Selbstmedikation

Probiotika zur Prävention von Durchfall: Wirksamkeit bei Antibiotikatherapie belegt

Frühere Untersuchungen hatten eine mögliche präventive Wirkung von Probiotika, Nahrungsergänzungsmitteln mit lebenden Bakterien, bei Antibiotika-assoziierten Diarrhöen aufgezeigt, die Ergebnisse waren jedoch umstritten. Eine aktuelle Studie belegt jetzt die Wirksamkeit einer Medikation mit Probiotika zur Prävention von Durchfallerkrankungen. Eine US-amerikanische Metaanalyse wertete 82 randomisierte kontrollierte Studien mit nahezu 12.000 Patienten aus. Eine weitere englische Studie soll die Wirksamkeit spezifischer probiotischer Bakterien bei älteren, hospitalisierten Patienten aufzeigen.
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Durchfallerkrankungen gehören zu den häufigsten Nebenwirkungen einer Antibiotikatherapie. Neue Studien belegen jetzt die Wirksamkeit von Probiotika zur Prävention von Antibiotika-assoziierter Diarrhö.

Abhängig vom eingesetzten Antibiotikum entwickeln etwa 5 bis 40% aller Patienten eine Antibiotika-assoziierte Diarrhö. Durchfallerkrankungen gehören damit zu den häufigsten Nebenwirkungen einer Antibiotikatherapie. Besonders gefährdet sind ältere und hospitalisierte Patienten. Grundsätzlich können alle Antibiotika Durchfall auslösen. Das Risiko ist allerdings bei Cephalosporinen und Aminopenicillinen deutlich höher als bei Tetracyclinen oder Penicillin.

Keine Hinweise auf Effektivität bestimmter Mikroorganismen

Als Nebenwirkung einer Antibiotikatherapie kommt es vielfach zu einer Störung der körpereigenen Darmflora. Die Folge kann eine Diarrhö sein, die ein häufiger Grund für einen vorzeitigen Therapieabbruch ist. Probiotische Mikroorganismen, die natürlicherweise im gesunden Darm vorkommen, sollen pathologische Bakterien und andere Erreger im Darm verdrängen, indem sie z. B. um dieselben Nahrungsquellen konkurrieren und so einen Schutz der Darmflora bewirken. Es gibt daher zahlreiche Untersuchungen zur Wirksamkeit einer begleitenden Einnahme von Probiotika, Nahrungsergänzungsmitteln mit lebenden Bakterien oder Hefen, gegen Antibiotika-assoziierte Diarrhö; die Ergebnisse waren jedoch nicht hinreichend belegt. Eine US-amerikanische Studie hat jetzt 82 randomisierte kontrollierte Studien mit etwa 11.800 Patienten zur präventiven Anwendung von Probiotika bei einer Antibiotikatherapie ausgewertet. Die klinisch relevante Metaanalyse ergab eine Reduktion des Erkrankungsrisikos um über 40% nach Einnahme von Probiotika, zeigte aber keinen Hinweis auf besonders effektive Mikroorganismen auf, die für eine spezifische Anwendung geeignet sein könnten. Es seien daher weitere Studien notwendig, welche Probiotika mit der höchsten Effektivität verbunden seien und im Zusammenhang damit auch für welche Patienten mit welcher Medikation, so die Autoren.

Eine in Großbritannien geplante Studie soll jetzt die Wirksamkeit von probiotischen Bakterien zur Prävention von Antibiotika-assoziierter Diarrhö bei älteren, hospitalisierten Patienten aufzeigen. Im Rahmen dieser multizentrischen, randomisierten und placebokontrollierten PLACIDE-Studie werden jeweils zwei Lactobacillus - und Bifidobacterium -Stämme über einen Zeitraum von 21 Tagen eingesetzt. Die Studienleiter sind zuversichtlich, mit diesem Ansatz einen Rückgang von Clostridium-difficile -Infektionen, die gerade im Krankenhausbereich besonders gefürchtet sind, um mindestens 50% zu erzielen, wobei sie das Potenzial auf 80% einschätzen. Die Studie soll jetzt an einer großen Zahl von Patienten außerhalb und innerhalb von Kliniken in zwei unterschiedlichen Regionen Großbritanniens durchgeführt werden [2].


Quelle

[1] Hempel, S; et al.: Probiotics for the Prevention and Treatment of Antibiotic-Associated Diarrhea. A Systematic Review and Meta-analysis. J. Amer. Med. Assoc. 2012; 307(18): 1959 – 1969.

[2] Allen, S.J.; et al.: A multicentre randomised controlled trial evaluating lactobacilli and bifidobacteria in the prevention of antibiotic-associated diarrhoea in older people admitted to hospital: the PLACIDE study protocol. BMC Infect Dis. 2012, 12(1):108; DOI:10.1186/1471-2334-12-108; Vorveröffentlichung vom 6. Mai 2012.


Dr. Hans-Peter Hanssen



DAZ 2012, Nr. 22, S. 54

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