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"Der pharmazeutische Beruf ist ein echt weiblicher ..."* (Teil 2)

Vor 50 Jahren wurde mit dem BVA – heute ADEXA – eine bundesweite Vertretung der Apothekenangestellten geschaffen. Dieses Jubiläum war der Anlass, sich mit der Geschichte der pharmazeutischen Berufe auseinanderzusetzen. Im zweiten Teil der Miniserie "Apothekerinnen" geht es um die Frage, wie PharmazeutInnen ihre berufspolitischen Interessen durchsetzen können.

Rund zwei Drittel der berufstätigen ApothekerInnen sind Frauen. Bei den Neuapprobierten und Pharmaziestudierenden liegt dieser Anteil noch höher. Doch auf der berufspolitischen Ebene – in Kammern, Apothekerverbänden und in der ABDA – hat sich dies Geschlechterverhältnis noch nicht durchgesetzt. Hier dominieren nach wie vor die Männer. Damit sich das ändert, hat eine Gruppe PharmazeutInnen auf dem Apothekertag 2002 den Deutschen PharmazeutInnen Verband (dpv) gegründet. Er besitzt mittlerweile über hundert Mitglieder aus allen pharmazeutischen Berufen und versteht sich als Netzwerk mit Vorbildfunktion für junge Frauen, sich berufspolitisch zu engagieren.

Frauen im Beruf: Das sagt die Statistik

  • Deutschland weist bei Gehältern europaweit das größte Gefälle zwischen Frauen und Männern auf. Weibliche vollzeitbeschäftigte Angestellte verdienten 2003 durchschnittlich 30% weniger als ihre männlichen Kollegen.1
  • 2002 waren im Gesundheitswesen 3,0 Millionen Frauen beschäftigt – das war jede sechste berufstätige Frau. Der Anteil weiblicher Beschäftigter lag mit 72% weit über dem Anteil in der Gesamtwirtschaft (44%).1
  • Im Jahr 2001 betrug der Anteil der Frauen bei den Neuapprobierten 71%2 und bei den Studienanfängern 76%1.
  • In der Apotheke lag der Anteil der weiblichen Beschäftigten 2002 bei 87%.1

Quellen: 1Statistisches Bundesamt, 2ABDA

Auch aus anderer Richtung bläst Wind in die Strukturen der ABDA. Das Verwaltungsgericht Berlin hat kürzlich in einem erstinstanzlichem Urteil festgestellt: Die angestellten Approbierten sind in der ABDA gegenüber den selbstständigen ApothekerInnen satzungsgemäß unterrepräsentiert – und damit benachteiligt. Die Apothekerkammer Berlin wurde dazu verurteilt, aus der ABDA zum nächstmöglichen Zeitpunkt auszutreten und bis dahin ihre Mitgliedsrechte in der ABDA nicht mehr auszuüben. Geklagt hatte Ingeborg Simon, angestellte Apothekerin aus Berlin und seit Jahren Verfechterin einer besseren Vertretung von Angestellten in der Berufspolitik.

Zwar wird die Berliner Kammer in die nächste Instanz gehen. Und andere Verwaltungsgerichte haben inzwischen anders entschieden. Doch ein Verharren im Status quo wird auf Dauer kaum möglich sein. Und mit einer besseren Vertretung der Angestellten wird sich auch der Frauenanteil in der Berufsvertretung erhöhen – vorausgesetzt, es sind auch genügend Frauen dazu bereit, Verantwortung für ihre beruflichen Interessen zu übernehmen.

50 Jahre Pharmaziegeschichte unter weiblichem Blickwinkel 

1954 Rund 30 Prozent der berufstätigen ApothekerInnen sind Frauen. 
1956 Apothekerin Fanny Lettaus Klage gegen das damals übliche Verleihungsverfahren für Konzessionen führt zum "Berliner Urteil", in dem der Konzessionsverleih für grundgesetzwidrig erklärt wird. 
1957 Auf dem Apothekertag ergreift erstmals eine Frau das Wort. Sie wird vom Versammlungsleiter begrüßt und bekommt ein Buchgeschenk, doch ihr Redebeitrag wird nicht – wie der ihrer Kollegen – in der PZ wiedergegeben. 
1964 Magdalene Neff, geb. Meub, erhält für ihre Verdienste als "erste deutsche Apothekerin" von der ABDA die Lesmüller-Medaille. Der Frauenanteil unter den berufstätigen ApothekerInnen beträgt 41%. 
1987 In der DAZ wird die Rubrik "Frauen-DAZ" geschaffen. Sie wird von Reinhild Berger (heute Chefredakteurin der PTA heute) betreut und erscheint in unregelmäßigen Abständen über einen Zeitraum von 2 Jahren. 
1989 Der 1. PharmazeutInnen-Kongress, die apotheka ’89, lockt 500 Kongress-TeilnehmerInnen ins Forum Ludwigsburg, darunter 40 Männer. Vorbildlich ist neben dem inhaltlichen Programm auch die angebotene Kinderbetreuung. Der Deutsche Akademikerinnenbund (DAB) gründet auf der apotheka ‘89 einen "Arbeitskreis PharmazeutInnen". 
1996 BVA, BVpta und BdA veranstalten in Hamburg eine Podiumsdiskussion zum Thema "Frauen verdienen mehr …". Gefordert wird ein Ende der frauentypischen Bescheidenheit – und mehr Solidarität, Selbstbewusstsein und Selbstverantwortung unter berufstätigen Frauen.
1996 Das "Forum Leipzig" wird gegründet als Vertretung aller nichtselbstständigen ApothekerInnen und Apotheker. 
1999 Auf der Expopharm in Leipzig wird das Jubiläum "100 Jahre Frauenstudium in der Pharmazie" durch eine Ausstellung des Vereins demokratischer PharmazeutInnen und Pharmazeuten (VdPP) gewürdigt. Aus dem gleichen Anlass überreicht ABDA-Präsident Friese bei der Eröffnung des Apothekertags den anwesenden Frauen 100 rote Rosen ("… eine nette Geste, mehr nicht", kommentiert eine Teilnehmerin). 
2002 Der Deutsche PharmazeutInnen Verband (dpv) wird gegründet und auf dem Apothekertag in Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt. Zu den Gründungsmitgliedern gehört auch Antonie Marqwardt (BVA).

Die ADEXA-Frauen gehen hier mit gutem Beispiel voran. Schon 1984 gab es den ersten "männerfreien" Vorstand beim damaligen BVA. Auch heute sind die Aktiven bis auf eine(!) Ausnahme Frauen. Und wer weiß, ob nicht die erste ABDA-Präsidentin aus den Reihen der (ehemaligen) ADEXA-Aktiven stammen wird. Das ist allerdings noch Zukunftsmusik. Fakt ist dagegen, dass sich gerade die ADEXA-Fachgruppe der Approbierten über weitere engagierte Mitstreiterinnen freut. Wäre das nicht etwas für Sie, liebe Leserin?

Dr. Sigrid Joachimsthaler

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