DAZ aktuell

Erfassung von Abgabemengen von Antibiotika für Tiere

KÖLN (diz/dimdi). Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), das in Deutschland für die Zulassung von Tierarzneimitteln zuständig ist, beabsichtigt, Gesamtmengen von angewendeten Antibiotika in der Tiermedizin für ganz Deutschland zu ermitteln. Sinn ist es, Informationen zum Antibiotikaverbrauch und zur Antibiotikaresistenz-Entwicklung zu bekommen.

Vor diesem Hintergrund muss die Industrie ab 2011 erfassen, welche Mengen an Antibiotika- und Hormon-haltigen Tierarzneimitteln sie jährlich abgibt. Die Daten sind bis März 2012 an ein zentrales Register zu melden. Das Register wird beim DIMDI geführt. Die Daten sind ausschließlich für die auswertenden Behörden zugänglich. Das BVL in Berlin betreut das Verfahren inhaltlich.

Wie das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) hierzu berichtet, sind pharmazeutische Unternehmen und Großhändler mit Ablauf des Kalenderjahres 2011 aufgerufen, ihre jährlichen Verkaufszahlen regional aufgegliedert an das Register zu melden. Neben Antibiotika werden laut Mitteilung weitere Stoffgruppen einbezogen, bei denen ein missbräuchlicher oder fahrlässiger Einsatz entgegen den rechtlichen Einschränkungen auf bestimmte Anwendungsgebiete vorstellbar ist. Welche Stoffe und Tierarzneimittel von der Meldepflicht genau betroffen sind und wie die Meldung erfolgen soll, wurde im elektronischen Bundesanzeiger am 22. November 2010 veröffentlicht. Weitere Details sind zudem auf dem Portal für Arzneimittelinformationen des Bundes und der Länder unter PharmNet.Bund.de zu finden.

Sinn dieser vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit ausgehenden Meldeaktion und Monitorings ist es, weitergehende Erkenntnisse zur Antibiotikaresistenz-Entwicklung in der Tiermedizin, aber auch beim Menschen gewinnen zu können. In Deutschland ist das BVL für die Zulassung von Tierarzneimitteln zuständig. Resistenzen gegen Antibiotika verursachen zunehmend Probleme in der Humanmedizin und in der Tiermedizin. Eine wechselseitige Übertragung von Bakterien ist prinzipiell denkbar. Resistente Bakterien können durch direkten Kontakt sowie über Lebensmittel tierischer Herkunft übertragen werden. Moderne Reisemöglichkeiten und der Transport von Tieren und Lebensmitteln über Kontinente hinweg erlauben auch resistenten Bakterien, sich rasch auszubreiten. Die Entstehung von Resistenzen gegen Antibiotika zu beobachten und zu verstehen, wird daher für ihre Bekämpfung immer wichtiger.

Um Zusammenhänge der Resistenzentwicklung besser zu verstehen und effektivere Maßnahmen ergreifen zu können, sind Angaben zum Antibiotikaverbrauch, aufgeschlüsselt nach Einzelsubstanzen bzw. Wirkstoffklassen, zur Art ihrer Anwendung und zur Verbreitung von Resistenzen notwendig. Diese Daten sollen repräsentativ und auf möglichst breiter Basis erhoben werden. Die EU hat aktuell begonnen, ein System zur Erfassung des Einsatzes von Antibiotika europaweit zu etablieren. Vor diesem Hintergrund hat die Bundesregierung die Einführung des Tierarzneimittel-Abgabemengen-Registers beschlossen. Rechtliche Rahmenbedingungen wurden im § 47 Abs. 1c des Arzneimittelgesetzes und in der DIMDI-Arzneimittelverordnung geschaffen.

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