Gesundheitspolitik

Der Apfel als Mittelpunkt – oder Give-away?!

Andreas Kaapke ist Professor für Handelsmanagement und Handelsmarketing an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, Standort Stuttgart, und Inhaber des Beratungsunternehmens Prof. Kaapke Projekte. E-Mail: a.kaapke@kaapke-projekte.de

Allzu oft mussten Apotheker in den letzten zehn bis zwölf Jahren in den sauren Apfel beißen, wenn es um Gesetze und ihre wirtschaftliche Situation ging. Mit dem GMG 2004 begannen die Einschnitte in massiver Form, aber auch davor waren schon erste Einbrüche zu erkennen. Das Sprichwort ist eigentlich aktiver Natur, nämlich dergestalt, dass man sich zu etwas Unangenehmem entschließt und etwas Negatives also Saures auf sich nimmt. Zwischenzeitlich muss man aber schon mal in einen hingehaltenen sauren Apfel beißen, also eher als Reagierender fungieren, weil man die Alternative als noch säuerlicher empfindet oder weil es gar keine Alternative gibt. Saure Äpfel essen die wenigsten gerne, deswegen müssen sie als Übel für alles und jeden herhalten. Im Schwäbischen geht die Wendung sogar noch weiter, indem die Weisheit angefügt wird, dass man in manchen sauren Apfel beißen muss, bis man einen süßen findet. Neudeutsch nennt man das „trial and error“.

Schlecht wäre es allerdings, wenn das Apothekenpersonal in der Offizin den Eindruck gegenüber Kunden vermitteln würde, es habe gerade in einen sauren Apfel gebissen.

Haben sich Apotheker und ihre Teams in den letzten Jahren „für einen Apfel und ein Ei“ (für en Appel und en Ei), also unter Wert verkauft? Diese Redewendung rührt daher, dass Eier, Äpfel und Brot gemeinhin als reichlich verfügbar angesehen werden, so dass sie als Synonyme für eine Kleinigkeit gelten können. Oder eben als etwas, was man strenggenommen auch verschenken könnte, da es eh wenig wert ist.

Noch einen Apfel mit jemandem zu schälen haben, ist die weit weniger bekannte Variante des mit jemandem noch ein Hühnchen zu rupfen haben, was in anderen Sprachkreisen dann jeweils variiert wird (avoir des petits pois à écosser ensemble oder to have a bone to pick with a person, zitiert nach Röhrich, Lutz, Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten Bd. 1, 4. Aufl., Freiburg im Breisgau 2003). Für diese Gruppe gäbe es hinreichend Beispiele, denn Apotheker hätten mit manchem Partner (ob dieser den Namen auch verdient) einen Apfel zu schälen. Seien es die Krankenkassen in Sachen Retaxationen oder Rabattverträgen, in Sachen GKV-Kassenabschlag und vielem mehr, seien es zu schälende Äpfel mit der Politik über Honorierung und andere wichtige Themen oder seien es Themen wie Effizienzen, die mit Dienstleistern im Arzneimittelbereich zu besprechen wären.

Ein besonderes Anliegen muss das Sprichwort sein, dass allzu oft Äpfel mit Birnen verglichen werden, obgleich es ursprünglich verwechseln heißt. Und da etwas verwechselt wird, kann es dann auch verglichen werden. In Apotheken und mit Apotheken werden nicht selten unzulässige Vergleiche angestellt, also Äpfel mit Birnen verglichen. Wenn das eigene Ergebnis mit dem Durchschnitt (welchem eigentlich?) verglichen wird, einer absolut nicht vergleichbaren Apotheke gegenübergestellt wird oder gar Punkte miteinander verglichen werden, die unterschiedlich erhoben wurden und sich demnach einem Vergleich entziehen, sind Birnen und Äpfel am Start, bei manchem angestellten Vergleich könnte man auch von Äpfeln und Gurken sprechen.

Veräppelt wurden die Apotheker schon des Öfteren, ob Zusagen seitens der Politiker nicht in dem Maße eingehalten wurden, wie man sich ausgemalt hatte oder ob die Presse bei Weitem nicht so geschmeidig mit den Apothekern umging wie sich diese das vielleicht gewünscht hätten. Dieses „Verkohlen“, „Verspotten“ oder noch umgangsprachlicher „Verarschen“ stellt den Veräppelten bloß. Wenn der Apfel nicht weit vom Stamm fällt, ist gemeint, dass Kinder in Aussehen und/oder Verhalten ihren Eltern sehr ähnlich sind. In Parodien dazu wird der Stamm gerne durch Pferd ersetzt, in der semantischen Wirkung bleibt dies aber unbedeutend. Im übertragenen Sinne könnte man auch vermuten, dass die Nachfolger sich nicht wirklich von ihren Vorgängern unterscheiden und die Änderung im Vergleich zur Kontinuität eher bescheiden ausfällt. Mit anderen Worten, einmal Apotheker immer Apotheker. Das System erfindet sich nicht hinreichend neu oder aber der durch einen Generationswechsel erhoffte frische Wind bleibt eher überschaubar.

Versöhnlich stimmt uns da die letzte anzumerkende Redensart: „An apple a day, keeps the doctor away“. Jeden Tag einen Apfel und es klappt mit der Gesundheit. Sollte daran etwas dran sein und das haben viele Redensarten an sich, und berücksichtigt man die Neigung vieler Handelsformate über Dienstleistungen und Services Frequenz in ihre Geschäfte zu bringen, wundert man sich, dass es in nicht mehr Apotheken als Give-away Äpfel gibt. Traubenzucker und Kundenzeitschrift, Papiertaschentücher und Brillenputzhilfen, alles da, nur wo sind die Äpfel? Oder sollte ich jetzt Äpfel und Give-aways verwechselt haben?

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