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Sanofi-Aventis kauft weiter ein, aber nicht bei Ratiopharm

NEW YORK/ULM (tmb). Die Pharmabranche trotzt der Finanz- und Wirtschaftskrise. So dreht sich auch das Übernahmekarussell in diesem Teil der Wirtschaft munter weiter. Kurz vor Weihnachten verstärkte Sanofi-Aventis seine Position im internationalen OTC-Geschäft. Doch bietet der französische Konzern nicht mehr für Ratiopharm. Die Entscheidung über den Verkauf des deutschen Generikaherstellers könnte bereits im ersten Quartal fallen.
Gekauft Mit der Übernahme von Chattem will Sanofi-­Aventis sein OTC-Geschäft stärken.

Sanofi-Aventis gab am 21. Dezember bekannt, für 1,9 Milliarden US-$ das US-Pharmaunternehmen Chattem zu kaufen. Die Übernahme soll im ersten Quartal 2010 vollzogen werden. "Chattem ist für uns der ideale Einstieg in diesen Markt" wird Sanofi-Aventis-Chef Chris Viehbacher zitiert. Durch die Übernahme wird Sanofi-Aventis zum fünftgrößten Anbieter von OTC-Arzneimitteln weltweit.

Große Einkaufstour

Zudem meldete die französische Zeitung "Les Echos" am 23. Dezember, Sanofi-Aventis wolle 19,9 Prozent an der dänischen Zealand Pharma übernehmen. Ein von Zealand entwickeltes Diabetesmittel werde bereits in Studien von Sanofi-Aventis eingesetzt. So setzt der französische Pharmakonzern offenbar seine bemerkenswerte Einkaufstour fort. Seit seiner Amtsübernahme vor einem Jahr hat Viehbacher bereits über 9 Milliarden US-$ für mehr als ein Dutzend Übernahmen ausgegeben, rechnete die "Business Week" kürzlich vor. Dazu gehören Helvepharm in der Schweiz, Medley in Brasilien, Laboratorios Kendrick in Mexiko und die Aufstockung des Anteils am tschechischen Generikahersteller Zentiva. Dagegen werde Sanofi-Aventis nicht weiter für den deutschen Generikahersteller Ratiopharm bieten.

Nach Einschätzungen von Analysten ist es für Sanofi-Aventis sinnvoll, neue Märkte zu erschließen oder seine Produktpalette durch weitere Zukäufe zu vergrößern, hieß es in der "Business Week". Dagegen sei es zweifelhaft, ob der Kauf eines großen europäischen Generikaherstellers in diese Strategie passe.

Bieter für Ratiopharm

Als verbleibende Bieter für Ratiopharm nannte die Nachrichtenagentur "Bloomberg" daraufhin Pfizer, Sinopharm, die Generikahersteller Teva und Actavis sowie den schwedischen Finanzinvestor EQT, der zur Investorenfamilie Wallenberg gehört. Als Gebot für Ratiopharm wurde in diesem Zusammenhang ein Betrag von 2,5 Milliarden Euro vermutet. Andere Wirtschaftsmedien nennen auch Mylan und Watson Pharmaceuticals als mögliche Interessenten und spekulieren, die Familie des verstorbenen Ratiopharm-Gründers Adolf Merckle wolle für den zweitgrößten deutschen Generikahersteller mindestens 3 Milliarden Euro erlösen. Die "Financial Times Deutschland" nimmt an, bei einem so hohen Erlös könne die Familie den Pharmagroßhändler Phoenix behalten. Angeblich könnte über den Verkauf von Ratiopharm bereits im ersten Quartal 2010 entschieden werden.

Gute Zahlen bei Ratiopharm

Ratiopharm selbst stützte eine optimistische Betrachtung durch die jüngsten Geschäftszahlen, die unmittelbar vor Weihnachten bekannt gegeben wurden. Demnach werde der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) für 2009 voraussichtlich 300 Millionen Euro betragen und damit die Planung um 20 Prozent übersteigen. "Wir haben es geschafft, unsere Planungen deutlich zu übertreffen, obwohl wir innerhalb der Ratiopharm-Gruppe umfassende Umstrukturierungen vorgenommen haben", erklärte Ratiopharm-Chef Oliver Windholz. In einem vom Preisdruck geprägten Markt werde das operative Ergebnis das Vorjahresniveau erreichen. Auch der Umsatz dürfte mit 1,6 Milliarden Euro den Vorjahreswert erreichen. Insbesondere das Auslandsgeschäft habe Umsatz und Ergebnis angekurbelt. Doch auch für sein Deutschlandgeschäft hat das Unternehmen eine positive Nachricht. So sei Ratiopharm in den jüngsten Rabattvertragsausschreibungen der AOK bei 35 Wirkstoffen zum Zuge gekommen.

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