Wirtschaft

Positive Entwicklung bei den Krankenkassen setzt sich fort

Gesamtreserven von 27,7 Mrd. Euro

(leo). In abgeschwächter Form scheint sich die Erfolgsbilanz der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) auch in diesem Jahr fortzusetzen: Die 134 gesetzlichen Krankenkassen haben nach den vorliegenden Finanzergebnissen das erste Quartal 2013 mit einem Überschuss von 850 Mio. Euro abgeschlossen. Dabei standen den Einnahmen in Höhe von 48,87 Mrd. Euro Ausgaben von 48,02 Mrd. Euro gegenüber.

Allein die Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) und die Ersatzkassen, die rund zwei Drittel des Marktes abdecken, kommen nach den jüngsten Zahlen auf ein Plus von 583 Mio. Euro (AOK + 449 Mio. Euro und Ersatzkassen + 134 Mio. Euro). Auch bei Betriebskrankenkassen (+ 103 Mio. Euro), Innungskrankenkassen (+ 91 Mio. Euro), Knappschaft (+ 72 Mio. Euro) und Landwirtschaftlicher Krankenkasse (+ 1 Mio. Euro) ist ein Überschuss zu registrieren. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres hatte das Plus insgesamt noch bei 1,51 Mrd. Euro gelegen und war damit um 660 Mio. Euro höher gewesen.

Insgesamt dürften aktuell neben dem Wegfall der Praxisgebühr am 1. Januar 2013 auch die bereits beschlossenen Finanzhilfen für die Krankenhäuser, Verbesserungen beim Apotheken-Notdienst sowie die geplanten Leistungsausweitungen im Bereich der Prävention und der betrieblichen Gesundheitsforderung in den nächsten Monaten zu Buche schlagen, aber nach Ansicht des Bundesgesundheitsministeriums auch vertretbar sein.

Gleichwohl sind die Rücklagen und Reserven der Krankenkassen Ende März 2013 auf ein Rekordniveau von 16,4 Mrd. Euro gestiegen. Der Gesundheitsfonds, der die Beiträge der Krankenkassen als "Geldsammelstelle" sammelt, verfügte zum gleichen Stichtag über eine Liquidität von mehr als 11,3 Mrd. Euro, auch wenn das Defizit hier saisonüblich bei 1,77 Mrd. Euro lag. Hinzu kommt allerdings, dass der Bundeszuschuss für 2013 von 14 auf 11,5 Mrd. Euro gekürzt wurde und somit im ersten Quartal 2013 um rund 0,6 Mrd. Euro niedriger lag als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr erklärte in einem ersten Resümee: "Die positive Finanzentwicklung der letzten Jahre setzt sich erfreulicherweise auch zu Beginn dieses Jahres fort. Die gute Finanzlage kommt vor allem den Versicherten zugute; denn für dieses Jahr werden viele Krankenkassen Prämien auszahlen oder ihren Versicherten Leistungsverbesserungen anbieten. Im Lauf des Jahres profitieren mehr als sieben Millionen Versicherte von Prämienzahlungen mit einem Gesamtvolumen von bis zu 700 Mio. Euro.

Ein Anstieg der Arzneimittelkosten von nur 0,1 Prozent

Die finanzielle Lage bei den Krankenkassen ist weiterhin unterschiedlich, wenngleich alle Träger von den günstigen Rahmenbedingungen (gute Beschäftigungslage, niedrige Arbeitslosigkeit) profitieren. Je Versicherten gab es in den ersten drei Monaten 2013 einen Ausgabenzuwachs von 4,3 Prozent. Dabei sind die Arzneimittelausgaben der Krankenkassen erfreulicherweise nur um 0,1 Prozent gestiegen. Neben dem bis zum Jahresende 2013 geltenden erhöhten Herstellerrabatt für Nicht-Festbetragsarzneimittel haben erneut höhere Rabattvereinbarungen der Krankenkassen mit der Pharmaindustrie sowie ein günstiger Arbeitstage-Effekt im März 2013 zu der niedrigen Steigerung beigetragen.

