Wirtschaft

GKV: Gute Ausgangsposition für die Zukunft

Finanzergebnisse für 2013 – Gesamtreserven von 30,3 Milliarden Euro – Anfang 2015 soll es neue Finanzarchitektur der Krankenversicherung geben

leo | Insider dürften nicht überrascht sein: Während der Überschuss der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) im Jahr 2012 noch bei 5,07 Mrd. Euro gelegen hatte, verringerte er sich 2013 deutlich auf 1,18 Mrd. Euro. Gleichwohl verfügten die 134 gesetzlichen Krankenkassen zum Jahreswechsel 2013/14 über ein Finanzpolster von 16,7 Mrd. Euro. Der Gesundheitsfonds (ohne landwirtschaftliche Krankenkasse) wies zum gleichen Zeitpunkt einen Jahresüberschuss von 510 Mio. Euro auf und brachte es auf eine Liquiditätsreserve von 13,6 Mrd. Euro. Damit summierten sich die Gesamtreserven in der GKV auf 30,3 Mrd. Euro. Zum Jahreswechsel 2013/14 waren nach den Finanzergebnissen des Bundesgesundheitsministeriums alle gesetzlichen Krankenkassen schuldenfrei.

Den Einnahmen der Krankenkassen in Höhe von 195,6 Mrd. Euro standen 2013 Ausgaben von 194,4 Mrd. Euro gegenüber. Die Zuzahlungen der Versicherten, insbesondere zu Arzneimitteln, Leistungen der Physiotherapie sowie Heil- und Hilfsmitteln summierten sich im vergangenen Jahr auf 3,58 Mrd. Euro. Der Zuschuss des Bundes an die GKV für versicherungsfremde Leistungen wie die beitragsfreie Mitversicherung von Ehegatten oder Kindern, Mutterschaftsgeld und Krankengeld bei Erkrankung eines Kindes belief sich auf 11,5 Mrd. Euro. Er war für 2013 von 14 auf 11,5 Mrd. Euro gekürzt worden.

Spannend verspricht die Entwicklung um den Bundeszuschuss und damit um den Gesundheitsfonds in diesem Jahr zu werden. Zwar sind den Krankenkassen 14 Mrd. Euro verbindlich zugesagt. Doch der Bundesfinanzminister will den Betrag um 3,5 auf 10,5 Mrd. Euro kürzen, was letztlich dem Bundeshaushalt zugute käme, vor allem bei einem Blick auf das Jahr 2015, in dem der Bundeszuschuss bei 11,5 Mrd. Euro liegen soll. Dann möchte Wolfgang Schäuble eine „Schwarze Null“ in seinem Zahlenwerk haben. Erstmals seit dem Jahre 1969 soll der Bund im nächsten Jahr dann nicht mehr ausgeben als er einnimmt. Ein Ausgleich, gleichsam als „Trostpflaster“, ist für die Jahre 2017 und 2018 vorgesehen: Der Bundeszuschuss an die Krankenkassen soll dann 14,5 Mrd. Euro betragen – jeweils 500 Mio. Euro mehr als vorgesehen. Doch Spitzenrepräsentanten der Krankenkassen haben bereits Zweifel angemeldet, ob in Zukunft, d.h. ab 2017, wieder mehr Geld in den Gesundheitsfonds fließt. Der neue Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe weiß um die schwierige Situation, vor der die GKV in nächster Zeit steht, zumal die Finanzreserve in nächster Zeit schneller abnehmen dürfte, als es der Politik und den Krankenkassen recht ist. Gleichwohl übt er sich in Optimismus und sagt: „Wir haben zur Zeit Reserven von über 30 Mrd. Euro in der GKV. Sie steht auf einem sehr soliden Fundament.“ Und weiter: „Damit bildet die Finanzentwicklung eine sehr gute Ausgangslage für die neue Finanzarchitektur der Krankenversicherung, die wir Anfang 2015 einführen werden.“ Ab dem nächsten Jahr soll unter anderem ein kassenindividueller Zusatzbeitrag eingeführt werden.

Weiterhin unterschiedlich gestaltet sich die finanzielle Situation bei den einzelnen Krankenkassen-Arten, wenngleich nach wie vor viele Träger von den günstigen Rahmenbedingungen infolge der guten wirtschaftlichen Konjunktur profitieren. So erzielten die elf Ortskrankenkassen (AOKen) 2013 Überschüsse von 977 Mio. Euro. Auch bei den 109 Betriebskrankenkassen (+193 Mio. Euro), den sechs Innungskrankenkassen (+63 Mio. Euro) und der Knappschaft (+28 Mio. Euro) waren Überschüsse zu verzeichnen, während die am 1. Januar 2013 neu aufgestellte Landwirtschaftliche Krankenkasse ein Defizit von 30 Mio. Euro aufwies. Die sechs Ersatzkassen hatten ebenfalls ein Minus von 52 Mio. Euro.

Im Gegensatz zu früheren Jahren haben zahlreiche Krankenkassen 2013 Prämien im Umfang von rund 611 Mio. Euro an ihre Mitglieder ausgeschüttet – über zehnmal so viel wie im Vergleichszeitraum des Vorjahres (53 Mio. Euro). Die damit verbundenen Ausgaben der Krankenkassen, die weggefallenen Zusatzbeiträge (2013 eine Summe von rund 180 Mio. Euro) und die einseitigen Verpflichtungsbuchungen im Bereich des Risikostrukturausgleichs erklären das überraschende Defizit bei den Ersatzkassen.

Ausgabenentwicklung

Insgesamt stiegen die Leistungsausgaben 2013 je Versichertem insgesamt um 5,1 Prozent, wobei die Entwicklung in den einzelnen Leistungsbereichen sehr unterschiedlich verlaufen ist. Während die Ausgaben für Arznei- und Verbandmittel um 2,4 Prozent gestiegen sind, stiegen die Kosten für ärztliche Behandlungen, nicht zuletzt durch den Wegfall der Praxisgebühr zum 1. Januar 2013, um über 10 Prozent an. Die Tabelle gibt einen Überblick über die Kostenentwicklung der einzelnen Bereiche. 

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