Arzneimittel und Therapie

Fidaxomicin bei Clostridium-difficile-Infektionen: Wirksam und verträglich wie Vancomycin

Infektionen mit Clostridium difficile gehören zu den häufigsten nosokomialen Infektionen. Eine internationale Studie unter Leitung von Wissenschaftlern der Universitätsklinik Köln zur Effektivität und Sicherheit der Antibiotika Fidaxomicin und Vancomycin bei der Behandlung von Patienten mit einer Clostridium-difficile-Infektion zeigt bei vergleichbarer Verträglichkeit einen dauerhafteren Behandlungserfolg mit dem Makrolidantibiotikum Fidaxomicin, der über den bislang üblichen Behandlungsstandard hinausgeht.
Foto CDCLois S. Wiggs
Clostridium difficile können die Darminnenwände infizieren und zurEntzündung des Darms, zu Durchfall und sogar zum Tod führen. Untereiner Therapie mit Fidaxomicin kam es bei Patienten mit einer Clostridium-difficile-Infektion zu deutlich weniger Rückfällen als unter einerStandardtherapie mit Vancomycin.

Infektionen mit Clostridium difficile (CDI) als häufigste Ursache unter Umständen schwer verlaufender Diarrhöen werden in Krankenhäusern zu einem immer größeren Problem. Der Erreger verursacht mittlerweile doppelt so viele nosokomiale Infektionen wie Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA)-Stämme. Im Rahmen einer 2008 durchgeführten europäischen Erhebung wurde für Deutschland eine Inzidenz von fünf bis zehn Fällen pro 10.000 Krankenhaustage ermittelt. 22% der 455 in Europa erfassten Patienten verstarben, darunter fast jeder zweite mutmaßlich an den Folgen der Infektion.

Bei gleichem Therapieerfolg bis 50% weniger Rückfälle

Im Verdachtsfall ist eine rasche Diagnose erforderlich, um Patienten vor möglichen Komplikationen zu schützen. Unter der bisherigen Standardtherapie (Vancomycin oder Metronidazol) kommt es bei vielen Patienten nach zunächst erfolgreicher Behandlung zu Rückfällen. Gemäß den Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Klinische Mikrobiologie und Infektionserkrankungen (ESCMID) erfordert die Diagnose einer Infektion mit Clostridium difficile den Nachweis des Erregers im Stuhl sowie den Nachweis des Toxins im Stuhl oder mittels Kultur. Der Nachweis des Toxins ist zwar entscheidend, reicht aber als alleiniger Test nicht aus, da mit den kommerziell erhältlichen Schnelltests 10 bis 20% der Patienten nicht erfasst werden. Ebenso häufig sei die Diagnose falsch positiv. Unterschiedliche Angaben zur Prävalenz nosokomialer Infektionen mit Clostridium difficile innerhalb Europas seien auf mangelnde Studien in manchen Ländern zurückzuführen.

Seit Mai 2011 ist das Makrolid-Antibiotikum Fidaxomicin in den USA (Dificid®) und seit Dezember 2011 EU-weit (Dificlir®) zur Behandlung von Erwachsenen mit Infektionen mit Clostridium difficile zugelassen. Eine aktuelle Studie zur Effektivität und Sicherheit der Antibiotika Fidaxomicin und Vancomycin bei der Behandlung von Patienten mit einer CDI zeigt bei vergleichbarer Verträglichkeit einen dauerhafteren Behandlungserfolg mit Fidaxomicin, der über den bislang üblichen Behandlungsstandard hinausgeht [1]. Die doppelblinde, randomisierte Studie wurde an 509 mit CDI infizierten Erwachsenen in sieben europäischen Ländern, den USA und Canada durchgeführt. Sie erhielten über zehn Tage entweder Fidaxomicin (2 x 200 mg/Tag) oder Vancomycin (4 x 125 mg/Tag). Ein Therapieerfolg wurde mit beiden Medikationen bei etwa 90% der Patienten erzielt. Während allerdings bei 27% der mit Vancomycin behandelten Patienten die Infektion innerhalb von 30 Tagen erneut auftrat, hatten nur 13% der mit Fidaxomicin behandelten Patienten Rückfälle. Eine Heilung ohne Wiederauftreten der Infektion innerhalb von 30 Tagen wurde mit Fidaxomicin bei 77% und mit Vancomycin bei 63% der Patienten erreicht. Bereits frühere Untersuchungen hatten die Überlegenheit einer Medikation mit Fidaxomicin gegenüber einer Vancomycin-Therapie aufgezeigt [3].


Quelle

[1] Cornely, O.A.; et al.: Fidaxomicin versus vancomycin for infection with Clostridium difficile in Europe, Canada, and the USA: a double-blind, non-inferiority, randomised controlled trial. Lancet Infect. Dis. 2012; 12(4): 281 – 289.

[2] Wilcox, M.H.: Progress with a difficult infection. Lancet Infect. Dis. 2012; 12(4): 256 – 257.

[3] Hellwig, B.: EU-Zulassung: Fidaxomicin gegen Clostridium difficile. Mitteilung vom 2. Januar 2012.


Dr. Hans-Peter Hanssen



DAZ 2012, Nr. 22, S. 45

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