregt. Arnold ging in seinem Vortrag zunächst auf die Gründe ein, warum es gerade jetzt notwendig sei, neue „Leitplanken“ für die öffentlichen Apotheken zu setzen. Die Veränderungsprozesse im deutschen Gesundheitswesen fänden sonst ohne aktive Beteiligung der Apotheker statt. Genannt wurden hier u.a. die Stichworte demografischer Wandel, ein branchenübergreifender Wettbewerb um Berufsnachwuchs, Konsumententrends wie eine wachsende Individualisierung („mein persönlicher Berater“), Globalisierung und Urbanisierung.

Bitte beteiligen Sie sich!

Alle angestellten Apotheker sind aufgerufen, sich an der dreiwöchigen Online-Befragung und -Diskussion vom 1. bis 21. Februar auf der Website www.leitbildprozess.de zu beteiligen. Als Approbierte haben Sie in den letzten Tagen ein entsprechendes Anschreiben mit den Zugangsdaten erhalten. Nutzen Sie diese Möglichkeit zur berufspolitischen Mitwirkung und Mitbestimmung! Denn es wird kein Leitbild allein für die Selbstständigen, wie auch der Hamburger Kammerpräsident Kai-Peter Siemsen betonte.

Die Online-Plattform besteht aus zwei Teilen: Zum einen gibt es geschlossene Fragen, zum anderen ein offenes Diskussionsforum für die Mitglieder der jeweiligen Kammer. Dort können Sie unter Ihrem Klarnamen mit anderen Kammermitgliedern diskutieren und Ihre Anregungen, Fragen und Kommentare einbringen. Die Moderation kümmert sich dabei ausschließlich um das Einhalten der Netiquette.

Die Strategie, die Privilegien passiv zu verteidigen, so wie es in der Vergangenheit den Apothekern oft vorgeworfen wurde, sei daher zum Scheitern verurteilt. Das angestrebte neue Leitbild müsse ein „realistisches Idealbild der Zukunft“ sein, so Arnold. Es vereine eine Vision und daraus abgeleitete Missionen. Seine Funktionen sieht der ABDA-Vize wie folgt:

  • Orientierung gegenüber Politik und Gesellschaft
  • Grundlage für Entscheidungsprozesse
  • Rahmen für Verhandlungen (Honorare, ordnungspolitischer Rahmen)
  • Leitlinie für Aus-, Fort- und Weiterbildung
  • Definition der Rolle im Zusammenspiel mit anderen Heilberufen
  • Leitplanken für ABDA, Kammern und Verbände.

Die Alternativen – zum Beispiel ein „Gesundschrumpfen“, eine Deprofessionalisierung zum „Gesundheitsverkäufer“ oder das Prinzip Hoffnung – könne niemand ernsthaft wollen. Mit dem neuen Leitbild soll der Berufsstand gesichert werden; es gehe nicht um Veränderung um des Veränderns willen. Um eine neue Vision zu entwickeln, müsse man allerdings seine Apothekentür einmal zumachen und eine Position mit Weitblick einnehmen.

Arnold nannte folgende Aspekte, die im Leitbild berücksichtigt werden sollten:

  • Der Patient in der Apotheke: Mitwirkung und Mitbestimmung
  • Die Rolle der Apotheken im Gesundheitssystem und in der Gesellschaft
  • Die Leistungen der Apotheke
  • Der Apotheker im Netzwerk mit anderen Heilberufen
  • Das Team in der Apotheke: Wissen und Kompetenzen
  • Die Apotheken zwischen Versorgungsauftrag und Unternehmertum.

Der Ablauf

Konkret startet am 1. Februar die Online-Befragung (s. Textkasten); im März werten die Apothekerkammern die Ergebnisse aus und leiten sie an die ABDA weiter, die im April einen Konvent zur „Weiterentwicklung der öffentlichen Apotheke in Deutschland“ abhält. In einer weiteren zweiwöchigen Online-Aktion können alle Kammermitglieder das erarbeitete Leitbild kommentieren. Auf dem Apothekertag am 17. September in München ist dann die Vorstellung und Verabschiedung geplant. Der Prozess sei jedoch keine Abstimmung oder repräsentative Befragung, betonte der ABDA-Vize.

Kontrovers diskutiert wurde danach die Frage, inwieweit Wünsche anderer Akteure (Patienten, Selbsthilfegruppen, Kassen, andere Heilberufe u.a.), aber auch der Bevölkerung insgesamt – Stichwort Marktforschung – in das Leitbild einfließen sollten. Es sei wichtig, sich externe Unterstützung zu suchen, die die Ziele der Apotheker mitträgt, meinte jemand aus dem Publikum.

Außerdem ging es um die Frage, wie konkret ein Leitbild sein sollte. So könnten falsche Erwartungen in der Politik geweckt werden, wenn Visionen mit bereits erfüllbaren Ansprüchen verwechselt werden. Auch die Frage von Konsequenzen bzw. Sanktionen beim Verstoß gegen das Leitbild wurde angesprochen. Die Compliance der Apotheker mit dem neuen Leitbild wird sicher wesentlich über dessen Erfolg oder Misserfolg entscheiden.

Hinterfragt wurde auch der straffe Zeitablauf. Darauf entgegnete Arnold: Die Apotheker haben aktuell ein Zeitfenster, das sich für eine solche Diskussion über die Zukunft eigne. Schon 2015 könne sich dieses Fenster wieder schließen.

Als schwierig erwies sich die Abgrenzung von Berufsbild und Leitbild. Überhaupt wurde der Begriff Leitbild als zu normativ und ausgrenzend kritisiert. Dazu versprach Arnold: „Es wird nicht Leitbild 2030 heißen!“ Im Publikum kam dagegen „Apotheke der Zukunft“ gut an. 

Dr. Sigrid Joachimsthaler

 

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