Pharmazeutische Industrie

Sanofi machen Patentabläufe zu schaffen

Paris - 03.11.2011, 17:09 Uhr


Generika-Konkurrenz setzt dem Pharmakonzern Sanofi im dritten Quartal weiter zu. Sanofi-Chef Christopher Viehbacher gibt sich dennoch für das Gesamtjahr zuversichtlich: Die starke Nachfrage aus Schwellenländern, die gestiegenen Verkäufe von Diabetesmitteln und die Integration des US-Konzerns Genzyme konnten den negativen Effekt teilweise kompensieren.

Angetrieben von dem in Höchst hergestellten Diabetesmittel Lantus sowie der Nachfrage aus den USA und den Schwellenländern stieg der Umsatz im dritten Quartal um fünf Prozent auf 8,75 Milliarden Euro. Zu konstanten Wechselkursen legten die Erlöse gut zehn Prozent zu. Unter dem Strich führten unter anderem niedrigere Abschreibungen und Restrukturierungskosten sowie eine Neubewertung der Verbindlichkeiten zu einem deutlichen Gewinnanstieg auf 2,03 Milliarden Euro (VJ: 1,61). Der Gewinn vor Sonderposten sank dagegen um 3,0 Prozent auf 2,39 Milliarden Euro. Unter Ausklammerung von Währungseffekten ergab sich hier ein Plus von gut vier Prozent.

Sanofi mache gute Fortschritte, die Umsatzeinbußen durch den Verlust verschiedener Patente für wichtige Medikamente wie den Gerinnungshemmer Lovenox oder das Krebsmittel Taxotere hinter sich zu lassen. Finanzvorstand Jérome Contamine bezifferte den Umsatzverlust durch Nachahmermittel im dritten Quartal auf 471 Millionen Euro. Bis 2013 verlieren weitere Verkaufsschlager ihre Exklusivität.

Mit der Milliardenübernahme von Genzyme konnten die Franzosen die negativen Auswirkungen der Patentverluste wie bereits im zweiten Quartal abfedern. Im dritten Quartal steuerte die Tochter einen Umsatz von 768 Millionen Euro bei – ein Plus von rund sieben Prozent. Genzyme ist auf schwer zu kopierende Medikamente gegen seltene Krankheiten spezialisiert. Die Übernahme des US-Konzerns war der größte Zukauf seit dem Kauf von Aventis 2004. Seit Viehbachers Amtsantritt Ende 2008 hat Sanofi mehr als zwanzig Milliarden Euro für Übernahmen und neue Produktrechte ausgegeben.

Um die Abhängigkeit von patentgeschützten Medikamenten zu verringern, hat der Deutsch-Kanadier einen weitreichenden Umbau eingeleitet und Kosten gesenkt: So sollen Kernbereiche wie die in Frankfurt-Höchst ansässige Diabetessparte, die Impfstoffe, das Geschäft mit nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten gestärkt werden. Die Präsenz in den Schwellenländern wird ausgebaut. Mit einem Umsatz von 2,56 Milliarden Euro steuerten die Emerging Markets im dritten Quartal fast ein Drittel zum Konzernumsatz bei.

Zudem wurde die Forschungs- und Entwicklungsstrategie geändert. Künftig wollen die Franzosen Medikamente mehr als bisher mit externen Partnern und Biotech-Unternehmen entwickeln. Ungeachtet der jüngsten Stellenstreichungen in Deutschland soll Frankfurt-Höchst neben Paris, Boston und Peking eines der vier Forschungszentren für Sanofi sein. Bei den in Höchst produzierten Mitteln gegen die Volkskrankheit Diabetes ist Sanofi weltweit die Nummer zwei hinter der dänischen Novo Nordisk. Im Quartal seien die Umsätze mit Diabetesprodukten um gut zwölf Prozent gestiegen, sagte Viehbacher.

Während Sanofi seine Zahlen präsentierte, gingen am Standort Frankfurt Höchst mehr als 1.000 Mitarbeiter gegen die geplanten Stellenstreichungen auf die Straße. Bis Ende 2012 sollen dort rund 330 Arbeitsplätze wegfallen. Bereits 2009 wurden 150 Stellen in Höchst gestrichen. Die übrigen rund 6.000 Beschäftigten aus der Produktion sind bis Ende 2014 vor Entlassungen geschützt. Nach Konkurrenten wie Pfizer, Merck & Co und Bayer kündigten damit auch die Franzosen Stellenstreichungen an. Dies nicht im Vertrieb oder im Marketing, sondern im Herzstück jedes Pharmaunternehmens – der Forschungs- und Entwicklungsabteilung.


dpa-AFX


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