Der Zuwachs von 10,4 Prozent je Versicherten bei den Ausgaben der Krankenkassen für ambulante ärztliche Behandlung dürfte neben den regionalen Honorarsteigerungen mindestens zur Hälfte auf die Abschaffung der Praxisgebühr zurückzuführen sein. Nach Ansicht des Gesundheitsministers führt dieser Umstand allerdings nicht zu höheren Ärzte-Honoraren, sondern dürfte die Mediziner durch den Wegfall bürokratischen Aufwands in den Praxen entlasten.

Auch der Zuwachs von 9,4 Prozent bei der zahnärztlichen Behandlung, begleitet von einem Rückgang von rund drei Prozent bei den Ausgaben für Zahnersatz, ist zum Großteil auf die Abschaffung der Praxisgebühr zurückzuführen. Daneben dürften die Aufhebung der strikten Grundlohnorientierung bei den zahnärztlichen Honoraren sowie die Punktwertangleichungen zwischen den Kassenarten das Ausgabegeschehen beeinflusst haben.

Der Anstieg bei den Ausgaben für Krankenhausbehandlung lag je Versicherten bei 2,3 Prozent und damit deutlich geringer als erwartet. Möglicherweise ist es – so vermutet es Daniel Bahr – durch die kritischen Diskussionen über die auch im internationalen Vergleich sehr hohe Zahl bestimmter Operationen zu einer abgeflachten Mengenentwicklung gekommen. Beim Krankengeld hat sich nach mehreren Jahren mit hohen oft zweistelligen Zuwachsraten der Anstieg mit einem Plus von 7,6 Prozent auf hohem Niveau nur unwesentlich verlangsamt. Er erklärt sich mit der Zunahme der Krankengeld-Bezieher in höheren Altersgruppen bei steigendem Renteneintrittsalter sowie einem Anstieg von lang dauernden psychischen Erkrankungen.

Positiv bewertet die Politik die Entwicklung im Bereich der Mütter-Väter-Kind-Kuren. Hier gab es nach deutlichen Ausgabe-Rückgängen von 2009 bis 2011 einen Anstieg von rund 15 Prozent im Jahr 2012 und im ersten Quartal 2013 erneut ein Plus von etwa 45 Prozent. Darin spiegeln sich vielfältige Bemühungen wider, zu einer verbesserten Bewilligungspraxis zu kommen.

Ahnlich positiv ist der Ausgabenzuwachs bei der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung mit einem Ausgabenanstieg von 36 Prozent zu bewerten.

Die Verwaltungskosten der Krankenkassen sind im ersten Quartal 2013 mit plus 2,6 Prozent je Versicherten nach einer zweijährigen Budgetierungsphase weiterhin moderat gestiegen. In den Jahren 2011 und 2012 waren die Krankenkassen gesetzlich verpflichtet, ihre Verwaltungsausgaben auf das Niveau des Jahres 2010 zu begrenzen.

Die weitere Perspektive für 2013 beschreibt der Minister so: "Trotz der konjunkturellen Risiken in der Euro-Zone und eines deutlich verlangsamten Wirtschaftswachstums zeichnet sich bereits jetzt ab, dass die GKV auch im Gesamtjahr 2013 auf einer soliden Finanzgrundlage stehen wird."

Die Ergebnisse im Einzelnen finden Sie in der nachfolgenden Tabelle.

Die Ergebnisse im Einzelnen


In den wichtigsten Leistungsbereichen der GKV gab es im ersten Quartal 2013 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum folgende Veränderungsraten (je Versicherten in vom Hundert):


Ausgabenart
Je Versicherten
Ärztliche Behandlung
10,4
Zahnärztliche Behandlung
8,4
Zahnersatz
- 3,0
Arznei- und Verbandmittel
0,1
Hilfsmittel
5,3
Heilmittel
3,2
Krankenhausbehandlung
2,3
Krankengeld
7,6
Fahrkosten
5,9
Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahmen
4,8
Soziale Dienste und Prävention
- 2,6
Früherkennungsmaßnahmen
2,3
Schwangerschaft/Mutterschaft
7,5
Behandlungspflege/Häusliche Krankenpflege
12,3
Leistungsausgaben insgesamt
4,4
Verwaltungskosten
2,6

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