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Krebs bei Kindern: Nierenschäden nach Chemotherapie vorbeugen

Bei Kindern mit Knochen- und Muskeltumoren werden in erster Linie Cyclophosphamid und Ifosfamid eingesetzt. Die Heilungsrate unter dieser Chemotherapie ist mit bis zu 70 Prozent hoch. Allerdings wird sie mit Nebenwirkungen erkauft – unter anderem mit Nierenschäden, die sich oft erst Jahre nach der Behandlung bemerkbar machen. Wie man ihnen vorbeugen kann, wird derzeit an der Universität Würzburg erforscht.

Es ist vor allem die Therapie mit Ifosfamid, die sich laut den Würzburger Wissenschaftlern negativ auf die Nieren auswirkt. "Für die Beeinträchtigung der Nieren sollen zwei Stoffwechselprodukte verantwortlich sein, die im Körper durch den Abbau von Ifosfamid entstehen", erklärt Dr. Andreas Benesic vom Physiologischen Institut. Der Hauptschaden entsteht am proximalen Tubulus. Dort wird der Löwenanteil der Nährstoffe und Elektrolyte aus dem Harn in den Körper zurückgeholt. Laut Benesic ist bislang ungeklärt, welcher Mechanismus dem Defekt zu Grunde liegt. "Die Beobachtungen deuten aber darauf hin, dass es kein akuter Schaden ist, wie es zum Beispiel bei einem massiven Absterben von Zellen der Fall wäre", erklärt der Mediziner. Stattdessen entstehe eine chronische Funktionsstörung, die sich nach der Chemotherapie mehr und mehr verschlimmere.

Derartige langsam fortschreitende Beeinträchtigungen der Nieren können zum Beispiel dann entstehen, wenn Nierengifte die Signalwege beeinflussen, die bestimmte Zellfunktionen steuern. Darum untersucht Benesic, welche Wirkung die verdächtigen Substanzen auf die Signalübertragung innerhalb der Zellen ausüben. Um den Vorgängen beim Patienten möglichst nahe zu sein, experimentiert der Würzburger Mediziner mit menschlichen Nierenzellkulturen. Aus den so gewonnenen Erkenntnissen erhofft er sich Anhaltspunkte, wie man die von der Chemotherapie ausgelösten Nierenschäden bei Kindern verhindern kann. ral

Quelle: Pressemitteilung der Bayerischen Julius-Maximilians-Universität Würzburg, 16.11.2004

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