Arzneimittel und Therapie

Probiotika

Joghurt schützt vor Diarrhö durch Antibiotika

In einer britischen Studie reduzierte die zweimal tägliche Einnahme eines probiotischen Joghurtdrinks die Rate Antibiotika-assoziierter Diarrhöen erheblich. In Krankenhäusern könnten durch eine solche Maßnahme viele Kosten gespart werden.

"Probiotischer Joghurt", das klingt gesund. Den Verbrauchern wird in der Werbung meist suggeriert, dass er die Abwehrkräfte stärkt. Tatsächlich ist Joghurt das Produkt einer Fermentierung durch Milchsäurebakterien. Wird dieser Joghurt nicht sterilisiert, heißt er "probiotisch". Meist sind spezielle Bakterien zugesetzt, die die Magenpassage besser überstehen sollen als "normale" Milchsäurebakterien.

Eine Stärkung der Abwehrkräfte war zwar nicht Gegenstand einer aktuellen Studie, dafür eine andere durchaus plausible Wirkung probiotischer Joghurts. Untersucht wurde, ob ein probiotischer Joghurtdrink mit Lactobacillus casei, Lactobacillus bulgaricus und Streptococcus thermophilus zweimal täglich eingenommen während und nach einer Antibiotikatherapie, das Risiko für Antibiotika-assoziierte Diarrhöen senkt.

Durchfälle sind eine sehr häufige unerwünschte Wirkung einer Antibiotikatherapie. Man schätzt, dass bis zu 30% der Patienten, die ein Antibiotikum einnehmen müssen, während oder im Anschluss an die Therapie eine Durchfallerkrankung entwickeln. Im Krankenhaus kann sich dadurch insbesondere bei älteren Patienten die Entlassung verzögern, zudem steigt das Risiko für weitere Infektionen. Bei Durchfallerkrankungen, die auf den Problemerreger Clostridium difficile zurückgehen, besteht außerdem die Gefahr, dass sich der Erreger im Krankenhaus ausbreitet. Daher verursachen Antibiotika-assoziierte Diarrhöen eine Menge Kosten.

Joghurt verhindert ein Drittel der Diarrhöen

Insgesamt 135 ältere Patienten (Durchschnittsalter 74 Jahre) bekamen in einer randomisierten kontrollierten Studie zweimal täglich einen probiotischen Joghurtdrink oder einen Milchshake, der keine Bakterien enthielt, begleitend zu einer Antibiotikatherapie und eine Woche darüber hinaus.

Die Ergebnisse sind hoch signifikant: In der Joghurt-Gruppe entwickelten 12%, in der Kontrollgruppe 34% eine Diarrhö (p = 0,007). Zudem wurde bei den Patienten, die Probiotika einnahmen, kein Clostridium-difficile-Toxin nachgewiesen, gegenüber einer Rate von 17% in der Kontrollgruppe.

Auf die Dauer der Einnahme kommt es an

Ein genauer Blick auf die Ergebnisse zeigt, dass die Häufigkeit von Diarrhöen während der Antibiotikatherapie in beiden Gruppen etwa gleich häufig war. Erst in der Woche nach Ende der Antibiotikaeinnahme, in der die Probiotika weiter eingenommen wurden, kam es zu den drastischen Unterschieden (siehe Tabelle unten links).

Es scheint also entscheidend zu sein, dass Probiotika über die Antibiotikatherapie hinaus eingenommen werden. Dies wurde in früheren Studien mit negativem Ergebnis möglicherweise nicht ausreichend berücksichtigt.

In zukünftigen Untersuchungen sollten die wirksamen Bakterienstämme genauer identifiziert werden und ein breiteres Patientenspektrum einbezogen werden. Attraktiv ist das Prinzip schon allein aus Kostengründen, die gesamte Probiotikabehandlung kostet etwa 15 Euro, welche durch verhinderte Durchfallerkrankungen und deren Folgekosten sicher schnell eingespart sind.

Quelle

Hickson M, et al. Use of probiotic Lactobacillus preparation to prevent diarrhoea associated with antibiotics: randomised double blind placebo controlled trial. BMJ 2007;335: 80–3.

Mc Farland LV. Diarrhoea associated with antibiotic use. Evidence supports the use of probiotics, but effectiveness depends on the strain. BMJ 2007; 335:54-55.

Apothekerin Bettina Martini, Memmingen
Häufigkeit Antibiotika-assoziierter Diarrhöen während und nach einer Antibiotikatherapie mit und ohne Einnahme eines probiotischen Joghurtdrinks
Während der Antibiotikatherapie
Probiotika (n = 65)
Kontrolle (n = 62)
p-Wert
Diarrhö
4 (6,2%)
5 (8,1%)
p =0,74
Keine Diarrhö
61 (93,8%)
57 (91,9%)
Nach der Antibiotikatherapie
Probiotika (n = 53)
Kontrolle (n = 51)
p-Wert
Diarrhö
3 (5,7%)
14 (27,5%)
p =0,003
Keine Diarrhö
50 (94,3%)
37 (72,5%)
Probiotische Lebensmittel
… enthalten lebensfähige Mikroorganismen, meist handelt es sich um Milchsäurebakterien, aber auch Hefen werden manchmal zugesetzt. Hier einige Beispiele für in Nahrungsmitteln eingesetzte Bakterienstämme:
  • Bifidobacterium animalis subsp. lactis BB-12 [Chr. Hansen, Fitline all in 1000]
  • Bifidobacterium animalis subsp. lactis DN-173 010 (= Bifidobacterium Digestivum Essensis) [Danone]
  • Bifidobacterium animalis subsp. lactis HN019 (= Howaru Bifido) [Danisco]
  • Lactobacillus acidophilus LA5 [Chr. Hansen, Fitline all in 1000]
  • Lactobacillus acidophilus NCFM [Rhodia Inc.]
  • Lactobacillus johnsonii La1 (= Lactobacillus LC1) [Nestlé]
  • Lactobacillus casei immunitass/defensis (= Actimel) [Danone]
  • Lactobacillus casei Shirota (DSM 20312) [Yakult]
  • Lactobacillus casei CRL431 [Chr. Hansen]
  • Lactobacillus delbrueckii subsp. bulgaricus [Fitline all in 1000]
  • Lactobacillus reuteri (ATCC 55730) [BioGaia Biologics]
  • Lactobacillus rhamnosus (ATCC 53013) (=LGG) [Valio]
  • Streptococcus thermophilus [Fitline all in 1000]
Foto: Imago
Eine Behandlung mit Probiotika kostet etwa 15 Euro, welche durch verhinderte Durchfallerkrankungen und deren Folgekosten sicher schnell eingespart sind.

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