Arzneimittel und Therapie

Antibiotika: Fluorchinolon-Resistenz bei Bakterien

Der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung wird insbesondere im Zusammenhang mit möglichen Resistenzentwicklungen sehr kritisch beobachtet. In einem internationalen Expertengespräch am Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) sollte aufgezeigt werden, ob sich aus der auch in Deutschland beobachteten Zunahme der Fluorchinolon-Resistenz ein Handlungsbedarf für den Bereich der Veterinär- und/oder Humanmedizin ergibt

Bei den Fluorchinolonen handelt es sich um synthetische Antibiotika, die seit etwa 15 Jahren in der Humanmedizin und seit den 90er Jahren auch als Tierarzneimittel angewendet werden. Sie sind sowohl gegen grampositive Bakterien (z. B. Staphylokokken, Streptokokken, Pneumokokken) als auch gramnegative (z. B. Salmonellen, Klebsiellen, Campylobacter, E. coli) sowie einige atypische Erreger (Chlamydien, Mykoplasmen) aktiv.

Schwerpunkte der Anwendung in der Veterinärmedizin sind Atemwegs- und Darmerkrankungen. Es werden sowohl Einzeltiere (bei Rindern und Schweinen) als auch ganze Bestände (bei Geflügel) behandelt. Das bedeutet, dass bei Ausbruch einer Infektion in einem Geflügelbestand alle Tiere das Antibiotikum über das Trinkwasser erhalten. Damit werden einerseits auch gesunde Tiere behandelt, andererseits nehmen die kranken Tiere in Abhängigkeit von der Trinkmenge teilweise subtherapeutische und damit resistenzauslösende Fluorchinolonmengen auf.

Anstieg der Resistenz

Seit der Zulassung der Fluorchinolone zur Anwendung am Tier, insbesondere beim Nutzgeflügel, ist ein Anstieg resistenter Keime beobachtet worden. Dies trifft vor allem auf Campylobacter und Salmonella-Typen zu. In Mitteleuropa sind beispielsweise etwa 15 bis 20% der Campylobakter-Keime resistent gegen Fluorchinolone.

Bedrohlich ist dabei, dass diese Bakterien, beispielsweise über kontaminierte Lebensmittel, vom Tier auf den Menschen übertragen werden und dann unter anderem schwere Magen-Darm-Infektionen auslösen können. Wenn die vorhandenen Antibiotika ihre Wirksamkeit verloren haben, kann das für empfindliche Patienten wie Frühgeborene, alte und immungeschwächte Personen sogar lebensbedrohlich sein.

In den USA zeigt sich die Zulassungsbehörde FDA besorgt über diese Entwicklung und hat eine Rücknahme der Zulassung für die Anwendung von Fluorchinolonen bei Geflügel erwogen. Eine von der FDA zu dieser Problematik in Auftrag gegebene Studie ergab jedoch, dass diese Maßnahme wahrscheinlich nur einen geringen Beitrag zur Bekämpfung der Resistenz liefern würde.

Handlungsbedarf in Deutschland?

Das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) beobachtet seit Jahren den Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung, besonders in Zusammenhang mit möglichen Resistenzentwicklungen, sehr kritisch. In einem internationalen Expertengespräch in Berlin wollte man herausfinden, ob sich aus der auch in Deutschland beobachteten Zunahme der Fluorchinolon-Resistenz ein Handlungsbedarf für den Bereich der Veterinär- und/oder Humanmedizin ergibt.

Es sollten Risikomanagement- und Kommunikationsstrategien erarbeitet werden, um das Risiko für den Menschen durch den Einsatz der Fluorchinolone in der Tierproduktion so weit wie möglich zu reduzieren. Im wesentlichen wurden von den Experten folgende Standpunkte erarbeitet:

  • Fluorchinolone sind Reserveantibiotika der Humanmedizin und sollten daher nur eingeschränkt als Tierarzneimittel angewendet werden.
  • Für den Einsatz der Fluorchinolone in der Veterinärmedizin sollte der Grundsatz "so selten wie möglich und so kurz wie nötig" gelten.

Das BgVV spricht sich insbesondere dafür aus, die Substanzen nur nach einer Sensitivitätsprüfung der Keime und keineswegs zur Prophylaxe oder bei Bagatellinfektionen anzuwenden.

  • Es ist notwendig, Tierärzte stärker als bisher für die Resistenz-Problematik zu sensibilisieren. Die Experten plädieren daher dafür, eine Fortbildungspflicht für Veterinärmediziner einzuführen.
  • Das BgVV fordert, in Surveillance-Studien, die sich mit der Überwachung der zunehmenden Resistenz bei Krankheitserregern beschäftigen, auch Isolate aus der Veterinärmedizin zu erfassen.

Neue gesetzliche Regelungen

Es wird davon ausgegangen, dass sich diese Ziele leichter verwirklichen lassen, wenn die bestehenden Gesetze entsprechend angepasst werden. Verbesserungen erhofft man sich vor allem vom Tierarzneimittel-Neuordnungsgesetz. Der Gesetzentwurf ist kürzlich auf Antrag der Ländern Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Schleswig-Holstein vom Bundesrat beim Deutschen Bundestag eingebracht worden.

Ziel ist es, bestehende Fehlentwicklungen bei der Verabreichung von Tierarzneimitteln, die nicht mit den grundsätzlichen Zielsetzungen des Arzneimittelgesetzes übereinstimmen, einzudämmen. Wenn es gelänge, den Verkehr mit Tierarzneimitteln effizienter zu überwachen, könnte man nach Meinung der Experten auch die Resistenz-Problematik besser in den Griff bekommen.

Fluorchinolonein der Humanmedizin

In der Humanmedizin sind Fluorchinolone u. a. zur Behandlung von Infektionen der Atem- und Harnwege, des Darmes, der Haut, des Weichteilgewebes, der Knochen und Gelenke zugelassen. Die Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie hat eine Einteilung der in Deutschland verfügbaren Fluorchinolone in vier Gruppen vorgeschlagen. Diese Einteilung richtet sich nach dem antibakteriellen Spektrum, der Pharmakokinetik und den Indikationen der Substanzen. Lomefloxacin (Okacin) ist in Deutschland nur in Augentropfen erhältlich. Auch wenn die Fluorchinolone vergleichsweise wenig Nebenwirkungen aufweisen, sind doch einige Substanzen (Grepafloxazin, Vaxar, Trovafloxacin, Trovan, Temafloxacin, Teflox) wegen zum Teil schwerer unerwünschter Wirkungen wieder aus dem Verkehr gezogen worden.

Quelle

Expertengespräch zur "Problematik der Fluorchinolon-Resistenz bei Bakterien von Menschen und von Tieren" am 18. Februar 2002 im Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) in Berlin. Zeitschrift für Chemotherapie. Informationen für Ärzte und Apotheker zur rationalen Chemotherapie: www.zct-berlin.de. Pressemitteilung des Bundesrates vom 1. Februar 2002: www.bundesrat.de.

Der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung wird insbesondere im Zusammenhang mit möglichen Resistenzentwicklungen sehr kritisch beobachtet. In einem internationalen Expertengespräch am Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) sollte aufgezeigt werden, ob sich aus der auch in Deutschland beobachteten Zunahme der Fluorchinolon-Resistenz ein Handlungsbedarf für den Bereich der Veterinär- und/oder Humanmedizin ergibt.

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